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Der Obstbau. 1888.

Diese Entdeckung Dr. Kellers läßt eine Ver­änderung des zur Vertilgung der Reb­läuse angewandten Verfahrens dringend notwendig erscheinen. Dasselbe bestand darin, daß man im Juli und August die angesteckten Stöcke mit Schwefelkohlenstoff abtötete, mit dem gründlichen Aufwerfeu des Bodens und dem Vernichten des Wurzelwerkes aber bis zum Ein­tritt des Winters wartete, da man für die Zwischenzeit keine neue Ansteckung befürchtete. Aus Dr. Kellers Versuch geht aber hervor, daß die Rebläuse, welche nicht direkt vom Schwefel­kohlenstoff abgetötet wurden, was immer bei einer Anzahl der Fall sein wird, gerade infolge des Absterbens der Weinstöcke und des eintretenden Nahrungsmangels den Boden als geflügelte Form verlassen und die Ansteckung weiter tragen. Dr. Keller schlägt vor, das Dcsinfektionsverfahren dahin abzuändcrn, daß unmittelbar nach der An­wendung des Schwefelkohlenstoffs der Boden noch mit einer Schutzdccke versehen wird, welche das Entweichen der geflügelten Formen verhindert.

Besonders große Irnchte kann man da­durch erzielen, daß man die Früchte nicht hängen läßt, sondern nach oben richtet; entweder bindet man die Frucht, so lange sie noch jung ist und senkrecht auf dem Stiel steht, an den betreffenden Ast leicht an, so daß die Frucht sich ausdehnen kann; der Bund muß öfters erweitert werden, damit er nicht in die Frucht eiuschneidet; oder wähle man die zweite und bequemere Art, die Frucht durch ein Brettstück zu stützen, welches man auf einen Pfahl nagelt, der unter der Frucht einzuschlagen ist, so daß dieselbe möglichst wag­recht liegt. G.

Gegen den durch Schwarzwild verursachten Wildschaden sucht man sich in Elsaß-Lothringen durch folgende geplante Gesetzesbestimmungen zu schützen: 1. Die Gebühr wird vom 1. Februar 1889 ab für Ausstellung eines Jagdscheins um 4 JC., für Ausstellung eines Zusatzjagdscheins um 1 <K erhöht. 2. Der Ertrag dieser Zuschlagsgcbühren bildet einen besonderen zur Laudeskasse zu ver­einnahmenden und zur Verfügung des Ministeriums stehenden Fond; derselbe ist zur Gewährung von Beihilfen au Landwirte zu verwenden, welchen an landwirtschaftlich benützten Grund­stücken oder deren Erzeugnissen Schaden durch Schwarzwild verursacht worden ist.

Eine unglaublich verderbliche Waupenpkage, wie sie kaum jemals dagewesen, wurde im Juli d. I. aus der Ortschaft Niendorf, Kreis Oster­burg, Regierungsbezirk Magdeburg, gemeldet.

Die Raupen haben dort sämtliche Hackfrüchte ver­nichtet und das Laub an allen Bäumen und Sträuchcrn aufgefressen. Selbst in die Wohn­häuser und Viehställe drangen die Raupen und Menschen und Tiere konnten sich dieser neuen ägyptischen Plage kaum erwehren. Was man gegen das Ungeziefer anwendete, war bei dessen unerhörter Massenhaftigkeit umsonst; man mußte dem Verderben bis zum Schluß den Lauf lassen. Die Einwohner versichern, daß in den zwan­ziger Jahren das gleiche Verderben über das Dorf hereingebrochcn sei.

Kerstenwein, so teilt man uns mit, ist das neueste Erzeugnis der französischen Weinindustrie. Aus einer Mitteilung an die Pariser Akademie geht hervor, daß es einem Herrn Jacquemin in Nancy gelungen ist, aus Gerste in derselben Weise Wein zu bereiten, wie man Bier bereitet und zwar indem er den Gärungsstoff des Weins an Stelle der Biergärung auf Gerste einwirken läßt. Der Gerstenwein enthält 5 Prozent Al­kohol und soll sehr nahrhaft sein. Er schmeckt angeblich wie etwas abgestandener Schaumwein.

Leider wird in manchen Gegenden der Iluß- öaum immer seltener. Grund: das Nußbaum­holz wird gern gekauft und teuer bezahlt; also haut man die Bäume um; ferner: unter dem Nußbaum gedeiht nichts. Nun, was das letztere betrifft, so giebts noch allerlei öde Plätze, vor denen die Landwirtschaft Halt machen muß: da gedeiht der Nußbaum, wenn sonst das Klima stimmt, immer noch vortrefflich und was die Hauptsache ist, er bringt ohne weitere Pflege reiche, gern begehrte und gut bezahlte Ernten. Daneben ists immer ein wunderschöner Baum, an dem man seine helle Freude haben muß. Also die Nußbäume nicht ausrotten, wie es da und dort den Anschein hat, sondern lieber an geeig­neten Plätzen junge nachpflanzen! Der Nußbaum ist auch ein Obstbaum und zwar ein wertvoller und schöner dazu.

Nach Berichten von Reisenden schütten die Araber, wenn ein Fruchtbaum gelbe Blätter be­kommt, also in Kekösucht verfällt, Tierblut an die Wurzeln. Ein auch bei uns nicht unbekanntes Dünge- und Heilmittel, welches daraus zu er­klären ist, daß gelbsüchtige Bäume in der Regel nicht genügende Bodennahrung, vor allem keinen eisenhaltigen Boden mehr haben und daß gerade das nötige Eisen in flüssiger, also für die Baum­wurzeln aufnehmbarer Form im Blut enthalten ist. Außerdem enthält natürlich das Blut auch noch andere wertvolle Nährstoffe.

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