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Der Obstbau. 1888.
verdienen alle Aufmerksamkeit; es darf derselbe allgemein empfohlen werden. Die Sommertriebe sind braunrot, fein punktiert und silber-
häutig; das Blatt ist groß, eiförmig und scharf gezahnt, die Augen sind ziemlich stark weißwollig.
II. Praktischer Obstbau.
librr Mostsorten.
Da diesen Herbst die Äpfel den besten Ertrag in Gärten, Banmfeldern und Straßen liefern, so kann in vielen Gemeinden des Neckarkreises ziemlich Mostobst verkauft werden. Schreiber dieses hat in den letzten Wochen bei den Obst- baum-Visitationen öfters zu hören bekommen, daß die Nachfrage nach roten Äpfeln, namentlich nach Luiken, am größten sei. Hauptsächlich in Stuttgart und Umgegend, ebenso in Heilbronn, ist die nicht gerechtfertigte Ansicht stark verbreitet, daß nur rote Äpfel guten Most geben. Ein Irrtum; denn es giebt noch sehr viele wertvolle Obstsorten, welche die drei Hauptbenütznngsarten in sich vereinigen: gute Tafelsorte, vorzügliche Mostsorte und ausgezeichnetes Dörrobst zu sein. Hier sind es die grauen Reinetten, welche den Vorzug unter allen Mostäpfcln verdienen. Folgende Apfelsorten sind noch wenig bekannt und angepflanzt: Graue Canada-Reinette, graue Herbstreinette, grauer Kurzstiel, Carbanter, graue französische Reinette, Carpentin, Osnabrückcr Reinette, Gäsdonker Reinette, Van Mons-91., Parkers Pepping, Ribston Pepping, Downton Pepping, englische Spital-Reinette, Mnscatrcinette, Dama- son-Reinette, Burchard-Reinctte, Casseler Reinette, Wellington-Reinette, mehrere Goldreinctten und Streiflinge wie Goldparmäne, Goldreinette von Blenheim, rh. Bohnapfel, Morgenduftapfel, Ober- diecks-Reinette. Ebenso verdienen die grünen Reinetten mehr Beachtung und sind nachstehende Sorten wertvoll: Grüner Fürstenapfel, grüne Lothringer Reinette, Champagner-Reinette, Winter- Quittenapfel, Schaaffelder, bedufteter Langstiel, spätblühender Taffetapfel, goldgelbe Sommer- Reinette , Wachsapfel. Schließlich sollen auch noch einige rote Apfelsorten, sowohl calvill- als reinettenartige Früchte, bezeichnet werden. Lang
tons Sondersgleichen, Winter-Rosenapfel, roter Eiserapfel, roter Cousinot, roter Trier'scher Weinapfel, K. roter Kurzstiel, Baumanns Reinette, Harberts Reinette, brauner Matapfel und der Pirus baccata Hohenheimer Rießlingapfel, extra Mostsorte. Je nachdem von den erst genannten grauen Reinetten 3—5 Sorten znsammengemostet werden, was sehr zweckmäßig ist, kann ein Obstwein hergestellt werden, der 60—70 Grad, von der Presse weg gewogen, zeigt, d. h. Most ohne Wasserzusatz. Es können damit nur die besten Mostbirnen, wie Wolfsbirn, Wildling von Einsiedel, gelbe Wadelbirn, Weiler'sche Mostbirn, Pomeranzenbirn, Champagner Bratbirn, Metzer Bratbirn u. s. w. in Vergleich gezogen werden. In den zwei letzten Fehljahren 86—87 ist nach Württemberg vom Ausland (Schweiz, Tirol, Steiermark u. s. w.) sehr viel Obst, sogenanntes Kernobst (unveredelt), grüne Reinetten, eingeführt worden: es hat zwar auch einen guten Most gegeben, der leider oft nur zu bald ausgegangen ist. Aber bekanntlich sind bei den meisten Kernobstsorten die Früchte kleiner, trockener, dickhäutig und haben einen faden Geschmack; dazu übt das örtliche Klima, die Bodenlage, steinigter oder zu nasser Untergrund, Nachteile aus, wie umgekehrt geschützte Lage und tiefgründiger, milder Lehmboden einen großen Einfluß auf die Früchte hat. Da hat denn unser inländisches Tafel- und Mostobst, wenn vollends die guten wertvollen vorhin bezeichneten Obstsorten zum Vorschein kommen und auf den Obst-Märkten zum Verkauf angc- boten werden, einen großen Vorzug vor dem ausländischen. Es sollten also Verkäufer (Produzenten) wie Käufer (Konsumenten) über diesen Gegenstand noch mehr lernen und sich von Fachmännern belehren lassen. Schließlich sei noch erwähnt, daß in vielen Gegenden Württembergs die guten Winterobstsorten zu bald geerntet
