Der Obstbau. 1888.

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werden d. h. die Obstfrüchte werden vorzeitig von den Bäumen herunter geschlagen, und man kann dann eine Menge kleiner Zweige (Quirlholz mit Fruchtansatz) auf dem Boden liegen sehen. Von Wert wäre es, wenn Gemeinden und Private den Tag des Obstverkaufs soweit wie möglich hinausschieben und dann die kleinen Baumguts­besitzer diesem Beispiel folgen würden.

Marbach a. N. C. Koch.

Wie bewahre ich mein Mist am besten über den Winter auf?

Darüber braucht man nicht viel Worte zu verlieren, von welch großem Wert es ist, wenn man den Winter und fast das ganze Jahr über frisches Obst zur Verfügung hat. Dem Gesunden schmeckt's herrlich, wenn er sich in der warmen Stube so einen rotbackigen Äpfel zu Gemüt führt, während draußen der Sturmwind pfeift und die Schneeflocken wirbeln; welch ein köstliches Labsal ist's aber vollends für den Kranken, dem der Arzt den Genuß von frischem Obst verordnet hat, und wie ist man in so einem Fall froh, wenn man es selber gleich bei der Hand hat oder wenn man einem leidenden Nach­barn und guten Freund damit aushelfen kann! Die Kinder wissen nichts höheres als Äpfel und Birnen und Nüsse, schon wenn draußen noch die Bäume vollhängen und doppelt und dreifach, wenn's draußen längst nichts mehr giebt; aber auch jeder Erwachsene wird es als eine Feinheit und Seltenheit zu schätzen wissen, wenn man ihm im März oder im April oder gar noch später z. B. so einen delikaten Lederapfel anfwartet. Ganz zu schweigen von dem großen Geldwert der Früchte, welcher um so höher steigt, je mehr man sich von ihrer Erntezeit entfernt.

Also von großem und vielfachem Werte ist's in jedem Fall, wenn man Obst aufbewahrt.

Aber dies Aufbewahren muß in der rech­ten Weise und mit richtigem Verständ­nis geschehen; sonst geht es uns, wie so man­chem, der sich bitter darüber beklagt, daß ihm sein Winterobst erstickt, verfault, vermodert, an- nnd aufgefressen oder sonstwie beschädigt worden

sei. Auch hier heißt's wie überhaupt bei der ganzen verständig betriebenen Obstzucht: nur mit Verstand, dann hört der Schaden auf!

Dazu gehört vor allem, daß man sich folgen­den Punkt klar macht. So lange die Früchte noch wachsen und der Reifezeit sich erst nähern, nehmen sie, wie ihre Blätter auch, aus der Lust Kohlensäure auf und geben Sauerstoff ab; diese Kohlensäure macht es, daß die unreifen Früchte bekanntlich so sauer und aber auch so ungesund sind. Hat jedoch die Reifezeit begonnen, so dreht sich's: die Frucht atmet jetzt mehr Kohlensäure aus und mehr Sauerstoff ein und wird süß; sie wird sich aber zersetzen und verwesen, wenn schließ­lich alle Kohlensäure durch Sauerstoff verdrängt, wenn die Frucht überreif geworden ist, denn der Sauerstoff bedingt wesentlich jede Verbrennung und Verwesung. Das muß also verhindert werden; die Frucht soll ja nicht verwesen, sondern ans­dauern; die Verwesung aber beginnt, wie gesagt, sobald die Kohlensäure durch den Sauerstoff ver­trieben ist. Demnach ist dafür zu sorgen 1. daß noch Kohlensäure in der Frucht ent­halten ist, wenn man sie pflückt und aufs Lager legt; 2. daß der Sauerstoff möglichst von der Frucht abgehalten wird, so lang sie sich auf dem Lager befindet.

. Zn 1. Aus diesem Satz geht hervor: die­jenigen Früchte halten sich am längsten und besten, welche bei der Ernte noch Kohlensäure enthalten, also noch nicht völlig süß sind, sondern dies erst auf dem Lager werden.

Damit ist aber durchaus nicht gesagt, daß man sie unreif abnehmen soll; nein, die Baum­reife müssen sie haben und sie ist vorhanden, sobald der Stiel sich leicht vom Zweige lösen läßt, die Schale sich mehr oder weniger ins Helle verändert hat und die Kerne schwarz ge­worden sind. Süß und erst recht genießbar werden die Früchte alsdann durch die Lager­reife. Kerbst- und Winterobst.

Anders ist's bei denjenigen Früchten, welche schon bei ihrer Baumreife völlig süß und genieß­bar sind; die halten nicht auf Lager; denn bei ihnen ist bereits alle Kohlensäure durch Sauer­stoff ersetzt, welch letzterer die Früchte bald mehlig