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Der Obstbau. 1888.
und teig macht und ihre Zersetzung und Verwesung herbeiführt. Sounnerüernoöst, Steinobst, Meerenovst.
Zu 2. Halte die Früchte frei von aller Feuchtigkeit, von allem Wässerigen; denn das Wasser enthält s ln seines Gewichts an Sauerstoff ; also möglichst trockene Unterlage, Umhüllung und Bedeckung des Obstes! Aber auch möglichst trockene Luft im Ort der Aufbewahrung, d. h. möglichst wenig Sauerstoff und lieber recht viel Kohlensäure! Eben so wenig als möglich oder am liebsten gar kein Licht; denn gerade unter Einwirkung des Sonnenlichts geht jener Austausch von Kohlensäure und Sauerstoff vor sich. Je mehr diese einfachen Regeln eingehalten werden, desto länger hält das Obst aus d. h. desto weiter wird der Zeitpunkt hinausgeschoben, wo eben doch der nicht ganz und gar abzuschließende Sauerstoff Herr über die Kohlensäure geworden ist, so daß also das Obst als völlig süß, als völlig lagerreif zugleich da angelangt ist, von wo an es sich zersetzen, faulen würde.
Aus 1. und 2. nun erhalten wir ohne viel Mühe die Antworten auf die Fragen: 1. was nehme ich als Lagerobst? 2. wann lagere ich es ein? 3. wo und wie lagere ich's ein?
Was nehme ich als Lager ob st?
Antwort: kein Sommerkernobst (Süßäpfel, Gaishirtle re.), kein Steinobst (Kirschen, Zwetschgen rc.), kein Beerenobst (Stachelbeeren re.)! Auf künstliche Weise ist zwar auch hier längere und sogar lange Aufbewahrung möglich; aber das ist immer umständlich, kostspielig und nur für kleine Stückzahl zu gebrauchen, also nichts für den allgemeinen Hausbranch.
Vielmehr nimmt man vor allem das Herbstund Winterkernobst, welches seine Vollreife erst auf dem Lager erlangt. —•
Wann lagere ich das Obst ein?
Zuerst muß es die bereits geschilderte Baumreife erlangt haben; nicht zu früh und nicht zu spät; die Erfahrung ist da die beste Lehrmeisterin. Dann wartet man einen hellen, sonnigen, trockenen Tag ab, läßt die betauten Früchte durch die Mittagssonne erst völlig trocken werden und pflückt sie so um 2 oder 3 Uhr — also ja nicht morgens, der Feuchtigkeit wegen! — einzeln vom
Baum, natürlich mitsamt dem Stiel. Was wurmstichig oder sonstwie beschädigt ist, wird sogleich als unbrauchbar zur Aufbewahrung auf die Seite gethan und anderweitig verwendet. Die vollkommenen Früchte sind so behutsam wie Eier zu behandeln, sei's daß man sie, was das beste ist, mit der Hand pflückt oder vermittelst des Apfelbrechers immer nur je eine einzige Frucht abnimmt. In den Korb, in welchem man sie sammelt, lege man zuvor auf den Boden und an die Seiten trockenes Papier oder Heu und mache ihn des Drucks halber nicht ganz voll. Es soll eben jeder Druck, jede Beschädigung vermieden werden; eine Frucht auch nur mit geringen „Maßen" fault unfehlbar auf dem Lager. — Auf diese sorgfältige Weise leert man zuerst seine Spalierbänme, deren Früchte ja bälder reif werden als die der freistehenden; sodann diese letzteren, wobei man bald merken wird, daß es sich nicht empfiehlt, alle Früchte eines Baumes auf einmal abzunehmen, weil sie ungleich reifen; die unten hängenden sind bälder baumreif und abzunehmen (oft eine Woche früher) als die im Gipfel sitzenden; dies hängt mit der Saftbewegung zusammen, sofern der Saft kräftiger und länger in die Höhe steigt und dort immer noch in den Früchten fortschafft und die Baumreife hinausschiebt, wenn in den unteren Zweigen bereits Stillstand eingetreten ist.
Was nun rauhe, rostige Schalen hat (z. B. Ledcräpfel), bringt man sogleich in den endgültigen Aufbewahrungsort, weil es andernfalls erfahrungsgemäß bald welk wird. Dagegen alles was glatte Schale hat, wird vorher etwa 14 Tage bis 3 Wochen lang in einer gutgelüfteten kühlen Kammer, wo es auf trockener Unterlage ausgebreitet wird, aufbewahrt und erst dann ins Winterquartier verbracht; diese vorläufige Aufbewahrung hat die Wirkung, daß alle überflüssige Feuchtigkeit der Früchte verdunstet, wodurch ja die Dauerhaftigkeit vermehrt wird. Dieses „Schwitzen"lassen der glattschaligen Früchte ist besonders in kälterem, feuchterem Klima nötig und nützlich, während es in wärmeren Ländern z. B. in Frankreich wenig angewendet wird; bei uns in Deutschland findet man es sehr häufig und das mit Fug und Recht.

