Der Obstbau. 1888.
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Noch etwas gehört auch zur Antwort auf die Frage: wann lagere ich das Obst ein? — Dann nämlich, wenn mein Keller oder meine Obstkammer bereits in vollständige Ordnung gebracht ist. Jst's ein Keller, so ist er vorher auszuschwefeln, um Fäulnispilze zu vertilgen; auch die Wände mit Kalkmilch zu verstreichen, ist gut dafür; die Fenster und Thüren sind frostsicher zu machen. Alles, was scharf oder übel riecht (z. B. Sauerkraut, Heringsfäßchen re.), muß aus dem Keller oder jedenfalls aus der Nähe des Platzes, wo das Obst hinkommt, entfernt werden; gerade die feineren Früchte sind da sehr empfindlich und nehmen dadurch leicht einem muffigen Geschmack an, der sie fast ungenießbar macht. Ist der Aufbewahrungsort eine Kammer, so ist sie sorgfältig zu säubern, zu trockener und kühler Tageszeit zu lüften und alsdann mit gutem Verschluß gegen Luft, Kälte und Wärme zu versehen; ebenso müssen die Stellascheu rein und trocken sein.
Damit ist bereits teilweise Auskunft gegeben auf die Frage:
Wo und wielagereichdasObstein?
Jedenfalls muß es ein Raum sein, der 1. völlig trocken ist, 2. das Licht absperrt und 3. eine gleichmäßig bleibende niedere Temperatur besitzt, also eben so gegen Kälte als gegen Wärme geschützt ist. Denn unter dem Einstuß von Feuchtigkeit , von freier Luft und von Sonnenlicht, endlich von Wärme erreichen die Früchte allzufrüh den Grad der völligen Lagerreife und damit auch den Zeitpunkt der beginnenden Zersetzung; und wie ein Apfel oder eine Birne an Kraft und Geschmack verliert, wenn die Frucht einmal gefroren war, weiß ja jedermann. Darum Trockenheit,Dunkelheit,Gleichmäßigkeit!
Diese drei Erfordernisse finden sich, sei's im Keller, sei's in einem Zimmer oder einer Kammer.
Der Keller soll trocken sein und in der Temperatur zwischen 5 und 10 Grad gehalten werden, welch letztere man durch geeignete Lüftung im Herbste herbeiführen kann; gegen Frost werden Kellerfenster und -Thüren mit Doppelfenstern und
-Thüren aus Stroh versehen, wodurch zugleich alles Licht ausgeschlossen ist.
Als Obstkammer eignet sich jedes trockene und geschützt gelegene Zimmer, das mit gut und dicht schließenden Läden und Fenstern versehen ist; ein mit Holz getäfeltes Gelaß ist das beste. Unter allen Umständen muß das Zimmer bezw. die Kammer durchaus frostfrei gehalten werden; der Frost bildet natürlich im Winter die Hauptgefahr.
Im Keller oder in der Kammer hat man nun seine Vorrichtungen, um das Obst darauf zu legen: nie soll es auf den bloßen Boden gelegt werden, immer auf etwas Freistehendes. Dies kann in Tischen bestehen oder in Stellaschen und Gerüsten. Jeder wird sich's einrichten, wie er kann; nur ist immer darauf zu achten, daß es möglich ist, das sämtliche Obst immer leicht zu übersehen und zu visitireu, ohne daß man's, wenn auch nur teilweise, berühren oder gar von seinem Platze entfernen muß. Da läßt man sich etwa ein Gestell mit Fächern machen (oder macht sich's selber), bei dem jedes Fach etwa 30—40 cm. hoch ist, so daß man auf die hinten liegenden Äpfel sehen kann. Auch soll ein solches Gerüst oder auch jeder dazu benützte Tisch an den Rändern mit kleinen Leisten versehen sein, damit die Früchte nicht herabrollen können, wenn man veranlaßt ist, einzelne zur Benützung zu holen. Auf die Holzfläche, auf welcher das Obst zu liegen kommt, thut man gut getrocknetes Moos; wer es feiner an- greifeu will, breitet Salicylpapier (oder in Branntwein getauchtes uud getrocknetes Seidenpapier) aus; Stroh ist zu diesem Zweck nicht sehr zu empfehlen, da das Obst, welches ausdünstet, das Stroh feucht und muffig macht, was wiederum alsbald den Früchten schadet. Besser als Stroh ist trockenes Sägmehl. — Um die Hauptfeinde oder vielmehr -Freunde des Winterobstes abzuhalten, die Mäuse und die Ratten, sehe man darauf, daß die Tische oder Stellaschen möglichst hohe Füße haben, die man dann noch mit Blechschirmen in Gestalt eines umgekehrten Trichters versehen kann.
Ist dies alles so oder so hergerichtet, so werden die Früchte hingclegt und zwar nach der

