Der Obstbau. 1888.
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hohe Seltenheit seit 1879! — erregte die allgemeinste Bewunderung. So war's kein Wunder, wenn beim Anblick all dieser Schönheiten die Stimmung der Besucher eine sehr angeregte wurde und sie stieg noch höher, als Herr Kommerzienrat Siegle nach dem Umgang durch den Garten mit großer Liebenswürdigkeit zu einem Trünke einlud, der, wie unser Vereinsvorstand, Herr Kommerzienrat Kohlhammer, in seiner Dankesrede sich ausdrückte, als „Beerwein" edelster Art für Beeren- und Obstzüchter etwas besonders Überraschendes sein mußte, sofern diese auch schon für „Obstwein" hätten dankbar sein müssen; das Hoch auf den Hausherrn, mit welchem der Redner schloß, fand freudigste Zustimmung; ebenso die schönen Worte, mit welchen Herr Geh. Kommerzienrat Siegle darauf erwiderte und in denen er die Bestrebungen des Württ. Obstbauvereins als besonders segensreiche und fruchtbare für Stadt und Land und Reich pries. — Nach einem weiteren Gang durchs Gewächshaus und den übrigen Teil des Gartens schieden die Besucher hochbefriedigt und dankbar; das allgemeine Gefühl, die Erinnerung an die schönen Stunden und an den herrlichen Garten, das alles läßt sich dahin zusammenfassen: „hie war gut sein!"
Unser Vereinsmitglied Herr Prof. Dr. G. Jäger hat uns, und wie wir hören, auch unser« Vereinsmitglicdern, einen „Sonderabdruck aus
Prof. G. Jägers Monatsblatt 1888 Nr. 8" zugesendet. Ohne uns, was unserem Grundsatz zuwider wäre, in den ausgebrochenen Streit Jäger- Gaucher irgendwie mischen zu wollen, möchten wir auch an dieser Stelle unsere werten Mitglieder und Leser noch extra auf den Vorschlag Hinweisen, der in jener Mitteilung von Herrn Professor Jäger gemacht wird und dessen Ausführung, man mag die Sache ansehen wie man will, unter allen Umständen von hohem Interesse für den Obstbau wäre. Herr Professor Jäger schlägt nämlich unfern Mitgliedern folgende Probe vor. Von Obstbäumen gleicher Sorte und Lage dünge man die eine Hälfte mit Latrine (Abtritt), die andere Hälfte mit Stallmist und vergleiche den Ertrag sowohl nach der Menge als nach dem Zuckergehalt und Aroma (Geschmack) der Früchte. Rach der Ansicht des Herrn Professors wird sich die erstcre Düngungsart (mit menschlichen Exkrementen) als die für das Obst weitaus vorteilhaftere erweisen. — Für Besitzer größerer Gärten und Baumanlagen ist ja dieser Versuch leicht zu machen und stimmt das Ergebnis mit der Meinung des Herrn Professors überein, so liegt der Nutzen auf der Hand, den der Obstbau für die durchaus noch nicht völlig klare Kenntnis von den Bedürfnissen eines Obstbaumes daraus ziehen wird. Für eingehenden Bericht in diesen Blättern werden wir dann sehr dankbar sein.
IV. Litteratur.
„Die Kern- und Steinobstsorten der schwäb. Alb nnd des Schwarzwaldes." Von Jos. Gsell in Hcchingen. Zweite vermehrte Auflage. Preis 80 ^
Der 2. Auflage dieser den Lesern bereits bekannten Schrift entnehmen wir als neu folgendes:
Des Abstbanmes Klagelied.
Du giebst im frühsten Jugendjahr Mich preis dem Schicksal ganz und gar.
In magre Erde pflauzst du mich,
Als wäre nur ein Stiefkind ich.
Ob rauh und kalt, ob Berg und Thal, Denkst du nicht bei der Sortenwahl.
Und doch gedeiht nicht jede Sort',
Wenn ihr entsprechend nicht der Ort.
Gar klein ist oft mein Bodenraum,
Denn — aus dem Bäumchen wird ein Baum; Du denkst nicht, daß ich Nahrung brauch,
So gut als Mensch und Tiere auch.
Dem Sturme bin ich ausgesetzt,
Der manchesmal mich schwer verletzt,
Du kümmerst dich nicht meiner Qual,
Giebst oft sogar mir keinen Pfahl.

