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Der Obstbau. Aprilhest 1892.

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im zweiten gut wird und 35 Jahre haltbar bleibt, wenn man ihn nach der stürmischen Gärung abläßt und ihn wie Wein behandelt. Mit 2 Teilen Aepfel gemostet, schlägt der Gerb­stoff dieser Sorten die Eiweiß- und Schleimstoffe des Apfelmostes nieder, und es wird der Most dadurch bald glanzhell und haltbar, weshalb diese Sorten als Zusatz zum Apfelmost ganz be­sonders wertvoll und geschätzt sind.

1) Pomeranzenbirn vom Zabergäu (äußerst tragbare Birne, die in meiner Gegend bald den dritten Teil aller Mostbirnbäume umfaßt. Der Baum wächst in der Baum­schule langsamer als andere Sorten, und wird allgemein geklagt, daß diese so schätz­bare Sorte häufig nicht ^u haben ist. Ausgesetzt wächst sie gut und bleibt gesünder, als wenn man sie auf andere Sorten aufpfropft. Die Baum­schulbesitzer mögen dafür 25 Proz. mehr fordern.

2) Wolfsbirne (hat die gleichen Eigenschaften), die französische Mostbirn Cyrolle (leistet gleiche Dienste, ist aber bei mir weniger tragbar, viel­leicht noch reicher an Gerbstoff, hat aber weniger Zucker).

Mit l'/e Liter reinem Most aus Pomeranzen­birn vom Zabergäu kann man 100 Liter Rot­wein klären, ohne Verlust der Farbe.

6. Früh reifende Mostbirnen, geeignet für schnell zu konsumierenden Most oder mit Zusatz von noch nicht ganz ausgereiftem Fallobst. Der Most davon bleibt meist nurj 2 Jahr gut.

1) Palmisch Birne (sehr reich tragend, Baum wird groß und alt und ist frosthart).

2) Späte Grunbirne (am mittleren Neckar zu Hause, reichtragend).

D. Mostbirnen für höher gelegene Gegenden geeignet:

1) Große Rommelter Birne.

2) Schweizer Wasserbirne.

3) Palmisch Birne.

Außer den genannten giebt es in unserem Lande noch viele gerühmte Mostbirnen, wie Kirchensaller Mostbirne, Besigheimer und Cann- statter Mostbirne, Wöhrles Mostbirne rc., über die ich keine eigene Erfahrung habe. Die Lempps

Mostbirne ist sehr gut, trägt aber bei mir in 3 Exemplaren nur mäßig.

Die so viel gerühmte Weilersche Mostbirne habe ich oben nicht angeführt, da ich die Akten über diese Sorte noch nicht für geschlossen halte. Dieselbe ist in meiner Nähe zu Hause, wächst in der Baumschule und ausgesetzt sehr flott, die Birne ist aber sehr klein und häufig nicht gut ausgebildet, so daß noch mehr Erfahrung über sie gesammelt werden sollte.

Bei der Mostbereitung aus allen gerbstoff­reichen Birnen hat man darauf zu sehen, daß die Früchte nicht teig werden; denn dadurch zer­setzt sich der Gerbstoff, der für die Klärung und Haltbarkeit des Mostes so wertvoll ist. Stehen herbe Mostbirnen drei und mehr Tage in Säcke gehüllt herum, wie das so oft vorkommt, so tritt das Teigwerden ein und der Gerbstoff geht größtenteils verloren.

Kochbirnen.

A. Herbstkochbirnen:

1) Edle Mönchsbirn auch Königsbirn (Reife­zeit Anfang September, giebt 1200 jäh­rige Stämme, hochfeine Kostbirne, auch gut zum Rohgenuß).

2) Palmischbirne (Reifezeit Ende September).

3) Knausbirne (Reifezeit September bis Ok­tober).

4) Schneiderbirue (Reifezeit September bis Oktober).

B. Winterkochbirnen:

1) Pastorenbirne (Reifezeit Oktober bis De­zember).

2) Kamper Venus (Reifezeit Oktober bis Februar).

3) Panlusbirne (Reifezeit November bis Mai, sehr tragbar).

4) Großer Katzenkopf (Reifezeit November bis Mai).

5) Späte von Toulouse (Reifezeit November bis Mai bis Juli, für Lagen, die dem Sturm nicht ausgesetzt sind; die feinste Kochbirne!).

C. Dörrbirnen:

1) Edle Mönchsbirne.

2) Knausbirne.