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Der Obstbau. Februarheft 1894.
von verschiedener, bei den einzelnen Käferarten aber meist gleicher, charakteristischer Form und dringen von hier aus gegen das gesunde Holz vor. Wenn nun das Entfernen des dürren Holzes schon aus Rücksicht auf die Schönheit der Obst- bäume geschehen sollte, so sollte es im Hinblick auf die genannten, oft recht schädlichen Insekten niemals unterlassen werden. Leider aber wird das „Ausputzen" unserer Obstbäume, zu dem jetzt die günstigste Zeit ist, noch vielfach versäumt. Das dürre Holz läßt man natürlich nicht unter dem Baume liegen; es wird möglichst bald dem Feuer überliefert.
2) Bei diesem „Ausputzen" sieht man sich,
wo es angeht, auch die gesunden Zweige, an welchen sich nicht selten die Eierringel des sehr schädlichen Ringelspinners finden, an. Man schneidet dieselben samt den Zweigen ab und verbrennt sie. — Das Gleiche gilt von den Eierhaufen des Kirschennestspinners, welche um die Spitze der einjährigen Triebe der Kirsch- Pflaumen- und Birnbäume gelegt und mit Haaren bedeckt werden. — Auch die an Baumstämmen, Bretterwänden und Zäunen abgelegten, ebenfalls mit kurzen Haaren bedeckten Eierhaufen des Großkopfspinners sollte der Obstbaumbesitzer zerdrücken, wo er sie findet. L.
VII. Kleine Mitteilungen.
Zur Düngung der Abßöäutne im Winter
empfiehlt Professor Wagner folgende Mischung zu gleichen Teilen: 1 Kilogramm 50 prozentiges Chlorkalium und 20 prozentiges Superphosphat für einen starken Obstbaum. Das Gemisch wird, soweit die Baumkrone reicht, ausgestreut und mit dem Stallmist untergegraben. Im Februar wird J /2 Kilogramm Chilisalpeter darauf gestreut, aber nicht untcrgcgraben. Zeigen Obstbäume üppigen Holz- und Blättertrieb bei geringem Fruchtansatz, so bedürfen sie vorzugsweise obige Mischung und man kann den Chilisalpeter weglassen; sind dagegen Holz- und Laubtrieb und die wenigen Früchte schwach, so ist der Chilisalpeter dringend notwendig.
Hilfsmittel gegen zu tiefes Wflanzen.
Der richtige Stand kann leicht dadurch gekennzeichnet werden, das man über das Pflanzloch eine Latte legt und hieran den Wurzelhals anlegt.
Um ein vernsteinartiges Zaaunttvachs herzustellen, das völlig durchsichtig erscheint, schmilzt man helles Kolophonium mit gelbem Vaselin zusammen. 10—15 Prozent Vaselin reichen ans, um eine allen Ansprüchen genügende Mischung zu erzielen. Das Produkt ähnelt vollständig dem von den Bäumen abgesonderten Harze und besitzt vor den meisten Vorschriften zu Baumwachs den Vorzug, kein Terpentin zu enthalten, dessen Schädlichkeit als Bestandteil des Baumwachses für Okulierzwecke bekannt ist.
Die Verwendung des Wußes aus Schornsteinen, Oefen rc. als Düngmittel verdient die größte Beachtung. Neun Teile Ruß mit einem
Eigentum des Miirttembersischell Gdstbau-Wereius. — Druck der Nereins-Kuch
Teile Salz gemischt, geben einen vorzüglichen Gartendünger. Bestreut man Samenbeete für Gemüsepflanzen im Herbst oder Winter mit einem Gemisch von Ruß, Salz und Asche, so bleiben sie vom Ungeziefer, besonders von Erdflöhen vollständig verschont, und die jungen Pflanzen zeigen das üppigste Wachstum. Für Rüben, Mohrrüben und Karotten giebt es überhaupt kein besseres Düngmittel als Ofenrnß. Rasenplätze, bei Regenwetter mit Ruß leicht überstreut, zeigen einen tiefduukeln üppigen Graswuchs. Auch auf Obstbäume wirkt eine im Herbst oder Winter vorgenommene Rußdüngung ganz vorzüglich. Auch für Topfpflanzen ist Ruß ein vorzüglicher Dünger. Für diesen Zweck übergießt man ihn mit kochendem Wasser — es empfiehlt sich ein Zusatz von Hornspänen — und gießt mit demselben ab und zu. So bedüngte Pflanzen zeigen einen freudigen Wchus und vor allen Dingen eine herrliche Blattentwiklung. Für empfindliche und vor allen Dingen für junge Pflanzen verwende man das Rußwasser aber nur nach weiterer Verdünnung mit Wasser, da es im konzentriertem Zustande ihr Gedeihen wohl leicht schädigt. Man sammle den Ofenruß darum für Düngezwecke und werfe ihn nicht achtlos bei Seite.
Wittel gegen Karz- oder Knmmifluß. Man nimmt den Gummi mit einem scharfen Instrumente weg und schneidet die kranke Stelle bis auf das gesunde Holz ans. Dann reibt man die Wunde tüchtig mit den Blättern des Sauerampfers, indem man sie zerquelscht, damit der Saft recht eindringen kann. Bald darauf überzieht sich die Wunde wieder mit neuer Rinde.
Für die Redaktion: Pfarrer Gußmmu, Gutenberg, iruckerei in Stuttgart.
