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laufend, und der sehr fein zart rosa abgetönte Band mit kräftigem Carmin-Saum verleihen diesen Blumen besondern Reiz. Die Knospen stehen auf festem Stiele, sind lang und leicht carmin mit weiss und gelblich schattiert. Eine gute Treib-Schnittrose dürfte sie wegen ihrer Färbung und Blüh­willigkeit werden, wenn nicht eine neuere ihr den schnell errungenen Platz streitig machen wird. Ich meine eine diesjährige Neuheit, Baronne M. de Tornaco, welche bei gleicher Blume stärkern Wuchs zeigt.

Fiametta Nabonnand ist wohlriechend und auch gut für kleine Gruppenpflanzung und für Hochstämme. P. Lambert

Sind neue Rosen nach gewissen Grund­sätzen zu beurteilen?

Diese Frage ist nicht neu. Schon verschiedene Male ist sie aufgestellt und des Langen und Breiten erörtert worden, und immer kehrt sie wieder.

Es giebt eben der Liebhabereien und Richtungen der Rosenfreunde zu viele und so verschiedene, wie überhaupt der menschlichen Charaktere.

Es heisst ein Sprüchwort:Jedem Narren gefällt seine Kappe"; dem einen gefällt etwas recht gut, er nennt es schön, der andere findet dasselbe hässlich. Der eine kritisiert scharf und kann die Anforderungen nicht hoch genug stellen, der andere ist bescheidener, anspruchsloser, er freut sich über das Hagröslein am Heckenstrauche als Naturgabe.

Nicht nur der einzelne hat in ästhetischer Beziehung seine eigene Richtungen, auch ganze Völker haben sie; sie äussert sich am meisten bei jenen Sachen, die weniger Bedarfs- als Luxus- Gegenstände sind.

Auch die Rose ist nichts anderes als ein Luxus-Gegenstand, dem arm und reich, hoch und niedrig huldigt, jedes in seiner Weise.

In England war man hinsichtlich der An­forderungen am eigensinnigsten mit der Aufstellung von Schönheitsregeln nicht nur bei Rosen, sondern bei allem, was zum Sport gehört. Es giebt da Anforderungen bei Hunderassen, bei Pferden, bei Tauben; ein grosskarrierter Engländer gefällt sich selbst am meisten, während andere Menschen­kinder über den schnurrigen Geschmack lachen. Zwar dürfen wir nicht behaupten, dass der Rosen­geschmack der Engländer absonderlich sei, den können wir erhaben nennen. Der Geschmack an grossblumigen Rosen von ebenmässiger Gestalt und reiner Färbung ist durch die alljährlich statt­findenden Rosenschauen grossgezogen, und dies mag wohl auch Einfluss geübt haben auf die englischen Rosenzüchter, deren Erzeugnisse auf dieser An­schauung beruhen. Der Duft, das Köstlichste der Rose, musste dabei oft in den Hintergrund treten.

Die beweglichen, sanguinischen Franzosen waren weniger engherzig und eigensinnig; ihre Züchter flanierten in allen Formen und Färbungen herum; ihnen galt es gleich, ob die Rosen in der Blume riesengross oder von kleinstem Kaliber waren, ob dicht gefüllt oder locker gebaut, ob das Kolo­

rit rein oder gemischt oder sogar schmutzig war. Erkannte man an Züchtungen Veränderungen gegen ältere Varietäten, so wurden sie eingeführt, und die Züchter erreichten dabei ihr Ziel, sie verdienten Geld.

Und die Deutschen ? Sie hatten, noch ehe deutsche Züchter auf den Plan traten, eigentlich das Beste erkoren. Sie nahmen alles vom steifen Engländer und vom lockern Franzosen,prüften alles und behielten das Beste". Sie überliessen es jedem Rosennarren sich seine Kappe nach seiner Weise und Liebhaberei zu richten.

Die Erfahrungen haben gelehrt, dass nicht immer nur die vollkommensten, dichtgefülltesten Rosen zu Matadoren gestempelt worden sind; ja Rosen, die nach englischen Anforderungen kaum den geringsten Anspruch machen können, sind doch der allgemeinen Kultur zugänglich und manches Rosenfreundes Lieblinge geworden,

Zum teil liegt das an Zeitverhältnissen und nicht zum geringsten Teil an der eben regierenden Mode. Die Rose ist seit einigen Jahrzehnten ein kaum mehr entbehrlicher Mode-Artikel geworden; hier sind es nun nicht jene sogenannten besten Gartenrosen, die den Zwecken dienen, sondern solche werden vorgezogen, die selbst als Garten­rosen mangelhaft sind, aber sich gut treiben lassen, hauptsächlich langgestielte,aufrecht getragene,schöne, langgestreckte Knospen bringen.

Bei der Beurteilung neuer Rosen darf also nicht einseitig vorgeganngen, sondern es muss den verschiedenen Anforderungen und Bedürfnissen Rechnung getragen werden.

Es ist Erfahrungssache, dass eigentlich das grosse Rosen kaufende Publikum die beste Beur­teilungs-Kommission ist; was gut ist, erhält sich, was nicht zufriedenstellt, fällt bald der Vergessen­heit anheim.

Hier spielt auch noch ein anderer Umstand ein gewichtiges Wort mit. Die Rosenzüchter, die ja erfreulicherweisse auch in Deutschland sich mehren, würden bald die Freude an ihrem Streben verlieren, wenn plötzlich der Verein deutscher Rosenfreunde eine Polizei schaffte unter der Flagge von Rosenneuheiten-Prüfungs-Beauftragten *) die eine Verordnung erfinden würde, nach welcher

*) Neues deutsches Musterwort! D. V.