Über die Kultur der essbaren Schwämme.
Von Dr. 0. E. R. Zimmermann.
Schon seit alter Zeit wurden verschiedene Schwämme als Genussmitte] sehr hoch geschätzt. Wenn man anfangs auch noch nicht den grossen Nährwert derselben kannte, welcher eine Anzahl von ihnen nicht Mos über die nährstoffreichsten Körnerfrüchte, sondern beinahe dem Fleische gleichstellt (man vergegenwärtige sich nur die Analysen von Schloss- berger und Döpping, Wicke U.A.), so war es doch der Wohlgeschmack verschiedener von ihnen, welcher die hohe Wertschätzung veranlasste. Wissen wir ja, dass der Kaiserschwamm (Amanita caesarea) von vielen lateinischen Schriftstellern mit den schmeichelhaftesten Attributen belegt wird und Martial ihm Lobreden hält, in denen er ihn dem Golde vorzieht, und dass (nach Plinius) römische Gourmands die Zubereitung dieses Schwammes, wie der in gleich hohem Ansehen stehenden Trüffel (Tuber cibarium) nicht dem Dienstpersonal überliessen, sondern eigenhändig besorgten, sie in silbernen Gefässen anrichteten und mit Messern von Electron zerlegten.
Von den Römern scheint die besondere Wertschätzung der Schwämme vorzüglich auf die Völker latinischer Abkunft, vor allem auf die Franzosen und Italiener übergegangen zu sein, während bei den Deutschen lange Zeit ein Widerwille gegen dieselben vorhanden war.
Da, wo man die Schwämme als Genussmittel so hoch stellte, versuchte man auch frühe schon eine künstliche Züchtung derselben. Versprach es doch bedeutenden Vorteil, eine so beliebte Speise in beliebigen Mengen produzieren zu können. Dass die ersten dahin gehenden Versuche schon von den alten Römern angestellt worden sind, ist nicht unwahrscheinlich. In der neueren Zeit haben sich die Franzosen am intensivsten mit der Schwammkultur beschäftigt, und von Frankreich aus hat sie sich bald über die Nachbarländer verbreitet.
Versuchen wir in Nachstehendem zu zeigen, in welcher Weise sie an den verschiedenen Orten, bez. in den verschiedenen Ländern betrieben
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