wird. Doch möchte es sich wohl nötig erweisen, dem Speziellen etwas Allgemeineres vorauszuschicken.

Wie bekannt, unterscheidet man an jedem Schwämme zwei Haupt­teile: 1) den im Boden (oder in irgend einem anderen Substrate) ver­breiteten fädigen, flockigen oder knolligen Teil, das sogenannte Mycelium, welches die Nahrung aufnimmt, bez. aufspeichert, und 2) die darauf ent­springenden ausserordentlich verschiedenartig gestalteten Fruchtkörper (die bald gestielt, bald stiellos sind, bald schirm- oder fächerförmige Hüte, bald verzweigte, strauchartige Körper, bald Becher etc. etc. darstellen), welche die Fortpflanzungsorgane tragen. Eine Kultur der Schwämme kann nun auf der Benutzung des Mycels beruhen, das man in den vor­bereiteten Boden einfügt und sich darin verbreiten lässt, oder darauf, dass man Sporen aussät, um daraus ein Fruchtkörper tragendes Mycel heran­zuziehen. Denn es sind ja nur die jugendlichen Fruchtkörper das End­ziel der Kultur, da nach diesen allein der menschliche Gaumen lüstern ist, niemals aber das fädige Mycel selbst.

Allgemein wendete man bis jetzt Mycel an, um neues fruchttragendes zu erzeugen. Die Sporen benutzte man viel seltener, weil die Bedingungen noch zu wenig gekannt sind, unter welchen sie sich zu einem Mycel ent­wickeln, und weil daher die Erfolge bei der künstlichen Schwammkultur sehr unsicher sind.

Zu den Schwämmen, deren künstliche Vermehrung man sich besonders angelegen sein lässt, gehören in erster Linie der Champignon (Agaricus- Psalliota-campestris), ferner der Mousseron (Agaricus-Tricholoma-graveolens), der Stein- oder Herrenpilz (Boletus edulis), der Tuberaster (Polyporus tuberaster) und die Trüffel (Tuber cibarium).

Von allen diesen erfreut sich der Champignon der ausgebreitetsten Kultur. Der klassische Boden für dieselbe ist die Umgegend von Paris, wo der Schwamm im kleinen, wie im grossen, über und unter der Erde in der ausgiebigsten Weise gezogen wird, und zwar betreibt man hier die Kultur schon seit Jahrhunderten. Ein im Jahre 1652 in Paris er­schienenes Gartenbuch,Jaidinier irancais* betitelt,*) enthält bereits eine Anweisung dazu. Dieselbe lautet in der Übersetzung etwa folgend er- massen:Man richte in einem von Wind und Wetter geschützten Winkel im Garten ein Mistbeet vor, zu dem man aber, wenn irgend möglich anstatt Pferdemist Esels- oder Maultiermist verwende. Hat das Beet seine grösste Wärme ausgestrahlt, begiesst man es mit Wasser, in dem

*) Nach C. Roumegueve, Familie de Champignons, Paris, p. 43, welchem Werke ein grosser Teil der auf die Pilzzucht in Frankreich und Belgien bezüglichen Notizen entnommen ist.