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Der Obstbau. Novemberheft 1905.
haben ergeben, daß keine regelmäßigen Wechselbeziehungen zwischen diesen und den oberirdisch lebenden Formen bestehen.
Die Obstmadenfallen aus Wellpappe können nur dann einwandfrei im Kampfe gegen die Obstmaden und den Apfelblütenstecher verwendet werden, wenn man sie etwa Mitte oder spätestens gegen Ende September zur Abtötung ihrer Insassen abnimmt, da man sonst viele nützliche Kerbtiere (Spinnen, Coccinellen usw.) mit vernichtet. Keinesfalls soll man deshalb die Obstmadenfanggürtel gleichzeitig als Unterlage für die gegen die Frost
Äbb. 1 .
Abb. 2.
spann er gebräuchlichen Leimringe benutzen, um sie dann mit diesen erst im Winter abzunehmen.
Von den verschiedenen Obstmadenfanggürteln dürften am meisten solche zu empfehlen sein, die aus einfachen, am Oberrande und am Unterrande mit einem schmalen (etwa iVs cm breiten), glatten Pappstreifen verklebten Wellpappstreifen bestehen. Diese werden zum Schutz gegen Feuchtigkeit mit einem am Oberrande um- zuschlageNden Streifen von auf Leinen kartoniertem Ölpapier bedeckt. Solche Fanggürtel sind mehrmals hintereinander zu benutzen und erleichtern eine genaue Untersuchung ihres Inhalts, die sonst nur bei Zerstörung der mehrschichtigen Gürtel erreicht wird.
■ Im übrigen stellt sich nach und nach als
eine Art Universalmittel gegen die verschiedensten Obstbaumschädlinge - das früher so gemiedene Karbolineum heraus. Gerade gegen die Blutlaus hat es sich erprobt. Ferner tötet der Anstrich mit Karbolineum alle Insekten, Puppen, Larven und wird vom Regen nicht so abgewaschen wie der Kalkanstrich. Es soll ein ganz zuverlässiger Schutz gegen Hasenfraß und überhaupt Wildverbiß sein. Und endlich hat es sich tatsächlich als durchschlagendes Heilmittel bei Krebs bewährt. Wie der Krebs aussieht (siehe Abbildung 1 und 2), weiß der Leser nur zu gut; denn diese schlimme ansteckende Baumseuche ist sehr viel verbreitet. Man reinigt die Krebsstelle von der schon toten Rinde (hütet sich aber vor Verletzung der grünen Rinde), bestreicht die Wunde einmal und 8 Tage nachher noch einmal mit Karbolineum und macht an der der Wunde entgegengesetzt liegenden Stelle der Rinde einen Schröpfeinschnitt, damit die Rinde sich ausdehnen und die Wundstelle überwallen kann. Zu diesem Schnitt darf man aber nicht das Messer benutzen, mit dem man vorher die alte Rinde ausgeschnitten hatte (ansteckend!). Ferner muß man den ganzen Baum nach verdächtigen Krebsstellen absuchen und solche ebenso behandeln. Die Blätter dürfen vom Karbolineum nicht bespritzt werden, da. sie Schaden leiden. Ebenso darf in den Boden am und unterm Baum kein Karbolineum abtropfen, da die Baumwurzeln äußerst empfindlich dagegen sind. Zum Anstreichen der Bäume nimmt man Vs Karbolineum und Vs Wasser (stets umrühren bei Gebrauch). Bei Frost soll und kann man nicht damit hantieren. Bei Behandlung von Krebs benützt man eine andere Mischung, nämlich Vs Karbolineum und Vs Steinkohlenteer. Diese darf nie zum Baumanstrich benutzt werden! ■— Die Anwendung von Karbolineum als Baumschutz — und Heilmittel ist heute über den Stand bloßer Versuche schon hinaus: es hat sich in den genannten Fällen schon bewährt und wir dürfen unsere Leser daher veranlassen, auch ihrerseits das Mittel anzuwenden.
