Brief- und Fragekasten. — Kleine Mitteilungen.
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VI. Brief- und Fragekasten.
Jrage 1. Schneidet man im Herbst 1904 und Frühjahr 1905 gesetzte Formbäume besser jetzt im Herbst oder erst nächstes Frühjahr zurück? Letzthin habe ich gelesen, man soll sie nicht schon im ersten Jahr zurückschneiden. Was heißt aber „erstes Jahr"? Im ersten Jahre sitzen sie in meinem Garten, im wievielten Jahre sie überhaupt stehen, weiß ich natürlich nicht. Hab's in der Baumschule von B. in D. gekauft 1,5 bis 2 m hoch.
Antwort. Bäume, die im Herbst 1904 oder Frühjahr 1905 gepflanzt sind, sollten während der Vegetationsruhe 1905—1906, also spätestens im März 1906, endgültig zurückgeschnitten werden; wenn man sagt, im „ersten Jahre" nach dem Pflanzen schneiden, so ist damit einfach gemeint, daß die Bäume einen Sommer auf ihrem neuen Standort gestanden haben müssen; wie alt die Bäume von der Baumschule aus sind, ist hiebei ganz nebensächlich. Hx.
Jrage 2. Im „Praktischen Ratgeber für die Landwirtschaft" empfiehlt ein Baumzüchter statt des Bestreichens der Baumstämme mit Kalkmilch solches mit Karbolineum (Avonarius) und behauptet, dadurch absolute Insektenvertilgung und schöne glatte Rinde erzielt zu haben.
Da sonst vor Karbolineum sogar beim Imprägnieren der Baumpfähle wegen gefährlicher Einwirkung auf die Wurzeln gewarnt wird, bin ich ängstlich, obwohl mir sonst Karbolineum sauberer und leichter anzubringen zu sein scheint. Was ist davon zu halten?
Antwort. Auch nach unseren Erfahrungen haben wir in Karbolineum ein absolut sicheres Mittel gegen verschiedene auf der Rinde sitzende oder sich in den Ritzen derselben aufhaltende Schädlinge; eine Beschädigung der Baumrinde konnten wir bis jetzt nicht beobachten (siehe auch Obstbau Nr. 8 S. 117). Als Ersatz für den Kalkanstrich, wenn wir die Wirksamkeit desselben gegen die Frostplatten ins Auge fassen, wird das Karbolineum wohl niemals in Betracht kommen, da ihm die vor Frostschaden schützende weiße Farbe fehlt. Held-Hohenheim empfiehlt der Kalkmilch 1 /i Karbolineum zuzusetzen, 3 Teile Kalkmilch , 1 Teil Karbolineum; die Mischung ist fleißig umzurühren, wodurch Frostschutz und Insektenvertilgung erreicht wird.
Jrage 3. Welcher Fanggürtel und welche Bezugsquelle dafür ist zu empfehlen?
Antwort. Als Jnsektenfanggürtel hat sich „Einfach" von Otto Hinsberg, Obstgut Insel Langenau, Post Nackenheim am Rhein, vorzüglich bewährt. Derselbe ist von unserer „Zentralvermittlungsstelle für Obstverwertung" zum Selbstkostenpreis zu beziehen (der Meter 15 Pfg.). Falls Raupenfraß durch den Frostspanner zu befürchten ist, kann von Otto Hinsberg ein guter Raupenleim bezogen und dieser direkt auf den Jnsektenfanggürtel „Einfach" aufgetragen werden. Über diesen Fanggürtel haben wir auch in Nr. 10 Seite 157 berichtet und dessen Vorteile erwähnt. Hg.
VII. Kleine Mitteilungen.
Bei Hlammverlehungeu an Steinobst- bäumen soll man zur Verhütung des Harzflusses ganz besonders aufmerksam sein und nicht versäumen, sobald als möglich Heilversuche anzustellen. Wo irgendwelche Wunden vorhanden sind, reinigt man sie mittelst Messer und scharfer Bürste ganz gründlich bis auf das gesunde Holz und die gesunde Rinde. Bei Harzfiuß soll sich ein Auswaschen mit Holzessig recht brauchbar erwiesen haben. Nach erfolgter Reinigung legt man über die wunde Stelle genügend mit Kuhmist zusammen verkneteten Lehm, welchen
man durch Umbinden von alten Stoffstücken, Sackleinen usw. festhält. Unter diesem Verbände geht die Verheilung der Wunde rasch vor sich.
Unsere Dienen werden oft bezichtigt, daß sie reifende Früchte beschädigen. Diese Ansicht trifft nicht ganz zu. Die ersten Angreifer sind stets die Wespen — etwa die dünnhäutigen Himbeeren ausgenommen. Die Biene ist mit ihren schwächeren Mundwerkzeugen kaum imstande, eine dickere Fruchthaut zu durchnagen, was der Wespe mit ihren starken Zangen ein Leichtes ist. Fließt einmal der süße verlockende Saft, dann
