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Der Obstbau. Novemberheft 1905.
allerdings geht's wie bei den bösen Buben, deren schlimmes Vorbild ja bekanntlich auch manchmal einen Musterknaben zum Stolpern bringt.
Von den Wespen gehen die Männchen und Arbeiterinnen in den Unbilden des herbstlichen Wetters bald zugrunde und nur die befruchteten Weibchen überwintern in erstarrtem Zustande an geeigneten Orten (in Baum- und Erdlöchern, Mauerritzen, unter Laub, Moos und Steinen). Die wärmenden Strahlen der Märzensonne erwecken die Weibchen zu neuem Leben und man kann sie bis etwa anfangs Mai einzeln an Fruchtbäumen beobachten, wo sie die Zweige benagen oder wie sie eifrig an Schindeldächern, altem Holz, trockener Rinde herumbeißen. Achtlos und gedankenlos geht zu dieser Zeit jung und alt an ihnen vorbei und doch ist jedes dieser Weibchen die zukünftige Mutter von Hunderten und Tausenden. Hier ein Schlag oder Fingerdruck zu rechter Zeit und hundertfacher Ärger wäre für später erspart. Ist die Jahreszeit günstig geworden, so beginnt die Stockmutter an geeigneter Stelle mit dem Bau weniger der aus zerkauten Holzfasern aufgeführten, fließpapier- ähnlichen Zellen, bestiftet sie mit Eiern von kleineren Arbeiterwespen und pflegt die Brut sorgfältig bis zum Ausschlüpfen. Fliegen die ersten Arbeiterinnen, so verläßt die Stockmutter den Bau nicht mehr, sondern widmet sich ganz der Eiablage, während die Arbeitswespen für die Erweiterung des Nestes und die Pflege der Brut allein sorgen. So erklärt sich denn auch das in kurzer Zeit unverhältnismäßig rasche Anwachsen des Wespenheeres; nur besteht dieses jetzt ausschließlich aus den schlanken kleineren
Arbeiterinnen. Dieser Fingerzeig dürfte genügen, um dahin aufzuklären, wann die Wespenvertilgung am erfolgreichsten durchzuführen ist — nicht im Hochsommer, sondern durch Fang aller Art im ersten Frühjahre.
(Mitt. der Gart.-Ges. in Steierm.)
Der Maulwurf ist bekanntlich in der letzten Zeit durch die Mode zu einem gesuchten Pelztier geworden. Der jährliche Umsatz von Maulwurfsfellen beträgt jetzt mehrere Millionen, einstweilen allerdings fast nur vom grauen, amerikanischen Maulwurf. Aber auch unser einheimischer ist dadurch gefährdet. Dabei ist der Maulwurf fast ausschließlich nützlich, da er sich nur von Jnsekten- Larven, Schnecken und leider auch Würmern nährt. Auch seine Wühlarbeit nützt im allgemeinen als Durchlüftung des Bodens. Wo seine Haufen lästig werden (z. B. auf Wiesen beim Mähen), kann man sie leicht durch Hacken usw. breit werfen; der Gefährdung junger Pflanzen durch Bloßlegen der Wurzel kann man durch Festtreten der Gänge durch Kinder, die Fußbrettchen angeschnallt haben, abhelfen. Von Saatbeeten usw. kann man ihn durch schmale Gräben mit Glasscherben fernhalten, durch Begießen mit Wasser und Petroleum (2000 :1) vertreiben. Mistbeete umgibt man mit Drahtgeflechten oder schützt sie durch eine Lage Wacholderzweige zwischen Düngerschicht und Erde. Außer in Dämmen und Deichen, in denen der Maulwurf nie geduldet werden darf, soll man ihn immer schützen. Zu viel Maulwürfe kann es sonst nirgends geben. (Rörig, Flugblatt 24 der Biol. Abt. des K. Gesundheitsamtes.)
Agabe mm ßdelreiftk» an unsere Vereinsmiiglteder.
Bestellungen auf Edelreiser können nur von direkten bezw. aktiven Mitgliedern des Württemb. Obstbauvereins berücksichtigt werden. Dieselben sind mit Angabe der gewünschten Stückzahl und Sortennamen spätestens bis zum 1. Januar 1906 an unfern Schriftführer, Hofgärtner Hering in Stuttgart, einzusenden. Anmeldungen nach dem 1. Januar können keine Berücksichtigung mehr finden. Es ist der Schriftführer angewiesen, nach dem 1. Januar keine Neubestellungen und Abänderungen mehr anzunehmen. Wir liefern unfern aktiven Mitgliedern auf Bestellung gratis (Porto bezahlt der Besteller) und zwar: von 1—2 Sorten zusammen 70 Stück; von 3—6 Sorten zusammen 60 Stück; von 7—10 Sorten zusammen 50 Stück. Mehr als 10 Sorten werden an ein Mitglied nicht abgegeben. Bei Mehrbestcllung werden 100 Stück Edelreiser erprobter Sorten mit 3 Mark berechnet. Neuheiten werden, soweit solche noch nicht erprobt, nicht verabfolgt. — Im Interesse einer Verminderung der Sortenzahl bitten wir die verehrl. Besteller, nur solche Sorten zu wählen, welche sich in ihrem Bezirk vorzugsweise bewährt haben. Lokalsorten müssen selbstredend an Ort und Stelle beschafft werden. Bon Pfirsichen werden keine Edelreiser abgegeben, da das Pfropfen derselben mit Reisern nicht von Erfolg ist.
