98
Der Obstbau. Juliheft 1911.
Durchschnitt 1000 Mark einbringt, so kommt dieser Ertrag fast nur auf das Konto dieser beiden, etwa Vs der Pflanzung ausmachenden Sorten; sie finden eben beide ihre Lebensbcdingungen an dem warmen Abhang aufs vollkommenste. Von besonderer Pflege ist keine Rede. Die Bäume werden von Zeit zu Zeit ausgeputzt. Baumscheiben sind nicht vorhanden, aber die von Baum zu Baum ausgetretenen Fußpfade ersetzen die künst
lichen Flutrinneu: der Regen läuft auf diesen hauptsächlich den Bäumen zu. Die Holzfarbige Butterbirne wird in nächster Nähe so stark vom Fusikladium befallen, daß sie niemand mehr anpflanzt— hier auf der Südseite des Bahndammes kommt ihr die so nötige rückstrahlende Wärine zu gut und die Früchte bleiben tadellos rein. Auf der Nordseite desselben Dammes sind ebenfalls Holzfarbige Butterbirnen angepflänzt, aber
,y< *$■
fc * V . . 9y , ‘ ..1 » *'
Abb. l. Stuttgarter
nur die in den höchsten über den Damm hinwegragenden Spitzen hängenden Früchte sind brauchbar, alle anderen wertlos. Es wird kaum irgendwo eine besser rentierende und richtiger angelegte Eisenbahndammpflanzung bestehen, als die im Bild 1 und 2 vorgeführte. An anderen Stellen des Dammes befinden sich Anpflanzungen von Weichsel und Quitten, die Erträge sind aber äußerst gering. Die Linie Stuttgart-Reutlingen weist noch mehrere Dammpflanzungen auf; einige derselben sind im Ertrag recht zufriedenstellend, andere dagegen gehen sichtlich zurück. Die Fortsetzung der Linie Cannstatt-Fellbach hat bei Winnenden-Backnang ebenfalls einige Strecken
Geißhirtle (Sfibfeitt).
mit Dammpflanzungen aufzuweisen. Einige davon sind noch jung und ziemlich vielversprechend, wie es scheint, auch einheitlich in der Sortenwahl. Richtigerweise sind die Einschnitte dieser Strecke mit Akazien, z. T. auch mit Erlen, bepflanzt.
Jedenfalls können wir aus den bestehenden Pflanzungen den Schluß ziehen, daß es durchaus nicht überall vorteilhaft ist, die Bahndämme mit Obst zu bepflanzen. Ein Hauptfehler ist an einzelnen Strecken gemacht worden: man hat dort auch die Einschnitte mit Obstbäumen bepflanzt. Daß aus solchen Pflanzungen auf sterilem, unaufgeschlossenem Boden nichts werden konnte, hätte man sich eigentlich vorher sagen

