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vogel gehalten und gezüchtet, hat es die Zucht dahin gebracht, rein weisse Reisvögel zu ziehen. Diese Spezialart ist sehr geschätzt und ein Pärchen solcher reinvveissen Reisvögel hat einen immerhin bedeutenden Wert. Sicher ist es aber nicht, dass diese weissen Vögel auch stets weisse Junge zeitigen. Diese fallen vielmehr vom reinsten Weiss mit bläulichem Anfluge, bis zum Scheckenbunt, oft sogar in die Naturfarbe der Ureltern zurück und gerade diese Nachzucht nistet verhältnismässig leicht im Käfig. Werden den Tieren Nistkästen in einem Zuchtbauer zur Verfügung gestellt, so bauen die Vögel aus Stroh, Heu, Federn und dergl. ihr Nest.
Die Haltung des Reisvogels ist ungemein einfach. Die Tiere werden mit Vogelhirse und Glanz ernährt. Als Zukost erhalten sie etwas Grünzeug, in Wasser ausgedrücktes Eierbrot und Ameisenpuppen. Haben die Tiere Junge, so sollen ihnen Ameisenpuppen zum Atzen stets zur Verf ügung stehen. Der Reisvogel eignet sich besonders für den Anfänger in der Pflege fremdländischer Vögel.
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Schmetterlings=Cyclamen.
Von Heinr. Nietner.
it dem Herbst stellen sich auch im Wohnzimmer die Alpenveilchen (Cyclamen persicum) wieder ein, deren dunkles, schön gezeichnetes Laub und deren prächtige Blumen dem blütenarmen Fenster lange ein gefälliger und dankbarer Schmuck sind. Das persische Alpenveilchen ist uns allen kein Fremdling mehr, kehrt es doch in alter Gewohnheit alljährlich zur bestimmten Zeit wieder, uns mit seinen weissen, roten und rot - weiss gefleckten, zart duftenden Blüten zu erfreuen. Es wurde schon im XVII. Jahrhundert in Europa kultiviert und hat seine Gestalt in dieser Zeit nur wenig verändert. Gewöhnlich wird die Insel Cypern als die Heimat des persischen Alpenveilchens bezeichnet, doch glaubt CURTIS, Ostindien als solche bezeichnen zu müssen.
Ich möchte mich jedoch heute weniger mit der bekannten Stammform als mit einer im vorigen Jahre von J. DE LANGHE- Vervaene in Brüssel in den Handel gebrachten Varietät von hervorragender Schönheit, mit seinem „Papilio", d. h. »Schmetterling« beschäftigen.
Wie dies auch die auf 1 / 3 natürlicher Grösse reduzierte Abbildung auf Seite 605 erkennen lässt, ist diese Einführung eine Neuheit ersten Ranges, die überall das grösste Aufsehen erregt und auf allen beschickten Ausstellungen mit den höchsten Preisen und Wertzeugnissen bedacht wurde. „Papilio" vereinigt in sich alle guten Eigenschaften unserer besten Cyclamen; bei edlem Bau der Pflanze, schöner Zeichnung der Blätter, grosser Blühwilligkeit, edler Form und enormer Grösse der Blumen verbindet die Züchtung die besondere Eigentümlichkeit, dass die Ränder der Blumenblätter schön gewellt und gekraust sind, was der Pflanze ein besonders anziehendes Aussehen verleiht, dazu bringt „Papilio'' die elegantesten und graziösesten Formen in seinen Blüten. Bei manchen Blumen sind die Blütenblätter aufrecht stehend, wie bei den alten splendens-Sorten, andere wieder haben ganz flache Blumen, einem Schmetterling täuschend ähnlich, bei noch anderen hängen die Blumenblätter sogar nach unten. Auch das Farbenspiel ist sehr reichhaltig, fast lebhafter als bei den anderen Sorten. Die schön gekrausten Blütenblätter, die locker und anmutig gebauten Blumen und die mannigfachen Formen machen dieses Cyclamen zu einer Blume, wie geschaffen für die moderne Binderei, und als Topfpflanze wird man ihm wegen des eleganten Aussehens der Blumen vor den immerhin gewisser- massen steif aussehenden alten Formen den Vorzug geben.
Ohne auf die Kultur des Alpenveilchens weiter einzugehen, die ja schon auf Seite 281 der »Nerthus« ausführlich geschildert wurde, will ich noch bemerken, dass es die beste Entwicklung in einem Gemisch von 1 Teil Heideerde und 2 Teilen nicht zu alter Lauberde, vermischt mit etwas Sand, zeigt. Da die kräftige Blattbildung und der reiche
