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Die Ergebnisse der Untersuchung über die beiden letztgenannten Punkte waren infolge Schwierigkeit der Verhältnisse meist negativer Art. Es stellte sich heraus, daß die Eigentümlichkeit beider Färbungen nicht an bestimmte Eigenschaften der Membran, sondern an solche des Cytoplasma, jedoch nicht an plvysikalische desselben, geknüpft ist. Die Säurefestigkeit ist auch nicht durch Einlagerung von Fett, oder wachsartigen Stoffen bedingt, da diese Eigentümlichkeit den Bakterien durch Eau de Javelle und sehr verdünnte Salzsäure schnell genommen werden kann. Das Reserve­fett der Bakterien ist ebenfalls nicht säurefest. Der säurefeste Stoff scheint auch nicht zu den Eiweißkörpern zu gehören, da ihn Eiweiß spaltende Fermente nicht verändern.

Bezüglich der sog. Babes - Ernst'schen Körperchen wird nachgswiesen, daß bisher verschiedenartige Gebilde unter diesem Namen zusammengeworfen wurden. Gewisse, durch zahlreiche und auffällige Reaktionen scharf charakterisierte, begierig Anilin­farben aufnehmende Kugeln vieler Pseudomonas- und Spirillum-Arten untersucht der Autor näher und belegt sie mit dem Namen »Volutanskugeln', weil dieselben gerade bei Spirillum volutans sehr groß und zum Studium geeignet sind. Auch die Diphtherie­bakterien enthalten diese Kugeln in reichlicher Zahl. Ihre chemische Natur ist noeh unbekannt, manche Reaktionen deuten auf eine eiweißartige hin; sicher sind sie jedoch Reservestoffe der Bakterien, denn es gelang, ihr Verhalten zur Sporenbildung zu ermitteln. Vom Verf. wurden sie auch in den sporenbildenden Bazillen B. aste- rosporus A. Meyer und B. fusiformis A. M. et Gotth. nachgewiesen.

Die von A. Meyer durch besonderes Verfahren sichtbar gemachten und von ihm als Kerne bezeichneten kleinen Gebilde konnte Verf. bei einigen Bakterien in gewissen Entwicklungsstadien auch beobachten. Mit den gewöhnlichen Färbemethoden sind sie nicht darzustellen, sondern werden vom stark gefärbten Cytoplasma verdeckt. Die von vielen früheren Autoren in Bakterien gesehenen und für Kerne gehaltenen Gebilde müssen anders gedeutet werden.

Das Cytoplasma färbt sich kräftig und gleichartig mit Anilinfarben. Beachtens­wert ist, daß das Cytoplasma der Keimstäbchen fettspeichernder Bazillen bis zu einem gewissen Grade säurefest ist; ebenso die jungen Sporen und Sporenanlagen.

Die im Cytoplasma verteilten größeren und kleineren Fettropfen verleihen dem fixierten und gefärbten Bakterienkörper ein fleckiges Aussehen. In den Thimotheen- und Tuberkelbazillen treten die von den großen Fettropfen eingenommenen Zell­abschnitte nach dem Ziehl'schen Färbeverfahren als weiße Segmente hervor, die früher für Sporen gehalten oder als Beweis für die sogen. Kokkenstruktur der Bakterien be­trachtet wurden. Die Bunge'schen und Mühlschlegel'schen Sporenvorstufen sind nichts anderes als durch besonders eingreifende Behandlung iärbbar gemachte Fettkugeln.

Desgleichen färben sich die Glycogen führenden Zellabschnitte anderer Spezies nicht oder schlecht; es entstehen unregelmäßige hellere Flecken im tiefgefärbten Zelleibe. Diese Abschnitte kontrahieren sich nach dem Eintrocknen fast gar nicht.

Die Membran der meisten Bakterien färbt sich kräftig mit Fuchsin, weniger stark mit Methylenblau. Häufig ist an in Wasser liegenden Präparaten eine dünne, die Bakterienzelle im Ganzen umziehende Schleimhülle zu beobachten. An den ge­trockneten und in Canadabalsam liegenden Präparaten ist sie durch Zusammenziehung unsichtbar geworden.

Fl. Tassi, I generi Phyllosticta Pers., Phoma Fr., Macro- phoma (Sacc.) Berl. et Vogl. ed i loro analoghi giusta la legge d'analogia. (Die Gattungen Phyllosticta Pers., Phoma Fr., Macrophonia (Sacc.) Herl, et Vogl. und ihre Analoga nach dem Analogie­gesetze.) (Bullettino del Laboratorio ed Orto Botanico di Siena, V. Bd., 1.III. Heft 1902.)

Es ist bekannt, daß die Gattungen Phyllosticta, Phoma und Macrophoma in den .Tabulae comparativae« von Prof. Saccardo (Syll. Fungorum Bd. XIV.) drei besondere Parallelreihen bilden, welche verschiedene Lücken aufweisen. Diese Lücken könnten nach dem Analogiegesetze des genannten Mycölogen durch Arten mit neuen Sporen- formen, welche neue Gattungen charakterisieren, ausgefüllt werden. Vorliegende Arbeit weist nun nach, daß Gattungen mit derartigen Sporenformen schon existieren; die-