Illustrierte Wochenschrift
für Freunde aller Zweige der biologischen Naturwissenschaften,
für Liebhaber von Zimmer- und Gartenpflanzen, Stubenvögeln, Aquarien und Terrarien, für Sammler aller naturwissenschaftlichen Objekte.
No. 6.
Sonntag, den 8. Februar 1903.
5. Jahrgang.
Natur und Kunst.
Von H. Barfod.
Mit 32 Abbildungen.
Äm Schlüsse seiner geistvollen, an zahlreichen Arten erläuterten ästhetischen Betrachtung stellt Prof, Möbius Gedanken allgemein ästhetischen Inhalts über die Säugetiere zusammen :
»Die Gliederung des Körpers in Kopf, «als, Rumpf, Beine und Schwanz ist die Wichtigste Grundlage für die ästhetische Beurteilung der Säugetiere.
Je deutlicher derSieg über dieSchwere der Körpermasse durch die Form und Haltung des Körpers sowie durch die Gevvandheit und Ausdauer der Fortbewegung hervortritt, desto schöner erscheint das Tier.
Aus der Haltung und Bewegung schliessen wir auf die inneren Kräfte und den psychischen Zustand des Tieres; wir versetzen uns in seine Gefühls- und Willensstimmung; wirnehmen nicht bloss ein Äusseres wahr, sondern durchschauen es gleichsam, ohne beunruhigt zu werden durch Unkenntnis der wirklichen Ursachen seiner Form, Bewegungen und J'-inpfindungen,
Angeborene Ideen schöner Säugetiere gibt es nicht. Oft wahrgenommene schöne Säugetiere dienen uns als Grund- la gen für Musterbilder, mit denen wir
(Fortsetzung.!
andere .Säugetierformen ästhetisch vergleichen. Jede eigentümlich gestaltete Tierklasse liefert andere Grundlagen für Musterbilder der ästhetischen Beurteilung ihrer verschiedenen Formen.
Grosse Tiere derselben Grundform (Gattung)machen den Findruck grösserer Kraft als kleine. Diese sind zierlicher und erinnern an junge Individuen grosser Formen.
Grosse, glänzende Augen sind schöner als kleine und matte. In den Augen konzentriert sich der Ausdruck des körperlichen Befindens und der psychischen Stimmung, in grossen deutlicher und wirksamer als in kleinen. Säugetiere mit ganz bedeckten Augen sind hässlich.
Fin reichhaariger Schwanz, der etwas kürzer ist als der Rumpf, verschönert den Säugetierkörper. Sein Volumen erscheint als Gegengewicht der Mals- und Kopfmasse.
Dieser gegenüber sind sehr kurze Schwänze zu leicht, sehr lange, welche am Boden nachgeschleppt werden, machen den Eindruck nutzloser Lasten Sehr
bässlich sind lange, dünne, kahleSchwänze' sie sehen kraftlos und krankhaft aus. Das Greifen mit einem weit von den Augen abgewendeten Schwanzende
