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kommt uns widersinnig vor. Wedelnde Schwänze gefallen, weil sie Gefühle aus­drücken.

Bei einfarbigen Säugetieren tritt der ästhetische Wert der Form deutlicher hervor als bei gefleckten und gestreiften Arten.

Längsstreifen sind schöner als Quer­streifen) weil sie in der Richtung der Hauptachse des Körpers verlaufen, also in derselben Richtung, in welcher unser Blick der Form des Körpers nachgeht.

Unregelmässige Fleckung ist bässlich. Gestreifte und gefleckte Säugetierdecken machen an dem Körper der Tiere einen anderen ästhetischen Eindruck, als wenn sie wie Tcppiche ausgebreitet sind. In dem ausgebreiteten Felle tritt die Zeich­nung selbständiger und weit wirksamer auf als in ihrer Anlehnung an die Körperform.«

Es wäre zu wünschen, dass Geheim­rat Professor K. Möbius seine ästhetische Betrachtung auch wenn auch nur auf die hervorragendsten und bekanntesten Vertreter anderer Tier­ordnungen und Tierklassen ausdehnen möchte. Wer könnte wohl für das Schaffen bezw. das Beur­teilen von Tierdarstellun­gen in der bildenden Kunst bessere Richtlinien zeich­nen als er, der als Berufs­zoologe mitten in seinem Arbeitsgebiet steht; Künst­ler und Laien werden ihm dankbar sein. Kurze An­deutungen für die ästhe­tische Beurteilung hat er bereits in seiner ersten Schrift »Die ästhetische Betrachtung der Tiere« gegeben. Symmetrie in < lestalt und Zeichnung, Rhythmus in der Bewegung und harmonische Gliede­rung sind z. B, Momente, die uns einen ästhetischen (lenuss bereiten können. Über die Bedeutung der Gliederung äussert sich Möbius: »Die Gliederung in der Richtung der Haupt

28. Sycodendron ampulla (Haeckel). Kin traubesförmiger Stock, der aus einem Dutzend schlank gestielter Kalk- schwämme zusammengesetzt ist, mit dreieckig getäfelter Aussenfläche. Haeckel, »Kunstformcn der Natur«. Tafel V, Fig. 7. Schwach vergrössert.

achse gefällt, wenn die Zahl der Ab­schnittemühelos zu übersehen ist. Drei gleich grosse Abschnitte erscheinen da­her schöner als eine grössere Anzahl schwerer gesondert wahrzunehmender Abschnitte. Ungleiche Grösse macht die Abschnitte wohlgefälliger, weil der grö­ssere Abschnitt den Blick mehr anzieht als die kleineren und dadurch zur Grund­lage einer einheitlichen Vorstellung des ganzen Tierkörpers wird. Auch eine regelmässige Zunahme der Grösse ähn­licher Abschnitte eines Tierkörpers, z. B. der Windungen einer Schnecke, gefällt, weil dadurch alle Abschnitte als Glieder eines genetischen Ganzen erscheinen.« In radiär gebauten Tieren (wie See­sternen, Seeigeln, Seerosen) gefällt die gleiche Fntfernung gleichförmiger und gleichfarbiger Teile von dem Mittel­punkte des Körpers. Sie ist der an­schauliche Ausdruck der Bildungs- und Lebenseinheit der Tiere.« Nicht nur einzelne riesenhaften Individuen (Flefant, Walfisch) gewähren einen überwältigen­den Anblick, »auch grosse Massen von Tieren können einen erhabenen Eindruck machen: unüber­sehbare Scharen von An­tilopen in der Steppe, wolkenähnliche Vogelzüge über dem Meere, Milliarden von Plankton wesen, welche die ganze Meeresfläche färben und in dunklen Nächten erhellen.«

Viele niederen Wasser­tiere (ich nenne Quallen, Corethra-Larve) macht die Durchsichtigkeit ihres Körpers ausserordentlich anziehend. »Das ästhe­tische Wohlgefallen«, be­merkt Möbius, »wenn wir kleine durchsichtige Tiere oder durchsichtige Teile grösserer Tiere bei durch­fallendem Lichte mit dem Mikroskop ansehen, ist dem ähnlich, welches die Betrachtung von Glas­gemälden hervorruft, durch welche uns das Licht zu-