— 302 —
Goldfischen bevölkert, während ein oder mehrere Windhunde der Steppenrasse umherliegen und ein dressierter Falke — der gewöhnlich zum Spielen dient — gedankenvoll auf seinem Ständer sitzt. Diese Räume, die also ein Mittelding von Terrarium und Aquarium bilden und von Brehm während seines Aufenthaltes in Kairo im Orient gesehen wurden, waren es auch — wie er selbst erzählte —, die ihm die erste Anregung zur Errichtung eines Aquariums im großen Stile gegeben hatten, obschon ihm damals ein klares Bild über die Konstruktion und das zu erreichende Ziel noch nicht vorschwebte. Erst als er nach Berlin zurückkehrte und ihm dort in den Schaufenstern der bedeutendsten Goldfischhandlungen der damaligen Zeit — namentlich in der sehr reüssierenden Handlung von Bolzain, die mit Tuffstein und Pflanzengebilden ausgelegten großen Glaskästen zu Gesicht kamen, begann seine Idee allmählich Gestalt anzunehmen. Obgleich diese gläsernen Goldfischkästen für den praktischen Gebrauch eigentlich auch nichts anderes waren als Aquarien, blieben dieselben doch bis dahin unbekannt und, erst als Brehm mit seiner neuen Schöpfung an die Öffentlichkeit trat, gelangten die Aquarien als etwas ganz Neues zur Popularität.
Zwar hatte man auch schon früher in vornehmen Familien gläserne Fischbehälter in Tulpen-, Glocken- oder Kelchform, auch in Phiolen- oder Kugelform, in welchen gewöhnlich nur einige — möglichst kleine — aber durch Färbung und Zeichnung hervorragende und dann sehr teure Fischchen (10—15 Mark das Stück) gehalten wurden, aber eine größere wissenschaftliche Bedeutung in dem Sinne unserer jetzigen Aquarien wurde dieser vorübergehenden Liebhaberei nicht zuteil. Diese erhielt sie erst durch die neuere Auffassung und die Propaganda der berühmt gewordenen Naturforscher, zu dessen Wasserbecken auch als Seitenstücke noch die besonders in den zoologischen Gärten beliebten Terrarien entstanden. Neu waren auch diese nicht, aber sie wurden neu und zu Spezialitäten durch ihre besondere Bestimmung. Ursprünglich aber war bei beiden der Ver-
gniigungszvveck die Hauptsache, bis man erkannte, daß sich das eine wie das andere sehr gut praktisch und wissenschaftlich verwerten ließ.
Ungefähr dasselbe galt und gilt noch gegenwärtig von den genannten orientalischen Hallen, die lediglich der Annehmlichkeit wegen da sind; aber allmählich wurde auch ihnen eine Nebenbestimmung zuteil, an die man auch nicht gedacht hatte und die überhaupt keine öffentliche wurde. Wie bereits angedeutet, sind in diesen offenen Wohnungsräumen oder Gartensalons meist Blumen und Pflanzen, überhaupt gärtnerische Ausschmückungen vorherrschend, und da man in den orientalischen Harems mit Vorliebe die Blumensprache oder die Symbolik der Blumen studiert, die von den Odalisken und Kavalieren mit so großem Eifer betrieben werden, daß sie zu einem — bei uns kaum geahnten ■— Grad der Vollkommenheit gediehen sind, so wurden die Blumen-Aulas mit der Zeit wirkliche Studiersäle von nicht zu unterschätzender Bedeutung, und zwal war die Lehrmethode eine so merkwüä dige und interessante, daß wir hier etwas näher auf dieselbe eingehen müssen:
Wenn man nämlich einigermaßen in das asiatische Haremsleben eingeweiht wurde — wozu freilich lange Zeit und ein intimer Umgang mit autoritären Personen erforderlich ist, durch deren Vertrauen es möglich wird, hinter die Kulissen zu schauen, dann wird man wissen, daß trotz der strengen Überwachung der Frauen — oder vielleicht auch gerade deshalb — doch zartere Beziehungen zwischen Odalisken und Kavalieren oder geheimen Verehrern keineswegs ausgeschlossen sind. Je härter die Strafe ausfällt, desto größer ist der Reiz! -— Erst in ganz jüngster Zeit sind uns wieder einige Fälle bekannt geworden, daß ni cnt nur Prinzessinnen europäischer Königshäuser für plebejische Männer erglühe' 1 ' sondern auch Odalisken orientaIisch er Harems an irgend einem Anchises oder Adonis Gefallen finden und demselben nach dem Abendlande folgen. Zur Ausführung solcher Bravourstücke ist aber doch eine sehr eingehende Verständigung nötig, und da diese in den Harems sehr

