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wohl bekannt, daß man in letzter Zeit behauptet und auch nachzuweisen gesucht hat, daß sich auch dieses scheue Wild den durch die Kultur veränderten Verhältnissen anzupassen versucht, wie dies ja schon so manche Geschöpfe getan haben. Vorläufig aber sind dies sicherlich nur Versuche, die auch der Natur dieser flüchtigen Vögel entsprechend wohl nie einen anderen Charakter annehmen werden.
Das Birkwild kommt in ganz Deutschland und in vielen anderen Ländern der gemäßigten Zone an zahlreichen Orten der Ebene sowohl wie auch des Gebirges vor, und doch wird es die Mehrzahl der Menschen bei uns höchstens dem Namen nach kennen; denn obwohl es keine Rücksicht auf die Gegend zu nehmen scheint, so ist es doch sehr wählerisch in der Örtlichkeit. Seine Lieblingsaufenthalte sind die weiten mit Heidekraut, Ginster, Brombeeren, Heidelbeeren und sonstigem Gesträuch bedeckten Ebenen des Tief- und Hochlandes, namentlich die welteinsamen, trockneren Moore, wo es ein ständiger Bewohner zu sein scheint. Die eigentliche Sumpflandschaft aber behagt ihm nicht. Auch meidet es den geschlossenen Hochwald für gewöhnlich. Nur höchst selten habe ich es in ihm angetroffen und dann immer auf Waldblößen oder am Rande beeren- und kräuterreicher »Jagen«. (»Jagen« ist die offizielle Bezeichnung für bestimmt abgegrenzte Waldteile, die sich durch hinzugefügte Nummern von einander unterscheiden.) Wir sehen aus diesen Ausführungen schon, daß es solche Stellen bevorzugt, die der gewöhnliche Naturbummler nicht so leicht betritt. Möglichst einsame Ortlichkeiten, wo kein Geräusch den Frieden der Umgebung stört, wo kein fremder Laut die Eintönigkeit des stillen Lebens unterbricht, — da leben am liebsten Birkhahn und Birkhenne, meistens in Gesellschaften, die namentlich im Herbst und Winter oft gegen zwanzig und mehr Köpfe zählen. Ein solcher Flug fliegender Birkhühner gewährt einen herrlichen Anblick. Plötzlich, unvermutet, mit wenig Geräusch stehen diese Tiere auf. Dann ziehen sie dahin über Birken- und Erlengebüsch,
oder sie nehmen auch wohl eine Kiefernschonung an. Wie prächtig erscheinen dann diese kräftigen Gestalten aus der Vogelwelt, besonders aber wenn das Sonnenlicht von ihrem glänzenden Gefieder zurückgeworfen wird.
Selbst in rasch förderndem Fluge ist es für den Kenner leicht, die verschiedenen Geschlechter des Birkwildes zu unterscheiden. Die Hähne markieren in einer solchen Gesellschaft von Waldhühnern durch den leierförmigen, gegabelten Stoß im Schwänze, vom Jäger das Spiel genannt, und durch ihre metallisch schillernde, schwarze Färbung, die nur auf den Flügeln und unter dem Schwänze durch reinweiße Federn unterbrochen wird. Auf den Flügeln bildet das Weiß eine weithin sichtbare Binde, den Spiegel, und unter dem Schwänze den sogenannten kleinen Stoß, der durch die weißen Unterschwanzfedern hervorgerufen wird. Während der Balzzeit im Frühling zeichnet sich das männliche Birkhuhn vor der Henne noch durch kahle, warzige Flecken von leuchtend roter Farbe über den Augen aus, die in dieser Zeit besonders anschwellen und dann die feurigen Augenringe, die Rosen, bilden. Die Hennen sind viel unscheinbarer aber doch recht schön gefiedert, die rostbraune Grundfarbe ihres Federkleides ist von mannigfachen dunklen Querbinden und Flecken in vielen Schattierungen unterbrochen. Ihnen fehlen die Rosen, und bei ihrem Schwänze ist die Leierform nur schwach angedeutet.
Außerordentlich scheu sind die Birkhühner. Dabei sind ihre Sinne sem scharf entwickelt. Der Jäger sagt wohl: sie haben auf jeder Feder ein Ohr. R n kenne keinen anderen Vogel, der au so große Entfernungen vor dem Menschen flüchtig wird. Manchmal habe ich Birkwild aus dichtem Heidekraut-
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gestrüpp eines Moores, das von wenigen Kiefern und Birken bestanden und fast unzugänglich war, in Entfernungen von 400—800 m aufstehen sehen, obwohl nicht die geringste Gefahr drohte und auch kein außergewöhnliches Geräusch als das schwache Rauschen der Schritte im Heidekraut vernehmbar war. Trotzdem flogen diese Vögel plötzlich

