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Im Jahre 1887 gingen von den vom Verein zur Beförd.
d. Gartenbaues versendeten Fragebogen bez. eines Schutzzolls
111 wieder ein. 56 sprachen sich für den Zoll, 48 dagegen
aus, 7 hatten keine bestimmte Meinung. Die deutschen
Gärtner hatten durch diese Thatsache ihre Energie zur Wahrung
ihrer Interessen in kein günstiges Licht gestellt. Die Zeitungen
wie „Möllers Deutsche Gärtnerzeitung“, „Gaucher’s practischer
Obstbaumzüchter“ wussten soviel Vortheile des Freihandels
aufzuführen, dass andere Zeitungen (man vergl. Jahrg. 87
d. Ztg.) garnicht mit ihrer Ansicht durchdrangen und einfach
verhöhnt und abfällig kritisirt wurden.
Was wir damals vorausgesagt haben: die Freihändler
werden noch Schutzzöllner werden, ist eingetroffen; in der Ver¬
sammlung waren nur Einzelne, welche für Freihandel waren,
hauptsächlich die Gärtner an der österreichischen Grenze.
Es wurde den Berliner Vereinen überlassen, die nöthigen
Schritte auf dem Wege einer Petition zu unternehmen und
hat die Sitzung der Deligirten der Berliner Gartenbau-Vereine
zur Berathung der Schutzzollfrage in Berlin, am 14. Mai 1890,
zu folgendem Resultat geführt.
Sitzungsbericht.
Herr Oekonomierath Späth verliesst nach Ueberahme des
Vorsitzes den von ihm ausgearbeiteten Entwurf der Petition
und tritt die Versammlung im Anschluss an die Verlesung
sofort in die Discussion über die Zollsätze.
I. Schnittblumen. Der Entwurf schlägt als Zoll¬
sätze für alle Gartenerzeugnisse mit Ausnahme von abge¬
schnittenen Blumen pro 100 Kilo 10 Mk., dagegen für abge¬
schnittene Blumen pro 100 Kilo 100 Mk. vor. Die Herren
K o 11 e - Südende und Schmerwitz -Wildpark sprachen
sich dahin aus, dass ein niedriger Zoll der Masseneinfuhr von
Schnittblumen durchaus nicht hinderlich sei; Herr Schmerwitz
bemerkt, der Zoll müsse die eingeführten Blumen so vertheuern,
dass dieselben den hiesigen Blumen im Preise annähernd
gleich kommen.
Herr Kotte macht darauf aufmerksam, dass ein niedriger
Zoll dazu führen würde, die Producenten zu sammeln, welche
dann die Blumen in verzollten geschlossenen Waggons nach
Berlin schaffen.
Herr Taube tritt dieser Meinung entgegen, indem der¬
selbe ausführt, dass ein Zoll von 100 Mk. pro 100 Kilo,
welcher als niedrig zu dem Werthe der Rosen zu betrachten
ist, schon erheblichen Einfluss ausübe; er führt weiter an Bei¬
spielen an, dass einen Zoll von 100 Mk. pro 100 Kilo die
Sommerblumen als: Levkojen, Reseda etc. schon nicht mehr
vertragen; der Segen des Zolles würde zunächst darin be¬
stehen, dass alle diese gewöhnlichen Blumen vom Markte
verschwinden.
Herr W i t z e 1 - Weissensee gibt zu bedenken, ob ein ge¬
trennter Zollsatz für Rosen und sogen. Sommerblumen an¬
gezeigt sei; die Versammlung tritt jedoch dieser Meinung nicht
bei, sondern erklärt sich nach weiterer Discussion bei der
Abstimmung einstimmig — unter der Begründung, dass, wenn
ein Zoll von 100 Mk. pro 100 Kilo brutto die neben den
Rosen auftretenden gewöhnlichen Blumen verdränge — für
diesen Zollsatz.
(Schluss folgt.)
SSEESSS*
ALLERLEI.
Noch Einiges über Primula obconica.
In letzter Zeit habe ich häufiger beobachten können, dass
die jetzt allerorts beliebte P.'imula obconica am besten und
reichsten blüht, wenn dieselbe in mässig grossen Gefässen
cultivirt wird; nur verlangen die Pflanzen einen schattigen
Standort und regelrechtes Giessen. In geräumigen Töpfen
stehende Pflanzen, denen man ausserdem noch reichliche
Nahrung durch flüssigen Dünger zuführt, entwickeln sich die
Pflanzen, was Laubwerk anbetrifft, zu seltener Schönheit,
jedoch leidet darunter der Blumenansatz.
Auf den letzthin stattgehabten Frühjahrs - Ausstellungen
wurden mehrere beachtenswerthe Varietäten von Pr. obconica
zur Schau gebracht, die durch kräftige, grosse Dolden und
wohlgeformte Blumen, sowie Inten3ivität der Farben auffielen.
Besonders bemerkenswerth ist eine von einem Liebhaber ge¬
zogene Spielart mit rein weissen, grossen Blumen, die zahl¬
reich und in dichten Dolden stehend, erscheinen.
London S. E. T h. H o e p k e r.
Eine schöne Staude, Heuchera sanguinea.
Von auffallender Schönheit ist die hierorts häufig zur
Schau gebrachte Heuchera sanguinea. Die in lockeren Rispen
stehenden Blüthen sind von rosa- bis scharlachrother Farbe
und erscheinen im Freien in den Monaten Juni, Juli und
August; in Töpfe gepflanzt und im Kalthause oder kalten
Kasten langsam angetrieben, entwickeln dieselben ihren Flor
bereits im April und Mai.
Hier in England ist die Staude vollkommen winterhart
und gedeiht in allen Lagen ganz vorzüglich.
Besonders starke Schaupflanzen in Töpfen, in sandiger,
nahrhafter Erde cultivirt, sah ich unlängst in den Stauden¬
quartieren der Firma Dicksons Limited in Chester.
London. H o e p k e r.
Ismene Calathina.
ist die schönste der mir bis jetzt bekannten Arten aus der
Familie der Amaryllideen, aber trotz ihrer wohlriechenden rein-
weissen Blumen scheint sie noch wenig verbreitet zu sein.
Ich habe dieselbe schon in verschiedenen Gärtnereien und
auch in vielen Catalogen vergebens gesucht. Die Zwiebel ist
länglich rund, treibt ziemlich lange Blätter, welche von der
Zwiebel aus gleichsam in einen 10—15 cm langen Schaft ver¬
eint sind. Sie blüht sehr reichlich und ist deshalb auch zu
empfehlen. Die alte Zwiebel theilt sich nach der Blüthe
regelmässig in drei Theile.
Sollte vielleicht einer der geehrten Herren Leser etwas
Weiteres über die Pflanze auf diesem Wege mittheilen, oder
eine Bezugsquelle angeben können, so würde es mir sehr an¬
genehm sein.
Stuttgart. 0. K r e m e r.
Eine neue Art von Bouquet
erhielt ein Herr aus W T ien, welcher am Stuttgarter Hoftheater
gastirte. Es bestand aus 300 St. der feinsten Cigarren,
welche in Form eines Bouquets zusammen vereint waren.
Dieses Bouquet sah sehr schön aus und ist gewiss für die
Herrenwelt eine angenehme Art.
Stuttgart. 0. K r e m e r.
Fragekasten, fe
'iin i i i inn i ni lr
Frage 72. 1. Welchen künstlichen Dünger muss man anwenden,
um das stark überhandnehmende Unkraut zu vertilgen?
2. Ist Linoleum als Anstrich bei Mistbeetkasten und Holz¬
sparren, bei Gewächshäusern angewandt, den Pflanzen von Nachtheil?
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|j BRIEF-
KASTEN.]:
1
M. S. Neuwied. Bei Beschreibungen, die Pflanzenkrankheiten
(Pilze) betreffen, ist es uns nicht möglich das Richtige zu treffen;
wir müssen darum bitten, uns bei dergleichen und ähnlichen
Fragen stets eine kleine Probe mitzusenden, wenn wir eine ge¬
naue Antwort geben sollen.
R. Magdeburg. 1. Senden Sie gefl. einen Zweig der befallenen
Rose ein. 2. Curculigo recurvata gehört nicht zu den Palmen,
sondern Hypoxideen, stammt aus Java und wächst unter tropischen
Verhältnissen, deshalb bei uns eine Pflanze des Warmhauses.
3. Es ist nur noch No. 36 des Jahrg. 88 vorräthig.
E. Laubenheim. Bitte den Bericht über dortige traurige Ver¬
hältnisse einzusenden.
Sch. Wiesbaden. Um eine Reise nach Texas zu machen, ist
es am besten, wenn Sie sich an ein Reiseauskunftsbureau wenden,
deren es ja in jeder grösseren Stadt giebt; wir sind nicht in der
Lage, Ihnen genau über derartige Reisen Auskunft ertheilen zu
können.
Druck u. Verlag v. A. Wiaser, Berlin SW., Wilhelmstr. 119/120. Für die Schriftleitung verantwortlich: P. Abraham Weissenburgerstr. 66.