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Papaver glaueum oder Tulpen-Mohn.
Unter den Neuheiten, welche für das neue Jahr erscheinen, dürfte
dieser Mohn wohl die Mächtigste mit sein, denn er ist keine neue
Spielart oder Varietät, sondern eine neue Art,
Eingetührt wurde derselbe von Herrn Max Leichtlin, einem in
Gärtnerkreisen allbekannten und wohlangesehenen Blumisten; derselbe
erhielt ihn aus Armenien. Der Beschreibung nach gehört P. glaueum
oder Tulpen-Mohn zur Gruppe der P. Rhoeas , zu der auch unser
wilder Klatschmohn zählt oder so eine Art Stammbaum abgiebt. Der
Spezies-Name „ glaueum “ bezieht sich auf die blaugrauen Blätter dieses
Mohns, dieselben sind fiederspaltig oder gelappt und den Stengel halb
umfassend. Ueber dem Blattwerk der Pflanze, welches 30—-35 cm
hoch wird, entwickelt dieser Mohn eine grosse Anzahl grosser Pracht¬
blumen vom tiefsteig leuchtendsten Rot. Da jede einzelne Pflanze
50 bis 60 solcher Blumen bringen soll, so wird man sich sehr leicht
einen Begriff von der Pracht oder Schönheit dieses Mohns machen
können. Den vorliegenden Schilderungen nach, soll der Anblick, den
ein mit solchen Mohn bepflanztes Feld zur Blütezeit hervorbringt,
geradezu ein blendender sein.
Papaver glaueum.
Die beiden äusseren Blumenblätter bilden eine Schale von 10 cm
Durchmesser, während die beiden inneren aufrechtstehend die Staub-
gefässe wie eine Tasche schützend umschliessen; im Verblühen werden
an der Basis der Blumenblätter zwei schwarze Flecken sichtbar. Der
Blütenflor beginnt Anfang Juni und hält sechs bis acht Wochen an.
Veranlassung zu seiner deutschen Benennung „Tulpen-Mohn“, gab
die Färbung seiner Blüten, die ähnlich wie bei der bekannten frühen
„Zwerg-Tulpe“ (I)uc van Thöll ) Scharlach oder brillantrot ist.
Samen lieber ins Mistbeet säen w-ollen. Man halte in diesem Falle das
Mistbeet nicht zu warm oder säe den Samen, je einige Körnchen
zusammen in kleine Töpfe und pflanze dann die Pflanzen mit samt
den Erdbällen später ins freie Land.
Zweckmässigkeit des Spritzens bei Zimmer¬
pflanzen im Winter.
Stadt- o. Univ
Standort: Senckenb. Bibi.
Frankfurt a. Main
Papaver glaueum.
Die meisten Topfpflanzen wollen im Winter nur wenig begossen
sein, kränkeln und sterben sogar ab, wenn die Erde in den Töpfen zu
feucht gehalten wird. So verhängnisvoll nun auch vielen Topfgewächs¬
arten allzu reichliches Giessen werden kann, um so wohlthuender Markt
bei ihnen ein jeweiliges Spritzen, doch darf auch dieses nicht allzu ver¬
schwenderisch gehandhabt werden.
In Wohnzimmern ist, wegen des Heizens derselben, die Luft oft
viel zu trocken und die TopfgeM’ächse haben von ihr viel zu leiden;
dazu kommt auch noch der Staub, der sich in bewohnten Zimmern
leider nicht vermeiden lässt. Beide, Trockenheit und Staub üben einen
schädlichen Einfluss auf die Pflanzen aus, den zu verscheuchen, das
Spritzen das beste Mittel ist.
Unter Spritzen verstehen wir das Besprengen der Pflanzen mit
Wasser vermittelst einer Pflanzenspritze. Die Konstruktion derselben ist
ähnlich der einer gewöhnlichen Spritzbüchse, nur dass am Ausspritzloche
ein Blech mit vielen kleinen Löchern, ähnlich Mae bei einer Giesskannen¬
brause angebracht ist, M’odurch der Wasserstrahl in viele feine Strahlen
verteilt MÜrd. Für den Gebrauch im Kleinen, kann man sich sogar
selbst eine Pflanzenspritze herstellen, obM r ohl man eine solche nie so
gut und dauerhaft anfertigen kann als der Fabrikant. Es ist darum
zM r eckmässiger, sich eine gute Pflanzenspritze zu kaufen oder sich eines.
Refraicheurs zu bedienen. Beide kann man in den Erfurter Handels¬
gärtnereien oder vom Gartenbau-technischen Geschäft von Ludwig Möller
in Erfurt erhalten. Im Notfall thut es auch eine Kleiderbürste, man
taucht diese ins Wasser, nimmt sie in die linke Hand, so dass die
Borsten nach oben gerichtet sind, streicht dann mit der rechten Hand
die Borsten rückwärts, nach sich zu, wodurch sich feine Wasserstrahlen
nach der zu bespritzenden Pflanze zu ergiessen. Je nachdem die Bürste
mehr oder weniger mit Wasser getränkt wird, giebt es stärkere oder
feinere Wasserstrahlen oder Wassertröpfchen.
Man sieht es den so mit Wasser bespritzten oder bestäubten
Pflanzen an, wäe wohlthuend das Wasser für sie ist, sie leben zusehends
auf, die halbtrockene Rinde oder Schale schwillt auf und die Blätter
nehmen eine lebhaftere Färbung an. -
Auch ein sanftes Befeuchten der Pflanzen vermittelst eines weichen,
in Wasser getauchten Schwammes leistet ähnliche Dienste wie das Be¬
spritzen.
Nach dem Spritzen oder Anfeuchten ist darauf zu sehen, dass
die Pflanzen auch Mieder ab trocknen. Ein Nassmachen der Topferde
ist beim Spritzen möglichst zu vermeiden, schadet indess nicht, wenn
selbige an sich schon ziemlich trocken ist. Es empfiehlt sich daher, das
l*'* Spr itzen nicht bei nassen Befund der Topferde vorzunehmen.
Bibliothek 3 Wie oft das Spritzen vorzunehmen sei, müssen die näheren Unter-,
’sucaiungen der Zimmerluft und die Beschaffenheit der Pflanzen lehren,
aufl h die Art der Topfpflanzen ist mit massgebend, und so sind z. B.
fast alle Fettpflanzenarten, so auch Cakteen nur höchst selten einmal¬
zu bespritzen, ja selbst Staub schadet diesen M-eniger als das öftere
Nassmachen, M'ährend viele andere Topfgewächsarten allwöchentlich ein-
oder auch einigemal bespritzt w r erden können.
Das Gesagte gilt natürlich nur, wenn die Pflanzen in geheizten
Zimmern sich befinden, während in ungeheizten, kühlen oder wohl gar
etwas feuchten Räumen das Spritzen mit grösster Vorsicht zu üben oder
M r ohl auch gänzlich zu vermeiden ist. P. Hermann.
Der Tulpen-Mohn ist einjährig und kann gleich, so wie unsere
übrigen Sommer-Mohnarten, ins freie Land an Ort und Stelle gesäet
werden. Der Samen liegt dann einige Wochen bevor er aufgeht; ins
Mistbeet gesäet, geht er viel früher auf. Freilandaussaaten liefern bei
unseren älteren Mohnarten kräftigere Pflanzen, als wenn ins Mistbeet
gesäet wird und die Pflanzen nachher verpflanzt werden. Bei dem
Tulpen-Mohn dürfte es sich w-ohl ebenso verhalten; indess sind die
Samenportionen von Neuheiten meist nur schwach, so dass man nicht
viel Samenkörner erhält und dieserhalb werden viele Blumenfreunde den
Ueber das Treiben des Flieders.
Unter den Blütensträuchern, welche sich treiben lassen, verdient
der Flieder ( Syringa ) am ersten mit genannt zu w-erden. In manchen
Blumenbindereigeschäften werden alljährlich Hunderte und Tausende
Fliedersträucher getriebeü. Das Treiben geschieht da meist in Erdhäusern,