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der „Astrachan“ (rot) und der Spitzberg, aus Europa importiert.
Im ganzen giebt es in Amerika ca. zwei Tausend verschiedene
Sorten von Aepfeln; jede Grösse, jede Schattierung ist vertreten
in dieser langen Liste. Auch reifen die Aepfel zu verschiedenen
Zeiten; manche reifen früh im Herbst und andere wieder spät im
Winter. Einige Sorten der besseren Klasse Winteräpfel halten sich
zwei Jahre und länger frisch, aber viele Arten der Sommeräpfel
verderben schon innerhalb Monatsfrist. Gute Aepfelbäume ergeben
hier zu Lande 3-—5 grosse Fässer Aepfel in der Saison und werfen
dem Besitzer guten Verdienst ab.
Das Einheimsen beginnt in Canada und den Vereinigten
Staaten Ende September, in manchen Gegenden schon Anfangs
September. Natürlich sind dies Winteräpfel. Die Pflücker tragen
einen Sack aus starker Leinwand über der Schulter und eine
leichte Holzleiter. Zu Hunderten gehen diese Pflücker an die
Arbeit. Jeder Apfel muss sorgfältig von dem Ast gepflückt oder
so abgebrochen werden, dass der Stiel am Apfel sitzen bleibt.
Schlechte und von Vögeln angebissene Aepfel werden nicht gepflückt.
Nachdem die Aepfel aus einem Obstgarten alle abgepflückt sind,
beginnt die sorgfältige Sortierung derselben. Der oder die Eigen¬
tümer thun dies selbst, denn dieses Sortierungsgeschäft ist die
Arum orientale. (Dammann.'i
Hauptsache zum Geldverdienen. Die Aepfel werden in mehrere
Arten (Qualitäten) sortiert. 1. Qualität sind alle grossen und gut¬
reifen Früchte ohne Flecken und Risse; dieselben werden in langen
Reihen wie Eier verpackt. Oft kostet diese 1. Qualität den drei¬
fachen Preis anderer Aepfel, daher die grosse Sorgfalt beim Sortieren.
Die 11. Qualität ist kleiner, hat weniger Farbe und leichte Risse.
Die schöne Farbe der Aepfel spielt eine Hauptrolle beim Verkauf,
ui. Qualität sind alles solche Aepfel, welche nicht zur 1. und
11. Qualität gezählt werden können, die aber noch zu gut sind,
um als Viehfutter oder zur Bereitung von Apfelwein zu dienen.
Solche Aepfel werden ohne weitere Umstände eimerweise in die
Fässer geworfen und der Eigentümer ist froh, wenn er noch 50 °/ 0
per Fass verdienen kann. Ordinaire oder gequetschte Aepfel
werden entweder getrocknet oder zur Bereitung von Apfelwein
(Cider) oder als Viehfutter verwendet. In Amerika, besonders in
den Temperenzstaaten Maine, Kansas sind genug Apfelweintrinker,
um die Produzenten des Apfelweins ein ganz gutes Geschäft
machen zu lassen. Heutzutage wird in den Neuenglandstaaten
Maine, Vermont, New-Hampshire, Marrachusset mehr Apfelwein
getrunken, als an irgend einem anderen Platze der Welt; Sachsen¬
hausen-Frankfurt a. M. nicht ausgenommen. Ebenso wird dort
Apfelwein als Würze zu Pudding, Kuchen und dergl. gebraucht.
Die Aepfelobstgärtenbesitzer haben alle, ohne Ausnahme, eigene
Apfelweinpressen. Alles was ,Apfel“ heisst kommt, wenn Export
und Eigenbedarf befriedigt ist, in die Apfelweinmühle. Wenn der
Vorrat zu gross ist, so macht man Essig, und dieser Afelweinessig
findet in Amerika guten Absatz. Die Pflücker der Aepfel werden
direkt im Garten beköstigt und ihr Hauptgetränk ist der Apfelwein.
Vor einigen Jahren war in Europa (auch in Deutschland)
das Gerücht verbreitet, dass amerikanische, für den Export bestimmte
Aepfel vergiftet wären. Dieses Gerücht hatte zwar kurze Zeit
eine geringe Abnahme des Exports zur Folge, aber die Furcht
war ohne Grund, denn nach Aussagen der bedeutendsten ameri¬
kanischen und europäischen Hortikulturisten ist das Gift, welches
auf die Aeste gelegt wird, für Insekten bestimmt, jedoch ohne
jeden Nachteil für die Frucht und den Baum; und dies ist über¬
all nötig und Sitte, wo Insekten; Fliegen u. s. w. die Bäume zu
Hundertausenden besuchen und die Früchte beschädigen.
New-York ist der Haupthandelsplaatz für den Export von
Aepfeln und die Jahresstatistik beläuft sich vom New-Yorker
Hafen aus auf viele Hunderttausend Dollars jährlich. Ein grosser
Teil Aepfel wird auch nach Deutschland exportiert und dieselben
sind dort als amerikanische Aepfel sehr gut bekannt und beliebt,
denn es wird wie schon gesagt, nur die erste und beste Qualität
zum Export versandt. Die Fruchtimporteure und Händler können
in Deutschland mit diesen Aepfeln viel Geld verdienen.
Nach den neuesten Berichten aus den „Aepfel-Staaten“, ist
die 1892er Ernte als eine ganz bedeutende und gut geratene zu
bezeichnen, und jeder Frachtdampfer nach Europa hat grosse Par¬
tien amerikanischer Aepfel an Bord.
(Das neu erschienene Adressbuch (1893) mit 10000 Adressen
von Züchtern, Exporteuren, En gros- und Detail-Händlern; Früchte,
Blumen, Samen, Bäume, Pflanzen und allen Spezialartikeln der
Hortikulturbranche in Nordamerika und Canada wird franko für
Mk. 20 gleich Franks 25 Netto Kasse von Ph. Heinsberger, New-
York versandt.)
Arum oder Aronstab (Draehenwurz.)
Von den Arum-Arten ist nur eine einzige Art bei uns einheimisch
und ist diese A. maculatum, der gefleckte Aron oder Aronstab.
Diese Art hat als Zierpflanze wenig Bedeutung, ist [aber immerhin
zur Ausschmückung schattiger Stellen recht passend zu verwenden,
wo sie im Frühjahr wegen frühen Bringens ihrer hübschen pfeil¬
förmigen, dunkelgrünen und schwarzbraunen gefleckten Blätter
dergleichen Stellen verschönern hilft. Hat man Blosstellen in den
Gehölzanlagen, so lassen sich diese recht passend mit diesem Aron
bepflanzen, erscheinen dann weniger kahl, so wenigstens im Früh¬
jahr; im Sommer aber sterben die Blätter ab und der knollenartige
ausdauernde Wurzelstock verharrt im Ruhezustände, treibt dann
alljährlich im Frühling neue Blätter, ebenso Blüten und auch
Samen. Letztere sind beerenartig, schön rot und sitzen in einen
maisartigen Kolben beisammen. Die Blütenscheide ist grünlich-weiss
oder bleichgrün und der Blütenkolben purpurbraun gefärbt. Die
Blüte ist sehr interessant. Auch in Töpfen lässt sich A. macalatum
kultivieren und bei massiger Wärme im Winter zum Blühen bringen.
Eine grössere Verwendung als genannte Arten finden A. Dra-
cuncidus und A. italicum als Topf- und im Sommer auch als
Freilandpflanzen, welche beide ansehnlicher sind. In neuerer Zeit
sind den vorhandenen Arten noch verschiedene andere aus Asien
und Nordafrika zugesellt worden und die Liebhaberei zu diesen.
Arum syriacum. )Dammanu.)
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eigenartigen und interessanten Gewächsen scheint immer mehr zu
wachsen. Ein Gegenstand gärtnerischer Spekulation ist in jüngster
Zeit A. sanctum , „Schwarze Calla“ oder „Trauer-Calla“ geworden.
Grosse Mengen, angeblich aus Palästina, sind letztes Jahr einge¬
führt, und wie es scheint, auch abgesetzt worden.
Es folgen nun hier einige Abbildungen neuer oder noch
weniger bekannter Arten, deren Cliches von der berühmten Gärtnerei
von Dammann & Cie. in Teduccio-Neapel der Redaktion der vor¬
liegenden Zeitschrift zur Verfügung gestellt wurden; es sind dies:
A.dioscorides spectabilis, prächtiger zweihäusiger Aron. Scheide
olivenfarbig mit dunkelpurpurroten Flecken;
A. orientale , morgenländischer, mit weissen, braungerandeten
Blütenscheiden;