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— — rechten Schund einkaufen. Zunächst haben die Wurzeln
gewöhnlich bei dem Umherziehen sehr gelitten. Die dickem
Wurzeln sind verwelkt und eingeschrumpft, während die so
ausserordentlich wichtigen Faserwurzeln, falls noch einige traurige
Reste vorhanden, bereits abgestorben sind. Und sollten die
Wurzeln auch besser aussehen, sogar ein ordentliches Stämm-
chen mit guter Krone zu finden sein, welche Sorte ist es dann?
Ja, das steht doch auf dem Schildchen. Gewiss! „Fürst Bismark,
Kaiser Alexander, Ananasreinette,Wintergoldparmäne, Gute Graue,
Andenken an den Kongress“, das steht ja klar und deutlich auf
dem Schildchen. Ob aber von den genannten Sorten eine dabei
ist, wer vermag es zu sagen? Manchmal aber hat man ganz
wertlose Sachen, die man dann aufs schnellste umpfropfen darf.
Also auch hier lieber dem Gärtner 20—30 Pfg. für ein gut ge¬
zogenes Stämmchen edler Art mehr bezahlt, als dem Hausierer
für viel weniger Geld viel schlechtere Waare abgekauft!
Nun kommen die Neuheiten. Hier ist wieder Vorsicht
geboten. Sie sind oft von sehr zweifelhattem Werte und zeichnen
sich nur durch einen enorm hohen Preis vor alten bewährten
Sachen aus. Hier wartet man am besten, bis die Sache von
Fachgärtnern geprüft ist. Im Aufträge von Fachschriften und
Gärtnereien stelle ich in jedem Jahre eine Anzahl hervorragender
Neuheiten in meine Versuchsfelder ein. Kaum die Hälfte ist
manchmal brauchbar und nur einige wenige kann man als her¬
vorragend und als für jedes Klima passend bezeichnen. Wenn
also die Kataloge kommen, hübsch vorsichtig ausgewählt, nicht
auf 10—20 Pf. Preisunterschied gesehen; nur für gutes Geld
kann man gute Ware, also auch guten Samen erhalten, und
nur guter Samen kann eine gute Ernte versprechen.
Beitrag: zum Kapitel:
Erdbeerbedeckung im Winter.
In diesem Fache — bedecken oder nicht — giebt es
viele Gegner, viele Begünstiger. Ich habe schon jahrelang
dieses Objekt behandelt und bin zu einem Resultate gekommen,
das genau dasselbe ist, welches Herr E. Hechler vertritt. Stellen
wir uns einmal die Sache so recht und genau eingehend vor Augen:
Wenn schon die grossfrüchtige Erdbeere zum Teil mit aus
fremden Landen zu uns gekommen sein mag, so ist sie dennoch
bei uns winterhart. Dieses hält uns jedoch nicht ab, der kraft¬
liebenden Pflanze zum November eine Decke zu geben.
Diejenige Decke ist erprobt die beste, welche aus dem zu¬
sammengesetzten kurzen Dung aus Pferdeställen besteht. Wir
nehmen mit der Schaufel diesen Dung und verteilen ihn so
zwischen die Pflanzen, dass deren Herzen freibleiben. Soweit ist
Herr Hechler auch der Meinung. Inwiefern ist nun diese Be¬
deckung für Erdbeerbeete von Nutzen? Da haben wir mehrere
nützliche Seiten zu verzeichnen:
ad. I. Der feine Dung wird durch Feuchtigkeit der At¬
mosphäre so innig in sich verbunden, dass er eine dichte Decke
bildet. Durch Regen und Schnee werden die Ammoniak-Stoffe des
Düngers gelöst und zur Erde geführt. Alias = Kraftgabe =.
Jedoch ist letztere meist der Hauptfaktor. Wir bezwecken
eine für die Pflanze gleichmässige Bodentemperatur. Wenn die
Düngerdecke nur 1 Zoll hoch, ist die untere Erde dadurch
schon bedeutend verbessert. Durch die Decke geht die Kälte
nicht so leicht hindurch. Der Boden bleibt frisch. Wird der
Frost stärker, dann dringt er zwar durch; dies schadet jedoch
nichts. Wir kommen zu Punkt II.
Jeder Gartenliebhaber weiss zur Genüge, dass den Erd¬
beerpflanzen weniger der Winter, als das Frühjahr schadet. Im
Februar schon fängt bei vielen Gewächsen der Saft an zur
Pflanze zurück zu fliessen. Ist der Saftfluss im Gange, so ver¬
trägt die Pflanze sehr wenig Frost. Denn die Zellen des Ge¬
webes erfrieren. Dieses frühe Austreiben der Gewächse müssen
wir in gewissen Wintern zu verhüten suchen. Das beste Mittel
dafür ist da eine entsprechende Bedeckung. Wir nähern uns
jetzt also der Bedeckungstheorie gegen Wärme.
Sind unsere Beete gleichmässig bedeckt (bei freistehenden
Herzen der Erdbeerpflanzen), so bezweckt diese Bedeckung im
Februar und März das gerade Gegenteil von der im November.
Wir wollen, dass der Trieb gehindert werden soll. Die
dünne Decke hindert, da sie dicht liegt, die Erwärmung des
Budens durch die Sonne. Hierdurch bleibt die Erde kühl,
die Wurzeln schlafen länger und werden nicht so früh zum
schädlichen Treiben veranlasst. Tritt die Sonne höher, so dringt
Wärme nach und nach durch und bleibt, weil die Aus¬
dünstung etwas erschwert ist, gleichmässiger im Boden. — Hieraus
ersieht der aufmerksame Leser, dass die dünne Bedeckung des
Bodens (nicht der Pflanze) seine enormen Vorteile hat. —
Ich könnte an Beispielen die Erfolge dieser Bedeckung noch
mehr erklären. — Ich will aber nicht ermüden.
Die Theorie des Bedeckens der Pflanze ist als solche
zu verwerfen. Warum?
Im August schon speichert die Erdbeere ihre Stoffe zum
Aufbaue der nächtsjährigen Blüten und Früchte im Kopfe auf.
Dieser Kopf ist demnach saftig gefüllt. Alle saftigen Pflanzen
faulen aber, wenn sie eine unpassende Decke erhalten, können
dagegen gut durch den Winter kommen, wenn die Decke luftig ist.
Auch hier bedeckt man weniger gegen Kälte, denn diese dringt
ja doch durch, als gegen die Schädigung durch Witterung bei
Safteiutritt. Eine Fichtenzweigdecke zum Beispiel hält von
der Pflanze ab: Rohreif und Eisbildung und die zu früh er¬
scheinende Sonne, und damit wird vorzeitiges Austreiben
verhindert. Ausserdem zeigt eine Fichtennadeldecke einen grossen
Nutzen noch dadurch, dass die Ausdünstung der Nadeln =
der Harzgeruch = eine angenehme Wirkung aut die Pflanzen
ausübt. — Laub- und Stroh-Decke ist völlig falsch. Warne
Jeden davor!
Nun zum Resume:
Eine dünne Düngerdecke im Oktober oder November
bezweckt
1. längeres Wachstum der Pflanzen im Herbste. Dieses be¬
dingt bessere Stoffaufspeicherung im Kopfe derselben.
2 . Verzögerung zu frühen, also schädlich auftretenden Wachstums,
3. bessere Blüte in besserer Temperatur
4. und besseren Fruchtertrag.
Die Erdbeeren, welche im Winter ganz frisch grün bleiben
sollen, würden wenig Früchte tragen.
Grund: Keine Ruheperiode. Ohne Ruhe keine Kraft
zum Neutriebe. Also solche Pflanzen sind gar nicht erwünscht.
W. O. Rother
Kultur der Wermut pflanze.
In den ländlichen Küchengärten, schreibt der „Rheinische
Gartenfreund“, land sich in früheren Jahren ein grösserer Schatz ß
medizinischer Kräuter und mag das Verschwinden derselben in
unserer Zeit damit Zusammenhängen, dass in der Medizin selbst
mehr oder wenig davon Gebrauch gemacht wird; die Einführung
der Alkaloide in die Behandlung des menschlichen und tierischen
Organismus hat dieselben eben vielfach verdrängt.
Und doch dürften wir mit Recht noch eine grössere Zahl
derselben im Garten halten, kultivieren brauchen wir sie eigentlich
gar nicht; sie wachsen ohne jede Pflege. Zu diesen Pflanzen
zähle ich in erster Reihe die Wermutpflanze, die ihrer aro¬
matischen Eigenschaften wegen neben der Pfefferminze, Kamille
und dem Tausendgüldenkraut unbedingt im Bauerngarten gefunden
werden sollte, welche überhaupt noch von Apotheken un d Droguen-
geschäften gekauft wird. Der gemeine oder ächte Wermut,
Reifuss, Absinth, auch Aisei genannt: Artemisia Absinthium L.,
ist ein ursprünglich rein südeuropäisches Gewächs, welches sich
jedoch heute vielfach auch bei uns an Zäunen, unbebauten
Plätzen etc. verwildert findet. Der Bedarf an Wermutkraut ist in
gewissen Ländern noch ein sehr ansehnlicher, so dass er dort
keineswegs durch die zwar hier und da in Bauerngärten in
geringer Zahl vorkommenden Pflanzen gedeckt werden kann.
Die Apotheken und Droguerien beziehen deswegen denselben
aus südlichen Ländern und nimmt er dort mit trockenen sterilen
Böden, die dem vollen Sonnenbrände ausgesetzt sind, vorlieb.
da:
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