Erfurter
Unterhaltende Blätter
oder -Wahrheit und Dichtung aus der Blumen-
und Pflanzenwelt.
No. 1. Beilage zur Erfurter illustrierten Gartenzeitung. 1890.
Erscheint am 10. eines jeden Monats.
Druck und Verlag von J. Frohberger in Erfurt.
Die „Unterhaltenden Blätter“ bringen allerlei Erzählungen, interessante Mitteilungen, Gedichte,
Sagen und Märchen aus der Blumen- und Pflanzenwelt, sind bestimmt .den Leser mit der ästhetischen Seite des
Pflanzenreiches und des Gartenbaues vertraut zu machen und zu seiner Unterhaltung zu dienen.
Lob der Levkoye.
Tönet Saiten meiner Leier
Klinget lieblich, hell und klar!
Um zu preisen Dich , Levkoye“,
Die beim Sang vergessen war.
Nicht das Lob der Bose schmälern
Will ich, sie bleib’ Königin;
Fürstin soll die Nelke heissen.
Denn so hoch fährt nicht Dein Sinn;
Doch dem Veilchen still bescheiden,
Sollst Du gern zur Seite stehn,
Und der Fraueti sollst Du gleichen,
Die im Hause, schlicht und schön,
Webet an dem stillen Glücke,
Ihres Zieles sich bewusst,
Schallet, wirket, im Erfreuen
And’rer findet ihre Lust;
Hergeht schlicht und rein gekleidet,
Achtend Putz i)nd Tand gering,
Lüstern nie nach Gold, Geschmeide,
Stolz doch hütet ihren Ring
An dem Finger, weil die Treue
Ihr als höchstes Kleinod gilt,
Die wenn sie vor’m Spiegel stehet
Sucht nach ihrer Tugend Bild.
Gerne flieht der Welt Geräusche,
Glücklich an des Gatten Arm
Wandelt durch die grünen Fluren
Froh umringt vom Kinderschwarm,
Selig lächelt, innig danket
Wenn sieh Alles um sie freut,
Jeden Morgen, jeden Abend
Immer neue Freuden streut.
Mag Amor bei Rosen tändeln
Und an Dir vorübergehn,
Gäsar nach dem Lorbeer geizen
Du ihm gelten minder schön!
Lass sie ziehen ihrer Wege;
Liebe hat nur Wert, wenn Treu
Sich mit ihr recht eng vermählet,
Wenn sie jeden Morgen neu.
Eines Cäsar Stirn zu schmücken,
Bist Du Holde viel zu gut.
Was sind Ehren dieser Erden
Wenn die Hände rauchen Blut?
Blühe froh für Dich im Garten,
Würze süss und mild die Luft.
,.So viel Farben, so viel Tugend,
So viel Freuden als Dein Duft!“
Sag’ es Allen, giebt die Frauen
Die da Lieb’ und Treue hegt,
Und in ihres Hauses Hallen
Neben Gutem, Schönes pflegt!
Darum preis ich Dich Levkoye
Vor manch’ Blümlein auf der Au;
Nicht als Fürstin willst Du gelten
Sondern nur als gute Frau.
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