Ghrysanthomum mit panaehirten Blumen.
Diese neueren Varietäten der so beliebten Pflanzen¬
klasse sind eine Züchtung von Simon Deland in
Saint-Martin-du-Touche bei Toulouse, die derselbe nach
15jährigen sorgfältigst ausgeführten Befruchtungen ge¬
wonnen hat. Sie stellen eine neue Race mit panaehirten,
gestrichelten, gestreiften Blumen mit hervortretender
Mittelfarbe dar und werden ohne Zweifel bei allen
Chrysanlhemumfreunden das grösste Interesse erregen,
da sie etwas ganz apartes, bis jetzt noch nicht vor¬
handenes sind. Die kräftige Farbe, die lebhafte Pana-
schüre unterscheiden sie von den andern Racen und sind
das Entzücken des Liebhabers.
Nachstehende 2 Varietäten sind dem Comitö der
französischen Chrysanthemumfreunde in Lyon vorgeführt
worden und haben Werthzeugnisse erhalten:
Coleur rose, — Blumen sehr gross, gefüllt, regel¬
mässig geformt, zurückgebogen, Petalen zusammengerollt,
milchweiss, Mitte malvenfarbig, 10 cm creit und die
Hälfte der Blume bedeckend, lür Nah- und Fernwirkung
gleich gut.
Amilie de l’Agriculture nouvelle. — Blumen sehr
gross, bis 30 ctm Durchmesser, Petalen sehr lang, nach
aussen geneigt, öffnen sich leicht, Chromgelb, karmoisin-
roth, gestreift und stark gestrichelt, Mitte ziegelroth, die
Blüthe dauert zwei Wochen länger als bei den anderen
Varietäten und wird immer schöner, sie durchläuft die
verschiedenen Phasen der echten japanesischen Form.
Unter anderen panaehirten Varietäten sind zu nennen:
Panachö de Delaux, Madame Gaston Morin, Marie Vais-
sier, Coocordia du Luxembourg, Charlotte Palrolin,
Madame W.-J-Budde.
P. Jung, Revue horticole.
Der Löwenzahn auch Butterblume.
Eine Gemüsepflanze par excellence.
Die Gartenfreunde werden mit gemischten Gefühlen
diese Ueberschrifl betrachten; die einen sagen sich: »Da
wird wieder einmal für eine werthvolle Neuheit Reclame
gemacht, um sie desto schneller wieder der Vergessen¬
heit zu überliefern.« Diejenigen aber haben recht, die
vermuthen, dass vielleicht die Aufmerksamkeit auf eine
alte bekannte Pflanze gebracht werden soll, die es werth •
ist, in jedem Garten ein Plätzchen zu finden.
Ich erinnere mich noch ganz deutlich aus meiner
Lehrzeit, wo wir im Sommer oft auf die Wiesen ge¬
schickt wurden, um Keltenblumensamen zu sammeln.
»Ja, was sind Kettenblumen?« wird der Leser fragen;
ich meine mtt dieser Bezeichuung Leontodon taraxacum,
allgemein unter dem Namen »Löwenzahn« bekannt. Der
Löwenzahn, eine Gemüsepflanze par excellence! klingt
das nicht fast unglaublich — und doch ist es wahr, und
möchte ich durch diese Zeilen gern dazu beitragen, dem
Löwenzahn die weiteste Verbreitung zuzusichern. Jeder,
der gleich mir die mannigfachen Vorzüge dieser Gemüse¬
pflanzen schon kennen zu lernen Gelegenheit batte, wird
mir recht geben müssen, wenn ich behaupte, dass wir
in unseren Gärten leider viele Gemüse noch anbauen,
die nicht annähernd so genügsam und anspruchlos, so
fördernd tür die Gesundheit und so dankbar für die ge¬
ringste Pflege sind, wie Leontodon taraxacum.
Ich lernte den Werth dieser Pflanze als Gemüse
in der französischen Schweiz kennen, wo sie wie auch
in Frankreich schon vielfach angebaut wird.
Die Cultur ist sehr einfach. Der Samen wird Ende
Juli oder Anfang August auf ein gut gedüngtes Garten¬
beet in Reihen ausgesät. Ich gebe der Reihensaat bei
Löwenzahn und anderen Culturen, z. R. bei Endivien,
entschieden den Vorzug; einmal geht, namentlich wenn
man dünn sät, weniger Samen verloren, dann sieht das
Beet ordentlicher aus, kann von Unkraut immer leicht
sauber gehalten und fleissig gehackt werden und, was
wohl ein Hauptpunkt ist: Löwenzahn ist äusserst dank¬
bar für flüssigen Dünger, und kann dieser jederzeit, ohne
die Pflanzen zu beschmutzen, gegeben werden, indem
man zwischen den Reihen flache Gräben zieht und
dahinein die Jauche schüttet. Die Sämlinge gedeihen
bei einiger Aufmerksamkeit ausserordentlich üppig und
können früher geschnitten, werden, als gleichzeitig aus¬
gesäte Salatsorlen. Der Löwenzahnsalat ist sehr gut
und schmackhaft und wirkt sehr blutreinigend; daher
kommt es auch, dass Leontodon taraxacum zu den Heil¬
pflanzen gezählt wird. Im Frühjahre wächst die Pflanze
ausserordentlich schnell und kann fast allwöchentlich ge¬
schnitten werden. Löwenzahn hat übrigens noch die
schälzenswerthen Vorzüge, dass er nicht erfriert, wie
z. B. Endivien, und auch sozusagen gar nicht von Un¬
geziefer befallen wird. Auch lässt sich Löwenzahn sehr
leicht verpflanzen, ohne einen Stillstand im Wacbsthum
zu erleiden.
In Frankreich und auch in der französischen Schweiz
werden die Löwenzahnwurzeln im Herbste oder bei
schneefreier Witterung mitten im Winter ausgegraben,
in Kisten mit guter Erde gepflanzt und dann an einen
warmen Ort (z. B. in den Stall) gebracht, worauf sie
prächtig weitergedeihen und einen feinen Salat liefern.
Rheio. Gartenfreund.
Aus dem Palmengarten.
Wer jetzt dem Palmengarten einen Besuch ab-
statlet, findet wieder eine Menge schöner und interes¬
santer Erscheinungen, wie sie die Jahreszeit gerade
bietet, und neben den Gewächshäusern ist es besonders
das Blumenparlerre, welches in vollstem Schmucke
prangt und durch die Abwechslung in dem dabei ver¬
wendeten Pflanzenmaterial einen grossen Genuss ge¬
währt. Im vergangenen Jahre wurde die Anordnung der
Beete geändert und. es ist nicht zu leugnen, dass sich
das Parterre in seiner neuen Gestalt recht vortheilhaft
präsentirt, da dirauf Gewicht gelegt wurde, den Rasen¬
grund zu vergrössern, ohne den Raum für die Blumen¬
beete zu verringern. Die Bepflanzung selbst ist mit der
gewohnten Sorgfalt ausgefübrt und die Zusammen¬
stellung der Farben vorzüglich gelungen. — Alles be-
findet sich in wunderbarer Entwickelung. Gleich beim
Eintritt sehen wir schöne lachsfarbene Pelargonien, eine
Züchtung des Gartens, ihnen schliesst sich das weiss-
bunle Arundo Donax an und weissblühende Matricaria
eximia nana fl. pl. bilden den Schluss der vorderen
Linie. Auf den Beeten der Längsseite sind die reichblühen*
den gelben Calceolaria rugosa »Triomphe de Versailles«
eine sehr empfehlenswerihe alte Pflanze, die prachtvolle
leuchtend zinnoberrothe Begonie »Graf Zeppelin«, die
karminrothe Begonia hybrida»Corbeille de feu« ausge¬
pflanzt, die Candelabergruppen zieren gefüllt blühende
Pelargonien, als Gartendirector Sieberl leuchtend zinnober-
roth, Dr. Faust rosa und Guilio Mangili carminviolett.
Auf der oberen Querseite blühen prachtvolle Petunia
hybrida grandiflora superbissima »Prinz- und Prinzessin
von Württemberg« und die dunkelrothe Begonia Davisii
fl. pl. Sehr schön in der Farbenzusammenstellung ist
der innere Th eil des grossen Blumenparterres und
äusserst mannigfaltig sind die dabei verwendeten Pflanzen.
Blühende und Blattpflanzen wechseln in angenehmer
Weise ab und vereinigen sich zu einem harmonischen
Bilde. Gut in der Wirkung sind besonders die Streifen