2
zukommen, andere Botaniker dagegen in den so zahlreichen botanischen
Provinzialvereinen ihre Befriedigung finden.
Wie förderlich aber eine Besprechung von Fachgenossen ist, welche
unter verschiedenen Verhältnissen wirken und in der Lage sind, noch
wenig bekannte Objecte vorzuführen, brauche ich nicht auseinanderzusetzen.
Den in der Großstadt lebenden und an großen botanischen Instituten
wirkenden Botanikern bietet sich solche Gelegenheit zur Belehrung von
selbst öfter dar, als den an kleinen Orten lebenden Gelehrten. Es fehlt
nicht an Beispielen von solchen, welche in einem engeren Forschungs¬
gebiet sich eine gewisse Suprematie erwarben und einen bedeutenden,
wenn auch einseitigen Erfolg erzielten; aber für die Mehrzahl der an
kleineren Orten wirkenden Gelehrten ist es sicher vorteilhaft, dass sie
häufiger Versammlungen besuchen, in denen, wie von uns erstrebt, reich¬
lich Demonstrationen und abgerundete, wissenschaftliche Ergebnisse zu¬
sammenfassende Vorträge dargeboten werden. Doch auch die unter an¬
genehmen Verhältnissen in wissenschaftlichen Centren wirkenden Bota¬
niker werden von solchen Zusammenkünften Vorteil haben, wenn damit
Excursionen in pflanzengeographisch interessante Gegenden verbunden
werden.
In der Erforschung der heimischen Flora haben die deutschen
Botaniker denen anderer Länder nicht nachgestanden und seit Alexander
von Humboldt haben Forschungsreisende deutscher Herkunft einen hervor¬
ragenden Anteil gehabt an der Entwicklung der Pflanzenkenntnis; aber
nie haben in kurzem Zeitraum deutsche Botaniker so viel zur Erforschung
der Flora anderer Erdteile beigetragen, als in den letzten 20 Jahren, und
nie ist, bei uns ebenso wie in anderen Culturstaaten, das Interesse an
der Pflanzenwelt fremder Gebiete in ihrer Gesamtheit ein so verbreitetes
gewesen, wie gegenwärtig. So sehr auch die fortschreitende Cultur unsere
einheimische Pflanzenwelt schädigt und die Colonisierung überseeischer
Gebiete auch dort die ursprüngliche Vegetation beeinträchtigt oder gar
vernichtet, so sind es doch anderseits wieder die rapid sich entwickeln¬
den Verkehrsmittel der Neuzeit und auch die Bedürfnisse der vordringen¬
den Cultur, welche den Botanikern die in solchem Grade noch nie da¬
gewesene Gelegenheit geben, verschiedene Florengebiete mehr oder weniger
gründlich kennen zu lernen, die in denselben die Pflanzenwelt beherrschen¬
den Bedingungen zu beobachten und durch Ermittelung neuer Pflanzen¬
typen immer mehr zum Ausbau des natürlichen Pflanzensystems beizu¬
tragen, wenn auch dabei die Erwartungen auf Bindeglieder zwischen
den schärfer geschiedenen Stämmen und Familien des Pflanzenreiches
nicht erfüllt werden und manches phylogenetische Kartenhaus zusammen¬
fällt. Es ist unsere Pflicht, diese zur Erweiterung unserer Pflanzen¬
kenntnis gebotenen Gelegenheiten so viel als möglich auszunutzen, so¬
lange es noch Zeit ist, solange noch die ursprünglichen Vegelaüons-