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in den Monaten Juni bis August eine überaus farbenprächtige
und artenreiche Vegetation hervorzaubern. Man findet hier
auf verhältnismässig engbegrenztem Räume fast alle wichtig¬
eren Vertreter der Dolomitenflora, nebst manchen sonst in
diesem Gebiete fehlenden Raritäten, wie z. B. der G e n t i a n a
nana und andere mehr. Edel weiss gedeiht z. Z. noch
in Menge in nächster Umgebung der Hütte, bedarf aber bei
dem lebhaften Touristenverkehr besonderen Schutzes, um
nicht der Ausrottung oder wenigstens starker Dezimierung
anheim zu fallen. Ein besonderer Schmuck der Felsblöcke
und Schrofen ist die Potentilla nitida. Primula longi-
flora habe sich noch nie so üppig und massenhaft gefunden,
als auf den Matten gegen den 1 e i 11 e r k o f e 1 zu. i'apaver
pyrenaicum findet sich im Geröll an mehreren Stellen
am Peitlerkofel und in der Geisslergruppe.
Rhododendron hirsutum ist mehr auf der Vil 1 n öscr
Seite und jenseits der Lüsener Scharte gegen die Plose
zu vorherrschend, während Rh. ferrugineum auf den
Hängen gegen Campill zu ganze Wälder bilde?. Prächtige
Zirben finden sich am Wege von Villnös herauf und unter
den Geisslei-spitzen, auch nach der Plose zu, wo auch die
Atragene alpina ganze Büsche von Knieholz mit ihren
herrlichen Blütenranken überspannt.
Die Alpenmatten um den Peitlerkofel herum sind
reich bestellt mit Papilionaceen, Hieracien, Pedicularis-
Arten, Gentianen u. s. w. Pulsatilla alpina (gelb
blühend) unct vernalis finden sich massenhaft unmittelbar
vor der Hütte. Es würde zu weit führen, alle Vorkommnisse
von Bedeutung einzeln aufzuführen. Besonders ergiebige
Fundorte sind der oberste Talboden des Vi 1 In östales,
ferner die Hänge jenseits des aus Tonschiefer und Muschel¬
kalk bestehenden S o b u t s ch r ü ck e n s am Wege nach der
la Roa-Scharte, das hinterste Cislestal, die Alpenmatten
und sumpfigen Wiesen auf der Campiller Seite, sowie die
Geröllhalden am Peitlerkofel und jenseits der Lüsener
Scharte, wo hauptsächlich die Vertreter der Saxifraga-
und Draba-Arten ihre Heimstätten haben.
Es würde sich bei der Schlüterhütte mit Leichtigkeit
und ohne allzugrosse Kosten ein alpiner Pflanzengarten an¬
legen lassen, ein Gedanke, den ich hiermit wiederholt freund¬
lichen Erwägung anheim geben möchte. Nicht leicht eine
andere Oertlichkeit würde sich speziell in diesem Gebiete
so vorzüglich zur Schaffung einer derartigen Anlage eignen
wie die Umgebung der Franz Schlüterhütte.