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Ansiedler auf fremdartigen Substraten aus der Pflanzenwelt
Pfarrer Prenschoff-Tannsee.
Es ist allbekannt, dass die Samen mancher Pflanzen, abgesehen von den
eigentlichen Parasiten, sei es durch den Wind, sei es durch Vögel oder durch
noch andere Ursachen, vom Erdboden weg durch die Luft getragen werden
und so auf Substrate gerathen, die sonst ihrer Natur fremd sind, wo sie aber
doch, falls sie nur irgend welche günstige Lebensbedingungen antreffen, keimen,
sich weiter entwickeln, sogar blühen und Früchte tragen. So sehen wir hoch
oben auf alten Mauern, Thürmen, Dächern und Bäumen dergleichen Ansiedler
und zwar nicht immer bloss dürftige Gräser und Kräuter, sondern mitunter
ganz ansehnliche Sträucher und selbst Bäume. Es dürfte sich belohnen, ein¬
mal zu beobachten, welche Pflanzen in dieser Weise vorkommen, was meines
Wissens noch nicht geschehen ist; dabei möchte sich gewiss ein ganz inter¬
essantes Resultat ergeben. Ich habe im Gr. Marienburger Werder und den
angrenzenden Distrikten bis jetzt 49 Arten solcher Ansiedler beobachtet, von
denen die unten genannten Farnkräuter augenscheinlich von sehr weit herge¬
kommen sind, da sie sonst auf ihren naturgemässen Standorten im mehre
Meilen weiten Umkreise nicht vorkommen. Es bilden hierherum namentlich die
vielen alten, oft geköpften und darum dickköpfigen, vielfach morschen und zer¬
klüfteten Weiden (Sali.): alba und fragili») das Substrat. Ich erlaube mir,
nachstehend eine Aufzählung aller von mir beobachteten Ansiedler zu geben,
wobei ich bemerke, dass, soweit nicht ein anderer Standort angegeben ist, sie
sämmtlich auf Salix vorkommen.
Chelidonium majus, Elbing bei Wein-
grundforst, Tiegcnhagen.
Sisym brium arenom m.
Sis. terrestre.
Ca.psella bwsa pastoris.
Viola tricolor.
Cerantium triviale Lk.
Stellaria media, sehr häufig.
Lychnis alba.
Medicago IupuIina.
Trifolium, repem.
Sedum acre auf einem Dache in Neu¬
teich in grosser Menge.
Ribes Grosmlaria, hin und wieder.
Ribes rubrum, wie vorige, in der Nähe
der Dörfer.