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Mitteilungen der Dendrologischen Gesellschaft.
tragen. Neben manchem für die Kultur Unbrauchbaren oder Nebensächlichen
bieli auch manches Schöne oder für den Liebhaber Wertvolle seinen Einzug i"
die Gärten.
Wenn ich nun speziell den russischen fernen Osten im Auge behalte, so
ist es in erster Linie der Erforscher der Mandschurei und Kamtschatkas, Herr
\Y. Komarow, dem wir den größten und wertvollsten Beitrag verdanken, und
in zweiter Reihe der vor wenigen Jahren verstorbene Oberforstmeister N. Pal-
czewski, der in den Jahren 1905-1906 für unsere Firma sammelte.
Um gleichartige und verwandte Pflanzen übersichtlich miteinander behandeln
zu können, möchte ich sie nicht pflanzengeographisch, sondern familienweise,
nach dem System von Engler-Prantl geordnet besprechen, ohne jedoch für Pflanzen
derselben Gattung eine strenge Reihenfolge einzuhalten.
Die vom Kaiserlichen Botanischen Garten durch Herrn W. Komarow u. a.
eingeführten Arten will ich in nachstehenden Zeilen mit einem Sternchen (*)
bezeichnen, die von der Firma Dr. E. Regel & J. Kesselring (Herren N. Pal-
ozewski, N. Swinjin, N. [wanitzki u. a.) eingeführten mit einem Kreuz (f)- Wo
kein Zeichen vermerkt ist, fehlen mir genauere Daten. * f bedeutet vom
Kaiserlichen Botanischen Garten eingeführt, wieder aus der Kultur verschwunden
und von unserer Firma von neuem eingeführt. Um Wiederholungen zu vermeiden,
sei kurz gesagt, daß alle erwähnten Arten, wo nichts anderes vermerkt ist, in
Petersburg völlig winterhart zu nennen sind.
Für Bestimmung vieler ostasiatischer Arten bin ich Herrn W. Komarow
zu großem Dank verpflichtet.
Einige interessante Farnarten haben uns die Gefäßkryptogamen der Man¬
dschurei geliefert, meist von Herrn Palczewski eingeführt.
Ullter den für feuchte Felsen geeigneten Farnen seien genannt die kleinen
IfWoodsia alpma Gray major Maxim.. | W. ilvensis R. Br. major Maxim, beide
von den korrespondierenden europäischen Formen durch üppigeren Wuchs ver¬
schieden, die empfindliche f Woodsia manchuriensis Hook., die mir leider wieder
einging, alsdann f Microlepia Wilfordi Moore, ein zierliches, hellgrün belaubtes,
an feuchten, häufig quelligen Felsen wachsendes Farnkraut.
Äußerst interessant, wenn auch schwierig zu kultivieren ist f Scolo ~
pendnum{Camptosorus) sibiricum (Rupr.) Hook., eine im Vergleich zu S. (Campto-
sorus) rhizophMum (L.) Hook, sehr kleine Art, die in der Mandschurei an den
INordliangen feuchter Felsen vorkommt. Mir ging sie ein, doch in England,
wohin ich sie sandte, hielt sie sich, wenigstens wird sie von der Firma F. Smith
in Newry angeboten.
■f Polypodium lineare Thunb. wollte sich ebensowenig akklimatisieren.
Als Felsenbewohner sei an dieser Stelle auch die dichte Polster bildende
mandschurische Form von fSelaginella rupestris Spring, erwähnt die jedoch in
1 etersburg ebenso empfindlich ist, wie die mehr lockerrasige amerikanische.
^ Von größeren Arten seien vor allen Dingen genannt: f Polystichum tripterurri
J. Sin., ausgezeichnet durch das am Grunde in drei Zweige geteilte Blatt, von
denen der mittlere der längste, die beiden seitlichen, horizontal abstehenden viel
kurzer sind. Die von Textur dünnen Blätter sind hellgrün und rufen durch ihre
eigenartige Teiluns den Gedanken wach, man habe irgend eine monströse Garten-
rorm vorsieh, während es doch eine in Japan und der Mandschurei einheimische
Art ist die, wie auch Microlepia, quelligen Boden beansprucht. Unter ähn¬
lichen Bedingungen gedeiht f Polystichum craspedosorum Diels, das sich jedoch
nicht dauernd akklimatisieren wollte. Für feuchte Plätze sei auch die unter¬
brochen gefederte Onoclea sensibüis L. interrupla Maxim, genannt, die im übrigen
der amerikanischen Form ähnelt, aber röter austreibt.
Das mandschurische } Adwntum pedatum L. ist etwas zierlicher als das
amerikanische, ebenso f Struthioptens germanica Willd., doch treten diese Unter¬
schiede erst zutage, wenn die einander korrespondierenden Formen neben¬
einander stehen.