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Senats eröffnet worden, und am 1. Juni Morgens strömten
Tausende hinaus um zu sehen, was geschaffen worden ist.
Ich glaube die Leser wird es interessiren, und erlaube
mir deshalb zuvor von der Abtheilung Gartenbau abzuschweifen
um ein kleines Bild von der Ausstellung entrollen zu können.
Der Ausstellungsplatz, welcher in der Nähe vom Bahnhofe
liegt, gleicht mit seinen Riesenbauten, Thürmen, altdeutschen
Häusern, nicht einem Ausstellungsplatz, sondern gleicht mehr
einer Stadt; denn die vielen Bauten, welche theils zu Aus-
stellungs-, theils zu Wirthschaftszwecken dienen, sind so kunst¬
voll aus Holz geschaffen, dass man denkt, es wären massive
Prunkschlösser. Ja, die Maler haben es verstanden, mit Farbe
und Pinsel es so zu schaffen, als wären es in der That massive
Mauern. — Grossartiger lässt sich kaum eine Ausstellung
denken; durch die rege Betheilung der Aussteller aus allen
Zweigen ist Grosses entstanden. Die Kaufmannschaft von
Bremen ist mit allen denkbaren Handelsartikeln in- und aus¬
ländischer Erzeugnisse vertreten. Grossartig ist die Marine¬
abtheilung, diese ist noch niemals auf einer Ausstellung zur
Schau geführt worden und kann Bremen sich dieses als ein
Verdienst anrechnen. Wir finden hier Schiffahrt, Handel,
Gewerbe und malerische Kunst. Was den Ausstellungsplatz
anbetrifft, hätte man auch keinen besseren schaffen können,
als den in der Mitte einer jugendlichen im besten Wachsthum
stehenden Anlage gelegenen Platz. Es ist dies der Bürgerpark
von Bremen, eine schöne, grosse Anlage im Alter von 25 Jahren,
welche von dem bekannten Gartenarchitecten Herrn Benque
geschaffen wurde. An der Ausstellung betheiligten sich nur
Bremen, das Grossherzogthum Oldenburg und die Provinz
Hannover. Da ich hoffe, dass dieses genügen wird, um sich
einen kleinen Begriff von der Ausstellung zu machen, will ich
nicht mehr weiter von unserm Hauptinteresse abschweifen,
sondern nur noch Jedem, welcher nicht zu weit entfernt ist,
empfehlen sich die Ausstellung anzusehen, zumal den ganzen
Sommer hindurch sich Gärtnerisches im Freien vorfindet, und
auch noch zu verschiedenen Zeiten, als am 18. Juli und
25. August eine Binderei- und Pflanzenausstellung in über¬
dachten Räumen stattfindet, der Eintrittspreis beträgt nur
1 Mk. Die Besichtigung nimmt gut einen Tag in Anspruch,
für Verpflegung braucht man keine Sorge zu tragen, man
erhält Essen zu den billigsten Preisen an einigen Stellen,
welche einem von den Aufsehern auf dem Platze gern nach¬
gewiesen werden.
Schreiten wir nun zur Abtheilung des Gartenbaues, so
finden wir, dass diese vor allen andern Abtheilungen sehr reich
beschickt ist, so dass nur das Beste hier erwähnt werden kann.
Man eilt gewöhnlich zuerst nach der Binderei-Abtheilung, hier
strömt ja Alles her, hier wird ja nur die Kunst bewundert,
und wie von Jahr zu Jahr immer wieder Anderes und
Schöneres geschaffen wird. Es ist nur zu bedauern, dass
diese schönen Arbeiten zu schnell verwelken. Es rangen alte
und junge Firmen um den Siegerpreis, mit Ausnahme weniger
Firmen traten alle in den Wettbewerb und hatten einige
Stücke als Programmnummern verzeichnet. Die Aufstellung
der Schaustücke war bei jedem Aussteller schön zu nennen,
die meisten hatten den Hintergrund mit besonderen Stoffen
geschmückt. Grau hatten gewählt die Firmrn Borcherding,
Kiepart, Tönnies und Kroul, letzterer hatte noch
zur Verzierung 3 broncirte Palmenwedel angebracht, welche
sich sehr schön ausnahmen. Braunrothen Stoff hatten Zänker
& Tietjen, während C. K o m m e r einen Baldachin von
schwarzem Tuch gewählt hatte und von dem vorne ein 80 cm.
langer Streifen schwarzen Sammets mit Goldtressen herunter
hing; da der Baldachin auch noch gerade den Mittelpunkt
bildete, so war er sehr auffallend. E. K i e p hatte
einen Pavillon aus Borke hergestelit, nur der Platz schien
nicht dafür geeignet zu sein. Die übrigen Aussteller hatten
mit ihren Sachen auf den Ausstellungstischen Platz genommen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Gartenwerkzeuge auf der Gartenbau-
Ausstellung in Berlin.
Wie man in den gärtnerischen Culturen grosse Fortschritte
auf der Ausstellung wahrnehmen konnte, war es auch bezüglich
der Vervollkommnung und Verbesserung unserer mannigfachen
Werkzeuge der Fall.
An Neuheiten waren vertreten:
Meyer- Görlitz: eine doppelschneidige Stangenscheere,
also eine Scheere, die von oben nach unten und umgekehrt
schneidet, ferner sehr schöne Spritzen, das Beste was ent¬
schieden bis jetzt als deutsches Fabrikat geliefert wurde; ganz
aus Messing, der Stempel aus Stahl gearbeitet. Die Ver¬
besserung von Heckenscheeren könnte man eher eine Ver¬
schlechterung nennen, da dieselbe eine schrecklich ungeschickte
Form durch die grossen Bügel empfangen hat, im übrigen
hatte Meyer eine sehr schöne Collection Schneidewerkzeuge
als Messer und Scheeren eigenen Fabrikats ausgestellt, welche
jedoch nichts Neues boten.
Butter- Bautzen hatte einen neuen Obstpflücker, welcher
den Vortheil hat, dass er eine ovale Form besitzt und man dadurch
in den Bäumen die Früchte bequem reichen kann; den
neuen Rasensprenger führt Ad. Schmidt Nachf. Berlin
schon ziemlich 8 Jahre, er ist eine amerikanische Erfindung,
dieselbe ist einfach und schön, für das wenige Material jedoch
immer noch zu theuer (5 Mk,), die übrige Collection von Butter
war sehr reichhaltig und gut.
Was dieGeräthevonLudwigMöller-Erfurtanbetrifft,
so waren dieselben, wenigstens die am Eingänge in der Maschinen¬
halle auf dem Tische lagen, nicht gerade Ausstellungsexemplare,
alles verrostet und unansehnlich, mir imponirten seine prächtigen
aber sehr thenren Rasensprenger. Eine Neuerung an der
Brill’schen Rasenmähmaschine ist wohl das Aufsetzen des
grossen Rades um Rasenkanten zu schneiden, auf den ersten
Blick ganz praktisch, ob es sich jedoch für die Maschine be¬
währen wird, bezweifle ich sehr, denn dadurch kommt das
Getriebe doch in ungleiche Bewegung, und die eine Seite
wird schneller klapperig wie die andere.
Herr C. Kunath - Dresden hatte eine neue zweischneidige
Scheere, welche eine ganz vorzüglich schöne Form und guten
Anschlag hat, und bis auf */* cm. abgeschliffen werden kann.
Ferner hatte Herr K. ein neues Copulirmesser Modell „Wild¬
park“, welches durch seine schiefe Klingenstellung eine recht
gefl. Form hat, ob sich die rothen Celluloidschalen bewähren,
muss man erst ab warten.
Was die Ausstellung von R. K i r s ch n e r - Solingen
betrifft, so waren seine ciselirten Schneider- und Geflügel-
scheeren etc. sehr schön, gehörten aber auf keine Gartenbau¬
ausstellung, die Baumscheeren hatten geradezu Unformen und
bestachen nur durch die schöne Vernickelung.
In fahrbaren Spritzen und Druckpumpen etc. hatte
Ahlisch & Co., Berlin sehr gut ausgestellt. Tonnenkipp-
karren waren sehr gut von T e s s n o w - Berlin.
Ad. Schmidt Nachf. Berlin hatte einen neuen
Rasenmäher „Royal“ mit 5 Messern ausgestellt, eine ganz vor¬
zügliche Maschine, wohl das beste der Maschinen bis jetzt ohne
Walze; „Excelsior“ hat jetzt 4 Messer. Von Baumscheeren
war eine schöne Collection da, ohne sichtbare Federn, welche
früher schon in Steglitz ausgestellt und sich rasch Eingang
verschafft haben, an den englischen Gartenspritzen fand die
„Stones Patent“ allgemeinen Beifall, es ist dies eine Neuerung
am Kolben, wodurch derselbe vermittelst einer Schraube enger
und weiter gestellt werden kann, das lästige Umwickeln mit
Werk fällt dadurch weg. Ferner hatte die Firma gegen 200
verschiedene Sorten Messer und ebenso viele andere Garten-
geräthe ausgestellt.
Berlin. A. Leonhard.
Einführung eines Schutzzolles auf gärtnerische
Erzeugnisse.
In der während der grossen Gartenbauansstelllung statt¬
gefundenen öffentlichen Versammlung von Gärtnern unter
Leitung des Vorstandes des Verbandes der Handelsgärtner
Deutschlands, die von ungefähr 1000 Personen besucht
war, bildete einen Hauptgegenstand der Verhandlungen
die Schutzzollfrage. Von den Berliner Gartenbauvereinen
angeregt, wurde von Herrn v. d. S m i s s e n - Steglitz die
Nothwendigkeit der Einfülirung eines Zolles auf ausländische
gärtnerische Erzeugnisse klargelegt und dadurch begründet,
dass die hiesigen Handelsgärtner durchaus nicht mit den aus¬
ländischen, durch das Klima begünstigten Gärtnern in Wett¬
bewerb treten können und unsere deutsche Handelsgärtnerei
unter dem Drucke der ausländischen Erzeugnisse zu Grunde
gehen müsse.