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Leuten, die für sich daraus Nutzen ziehen, um dem
Verbände hinterher zu schaden.
Drum auf mit frohem Muth und neuen Hoffnungen
nach Bonn a./Rh.
Zeitgemässe Betrachtungen.
Nachstehender Beschluss des Cölner Gartenbau-Vereins,
der mir von befreundeter Seite dieser Tage zugestellt wurde
wird wohl für noch weitere Kreise von Interesse sein:
„Im Cölner Gartenbau-Verein legte der Vorsitzende
den Entwurf einer Petition an den Reichstag vor in
der Angelegenheit der Sonntagsruhe. Der Verein
bittet den hohen Reichstag, dass die Bestimmungen
des § 105 b auf Gärtnereibetriebe und Blumen¬
handlungen keine Anwendung finden möchten. In
der Begründung wurde darauf hingewiesen, dass die
Sonntagsarbeit durch den regelmässigen Fortgang der
Betriebe geboten sei, da die Arbeiten des Gärtners
ihrer Natur nach eine Unterbrechung oder einen
Aufschub garnicht gestatteten. Zu diesen Arbeiten
gehören Heizen, Lüften, Schattiren der Gewächs¬
häuser, Giessen, Spritzen, Schneiden und Verarbeiten
der Blumen. Die Gärtnerei sei, wie kein anderes
Gewerbe den verschiedensten unvorhergesehenen Zu¬
fälligkeiten ausgesetzt. Von der Pflege der Pflanzen
und Blumen hänge die Lebensfrage des Gärtners ab.
Die Blumen müssten, sobald sie blühen, geschnitten
und verarbeitet werden, da sie sonst die Frucht
Monate langer Arbeit, verdürben. Gerade an Sonn¬
tagen sei der Bedarf an Blumen für alle Zwecke sehr
gross. Die Einnahmen an den etwa 60 Sonntagen
und Feiertagen bilde eine Hauptquelle, auf die der
Gärtner nicht verzichten könne u. s. w. Die Ver¬
sammlung erklärte sich mit der Petition einver¬
standen. Die in Cöln wohnenden Reichstagsab¬
geordneten sollen über die Gründe persönlich auf¬
geklärt und die Rheinischen Vereine zum Beitritt
ersucht werden.“
Ich gestatte mir nun an dieser Stelle zu bemerken, dass
dieser Petition an den Reichstag bezügl. § 105b nichts im
Wege stehen würde, ihr sogar voll und ganz beizupflichten
wäre, wenn die Rechte die man da für das Gärtnergewerbe
beansprucht, nicht zu weit gingen und damit den gewissen¬
losen Blutsaugern unserer Zeit freie Hand verschaffte.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass Arbeiten wie Heizen,
Lüften, Schattiren der Gewächshäuser und Spritzen absolut
nothwendig und auch an den Sonntagen vorzunehmen sind,
doch nicht so das Giessen, wovon man auch in dem Entwurf
zu der in Aussicht gestellten Petition erwähnt. Ich bin in
der Lage, verschiedene bedeutende Finnen angeben zu können,
wo nur in ganz dringendem Xothfalle am Sonntage gegossen
resp. nöthig gewesen wäre. Dort wird stets Sonnabend Nach¬
mittags alles gründlich durchgegossen und bleiben dann die
Sachen ruhig bis zum Montag Morgen stehen, ohne den geringsten
Schaden gelitten zu haben. Doch weiss ich recht gut, dass
verschiedene Firmen Sonnabends garnicht giessen lassen, nur
aus dem Grunde, dass selbiges Sonntags vorgenommen werden
soll, resp. muss und dieses Handeln wird man doch nicht unter¬
stützen wollen. — Man wird aber auch niemals in der Lage
sein, mir auch nur einen einzigen triftigen Grund anführen
zu können, zu Folge dem es unbedingt nothwendig wäre, dass
das Giessen an den Sonntagen vorgenommen wird. Im Uebrigen
sind ansser den oben angegebenen unbedingt nothwendigen
Arbeiten alle ohne Ausnahme an den Sonn- und Feiertagen
einzustellen und die Gärtnereien wie jedes andere Geschäft
zu schliessen. Eine Ausnahme wäre höchstens für Blumen¬
läden zu befürworten, doch absolut nothwendig wäre auch dies
nicht einmal. Ja ich glaube sogar, dass es von Vortheil für
dieselben wäre, indem denn auch dem Blumenhandel auf den
Strassen, der den Läden viel Abbruch thut und der besonders
an den Sonntagen rege betrieben wird, Einhalt gethan würde.
Wissen die Leute einmal, dass Sonntags die Geschäfte alle ge¬
schlossen sind, dann werden sie schon von selbst Tags vorher
ihren Bedarf zu decken snchen.
Es ist in der That ein recht schmutziger Schandflecken
der an der deutschen Gärtnerei haftet, dass man bislang so
wenig Gewicht auf die Heilighaltung des Sonntags gelegt
und dem muss endlich einmal ein Ende gemacht werden. Es
geht schon, wenn man’s nur redlich meint und will. Warum
soll eigentlich unter dem Deckmantel einiger harmlosen und
nothwendiger Arbeiten den Gärtnern das Recht verschafft
werden, wie bisher, so auch weiterhin ganz nach Willkür den
Sonntag, den Tag des Herrn, entheiligen zu können? Bis
jetzt hat man das Gebot Gottes „gedenke, dass du den Sonntag
heiligst“, mit Füssen getreten und doch gilt dies Gebot gerade
so gut für die Gärtner, wie für jede andere Berufsklasse und
warum soll dies schamlose Treiben, über das sich jeder redlich
denkende Mensch aufregen muss, weiter gehen? Wie viele
Gärtnereien lassen sich nachweisen, wo Arbeiten, wie Wege
und Beete reinigen, Erdhaufen umsetzen, Latrinen reinigen
u. s. w. gerade für den Sonntag aufgeschoben werden und dieses
schmutzige Treiben soll unter dem Deckmantel „es hängt
davon die Lebensfrage des Gärtners ab“ ruhig
weiter gehen? Ist es billig und recht, dass dieses der Moral
und guten Sitten zuwider bandelnde Treiben noch weiter
unterstützt wird? Unter dem Schutze des Gesetzes sollen
diese Sonntagsschänder weiter wühlen können? Hoffentlich
wird der Gegenwart ein solches Schauspiel nicht geboten
werden.
Seit Jahren muss man bittere Klagen über gedrückte
Preise, Schleuderconcurrenz, Unreellität u. s. w. hören und
was ist vielfach die Ursache hiervon? Wiederholt ist es an
dieser Stelle nachgewiesen worden, dass jene Schurken es sind,
die ihr Personal vom frühen Morgen bis späten Abend, Sonntags
wie Wochentags bei kargem Lohn zur Arbeit zwingen und
dann hingehen und das Erzeugte um jeden Preis, zum Schaden
der reellen Firmen, verschleudern. Und diesem Treiben will
man noch unter die Arme greifen und sich selbst zum Toten¬
gräber seiner eigenen Existenz machen?
Mögen daher die Gärtner Rheinlands sich über die Sache
klar werden, ehe sie ihren guten Namen zu einem Unternehmen
hergeben, das den Geboten Gottes, das der Moral und den
guten Sitten und auch ihrer eignen Existenz zuwider handelt.
Düsseldorf. P. R i s s a r t jr.
Einführung eines Schutzzolles auf gärtnerische
Erzeugnisse.
(Schluss.)
II. Gemüse. Den n ächsten Punkt der Discussion bilde
das Gemüse und führt der Vorsitzende bei Eröffnung de
Discussion aus, ob ein Zollsatz 10 Mk. pro 100 Kilo auch fü
die verschiedenenKohlarten.ange zeigt sei. Die Herren Haupt
und Moncorps, wie besonders der Herr Vorsitzende sprechen
sich für eine Trennung der Kohlarten: Rothkohl, Weisskohl
und Wirsing, von den übrigen Gemüsen, aus. Nach eingehender
Discussion wird bei der Abstimmung mit 11 gegen 10 Stimmen
als Zollsatz für Rothkohl, Weisskohl und Wirsing 2 Mk. pr,
100 Kilo, für alle anderen Gemüse 10 Mk. pro 100 Kilo an¬
genommen; die Minortität entschied sich für Rothkohl, Weiss¬
kohl und Wirsing für 3 Mk. pro. Kilo.
Herr J a e n i c k e - Pankow theilt mit, dass der Verein
Hamburger Gemüsegärtner ihm geschrieben habe, der genannte
Verein begrüsse die von uns wieder aufgenommeneu Schutz¬
zollbestrebungen aufs Freudigste und stelle, wenn dies er¬
forderlich, einen Beitrag zu den Kosten zur Verfügung.
Herr van derSmissen berichtet, dass der Gartenbau¬
verein für Königsberg i. Pr. ihm ein im gleichen Sinne zu-
stimmmendes Schreiben übersandt habe.
III. Obst, Zum Obst übergehend hebt der Vorsitzende
hervor, dass es angezeigt sein möge, die besonders stark Obst
konsumirenden Gegenden, z. B. Württemberg, zu befragen,
ob der im Entwurf vorgesehene Zollsatz per 100 Kilo 10 Mk.
dort für Aepfel nicht zu hoch erscheine. In der Debatte tritt
Herr Kotte dafür ein, man möge dass getriebene Obst recht
hoch, dagegen das gewöhnliche Landobst nur niedrig besteuern;
es sei die Obsttreiberei so gut wie die Gemüsetreiberei schon
nahezu eingegangen. Die Versammlung erhält nach weiterer
Discussion bei der Abstimmung den Zollsatz 10 Mk. pr. 100 Ko.
ür sämmtliches Obst aufrecht mit der Maassnahme, dass Herr