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Oekonomierath Späth die besonders stark Obst konsumirenden
Gegenden Württembergs über die Höhe dieses Zolls auf Aepfel
befrage.
IV. Topfpflanzen, Baumschulartikel,
Blumenzwiebeln u. s. w. Für Topfpflanzen aller Art,
Baumschulartikel und Blumenzwiebeln, überhaupt für alle sonst
nicht genannten Gartenprodukte wird der Zollsatz 10 Mk. pr.
100 Ko. Bruttogewicht ohne erhebliche Discussion angenommen,
nachdem Herr Oekonomierath Späth begründet, er sei aus dem
Vergleiche der Zollsätze, welche die übrigen Länder erheben,
zu diesem Vorschläge gekommen; 10 Mk. pr. 100 Ko. entspricht
dem Zoll, den Russland erhebt.
Die Flora Algeriens.
Vortrag gehalten im Verein „Hedera“-Wiesbaden.
Von W. Peters.
Die Flora dieses Landes ist, obgleich eine der interessan¬
testen und reichsten, doch keine rein tropische, sondern bildet
vielmehr eine Mittelstufe zwischen der gemässigten und tro¬
pischen Zone. In dieser Hinsicht liesse sich ein Vergleich
anstellen, zwischen Algerien und andern tropischen Ländern,
wie z. B.: Mexiko, China, Japan u. s. w.
Sehr beeinflusst ist die Flora resp. Vegetation Algeriens
durch die Nähe der Wüste Sahara, welche sich durch den
bekannten, alles versengenden Gluthwind, Sirokko genannt,
in der wärmeren Jahreszeit bemerkbar macht. Die Tempe¬
ratur ist während dieser Jahreszeit sehr heiss und brennend
und das Thermometer zeigt bisweilen +48 — 50° Celsius im
Schatten. Die glühende Sonne versengt nicht nur sämmtliches
Laubwerk, sondern zündet selbst grosse Wälder und weite
Grasflächen an.
Die grossen Laubhölzer, welche tief im Boden wurzeln,
und daselbst immer genug Feuchtigkeit noch finden, um
wachsen zu können, haben unter diesen Unbilden des Clima’s
weniger zu leiden; sondern halten ihr normales Wachsthum
und die Ruheperioden genau so ein, wie ihre Verwandten
anderer Länder. Die kleineren Sträucher, Gräser und kraut-
artigen Pflanzen fristen dagegen während der regenlosen,
heissen Zeit ein kümmerliches Dasein und erwachen erst bei
Beginn der Regenzeit im Monat October zu neuem Leben.
Die immergrünen Pflanzen, besonders die Palmen stehen während
dieser heissen Zeit gelb und gebleicht, mit Ungeziefer bedeckt,
traurig da, der Regenzeit harrend, welche denselben ihre
schöne grüne Farbe wieder giebt. Tritt nun die Regenzeit
ein, so macht sich eine überraschende Wirkung des Regens
bald bemerkbar. Wo vorher der Blick über versengte Palmen-
und Grasfelder schweifte, entwickelt sich jetzt ein üppiges,
kräftiges Grün. Die kahlen Sandhügel bedecken sich mit
einem grünen Teppich und die nun wieder rauschenden
Gewässer sind aufs Neue mit den Kindern Flora’s bedeckt.
Die Regenzeit beginnt gewöhnlich im October und endigt
im Monat Februar, alsdann tritt die Pflanzenwelt in das Stadium
der Blüthenperiode. Dieses ist die interessanteste Periode der
Flora der Breitengrade; würde man dann eine Wanderung
durch Algerien von der Meeresküste bis zum Rande der
Sahara unternehmen, so könnte man mit Müsse ein farbiges
Bild dieser Flora vom höchsten Palmbaum bis zum kleinsten
Moosbüschchen in Augenschein nehmen.
Begleite mich daher der geneigte Leser auf einer
solchen Wanderung.
Vor Allem wird der Fremde die gewaltigen Palmen,
grösstentheil der Gattung Phönix angehörend, bewundern,
welche in Gruppen und Einzeln vorhanden sind; in den Städten
werden dieselben zu A llee-Bäumen und in Anlagen in Gemein¬
schaft mit Granaten, Myrthen, Eucalyptus, edlen Akazien
und Coniferen verwendet. Besonders ist die Dattelpalme
im ganzen Lande verbreitet, da sie die nützlichste aller Arten
ist. Die Früchte dieser Pflanze sind sehr geschätzt, sie bilden
einen bedeutenden Ausfuhrartikel und liefern den Eingeborenen,
auf verschiedene Art und Weise zubereitet, die Hauptnahrung.
Nächst den Palmen sind es die herrlichen Orangen-, Oliven-
und Feigen-Haine, die Bewunderung erregen, ferner ganze
Wälder wilder und angepflanzter Mandeln und Aprikosen,
sodann meilenweite Strecken die mit Wein, unsern einheimischen
Gemüsen und Getreidearten bebaut sind. Besonders ist Gemtise-
cultur sehr erfolgreich und man kann 3 bis 4 Mal im Jahre
ausgenommen im Hochsommer, ernten. Was das Getreide
betrifft, so liefert dasselbe wenig Stroh, denn der Halm wird
höchstens 30 cm. hoch.
Inmitten dieser Anlagen nehmen sich die schmucken
Colonistendörfer sehr freundlich aus, im Gegensatz zu den
benachbarten Tribu’s der Neger, deren Behausung aus Zelten
oder Hütten aus Aesten und Steinen, mit Palmenblätter bedeckt,
bestehen; derartige Niederlassungen sind gewöhnlich von einer
dichten Cactus-Hecke umgeben. Es ist dies der gemeine
Feigen-Cactus, Opuntia Ficus indica mit tellergrossen stachlichen
Blättern und bimförmigen, wohlschmeckenden Früchten. Eine
derartige Hecke ist etwa 2—3 m. hoch und undurchdringlich.
Der Feigencactus wird auf Feldern und in Gärten cultivirt.
An den Landstrassen findet man Silberpappeln, edle
Weiden-Arten und andere zartere Laubhölzer, besonders
stark sind Mimosen und Akazien vertreten. Auf Anhöhen und
an sonnigen Plätzen haben Aloe und Agaven ihren Standort,
unter anderen Agave americana, welche zwar nicht einheimisch,
aber über das ganze Land verbreitet ist. Einen herrlichen
Anblick bietet eine solche alte Agave inmitten ihrer zahl¬
reichen Seitentriebe, oft einen Kreis von 10—15 m. Durch¬
messer bildend. Ihr Blüthenschaft wird oft 6—7 m. hoch
und 10—15 cm. dick, nach der Blüthe stirbt die alte Pflanze
ab. Erwähnenswerth ist auch der Ricinus, der überall vor¬
kommt und grosse Bäume bildet.
Die Ufer der Bäche und Flüsse sind ausschliesslich von
Nerium Oleander bewachsen, in Algerien Lauvierroel genannt;
trotzdem derselbe giftig, hat er doch eine vielseitige Ver¬
wendung. Mit den, fast dicht mit rosa Blumen bedeckten
Zweigen schmückt man bei festlichen Gelegenheiten Häuser
und 'Strassen. Aus dicken Aesten werden Hütten, Ställe und
Schuppen gefertigt, die dünneren Zweige mit Blättern zum
Decken dieser Baulichkeiten verwendet; ein derartiges Dach
lässt weder Sonne noch Regen durch, selbst nachdem dieselben
vollständig dürr geworden, haften die Blätter noch fester an
den Zweigen. Weiter gegen Süden werden die grossen Ebenen
nur durch die Ausläufer des Atlasgebirges unterbrochen; hier
gelangt man schon durch meilenweite Sandfelder, unterbrochen
durch ungeheure Strecken, mit Chamaerops humüis bewachsen;
dies ist die bekannte Zwergpalme, die auch noch in Italien
und Spanien vorkommt und auch essbare Früchte liefert. Die
Blätter werden zum Bedecken und zu Besen verwendet.
Zwischen diesen Palmen findet man auch das Alfa, eine grau¬
grüne Grasart, deren Halme zu hohen Strohhüten ver¬
arbeitet werden und einen bedeutenden Ausfuhrartikel bilden.
Die Hügelketten sind meistens mit unzähligen Arten von
Coniferen und immergrünen Sträuchern, besonders Lorbeer,
bedeckt. In den Thälern wird ausser den schon erwähnten
Culturpflanzen, hauptsächlich die Wassermelone gezüchtet,
ausserdem sind der Johannisbrodbaum mit kleinen lederartigen
Blättern und andere Bäume, deren Früchte die Araber essen,.
vertreten. Auf sonnigen Plätzen wachsen zahllose Zwiebel¬
arten, unter anderen: Hyacinthen, Gladiolen, die blos etwas
kleinere Blumen liefern. Auf den Aeckern sind Stammeltern
unserer Sommerblumen, sowie diejenigen einiger Topfpflanzen
zu finden, z. B. Reseda, Xerathemum, Phlox, Zinnia, Geranium,
letztere sind besonders farbenprächtig. In schattigen, feuchten
Felsthälern endlich repräsentiren sich die verschiedensten Farne.
Besonders hervorzuheben sind, Adiantum cuneatum und
formosum.
In den niederen Gewässern gedeihen ausser anderen Gräsern
und Wasserpflanzen Cyperus, sowie verschiedene grüne Maranten.
Zu erwähnen ist dann nooh ein Strauch, Lawsoma cdba, dort
Henna genannt, welcher über das ganze Land verbreitet ist,
und mit dessen gepulverten Blättern und Wurzeln sich die
Eingeborenen Finger- und Zehenspitzen, sowie die Haare
dunkel färben.
Je weiter man nach Süden vordringt, desto mehr nimmt
das Land einen wüstenähnlichen Charakter an, die grün be¬
waldeten Gebirge machen einem Meere von Sandhügeln Platz
und an Stelle der fruchtbaren Ebenen treten weite öde
Strecken ohne alle Vegetation. Hier und da trifft man kleine
Salzseen an, deren Ufer mit dornigen blattlosen Sträuchern
und Chrystallypflanzen, wahrscheinlich den Mesembrianthemum
angehörend, bedeckt sind. Auf den schon erwähnten Sandhügeln
gedeihen noch Echeverien und Sedum-Arten, welche mit ihren