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Verlag von «F. Froliberger in Erfurt.
Für den Buchhandel: Hugo Voigt, Buchhandlung für Gartenbau in Leipzig.
Erscheint am 1., 10. und 20. jeden Monats. Abonnementspreis jährlich 6 M., vierteljährlich 1,50 M.
Vr. 36.
Erfurt, den 20 . ‘Dezember 1892 .
VI. Jahrgang,
Chrysanthemum-Ausstellung in Wien.
(Schluss.)
Die andere, aus dem fürstlich Schwarzenberg’schen Hofgarten
(Hotgärtner Bayer), ausgestellte Gruppe, zeigte wohl die Tüchtig¬
keit des Kultivateurs, doch fehlte es an besseren und namentlich
grossblumigen Sorten. Die in derselben befindlichen Hochstämme
zeigten prächtige Kronen und eine Fülle gut geformter schöner
Blumen. In der Mitte des Saales, gegenüber der Kaisergruppe,
hatten die Handelsgärtner Carl Matznetter und Daniel Hooibrenk
je eine grosse, runde Gruppe schöner Pflanzen ausgestellt, die sich
in Bezug auf Kultur, gute Belaubung der Pflanzen und Blüten¬
reichtum ziemlich gleichkamen. Carl Matznetter scheint der ein¬
zige Wiener Handelsgärtner zu sein, der den richtigen Wert des
Chrysanthamums für den Spätherbst erfasst hat. Hiermit hätten
wir die ausgestellten Pflanzen besprochen und erwähnen noch eine
kleine Gruppe aus Samen gezogener Pflanzen von Herrn A. Döbner.
Dieselben blühten zum ersten Male und konnte deshalb ein be¬
stimmtes Urteil darüber nicht abgegeben werden, ob sie irgend
eine besondere Sorte enthalten, doch zeigten einige guten Ansatz
und berechtigten zu guten Erwartungen.
Die abgeschnittenen Blumen waren auf einen Raum von
etwa 30 qm in der ganzen Länge des Saales aufgestellt und boten
ein überwältigend schönes Bild. Den grössten Teil dieses Raumes
füllten die drei englischen Firmen; Pitcher & Manda in Hextable,
Kent, M. Wells in London und Reid & Bornemann in Sydenham-
London aus. Von österreichischen Handelsgärtnereien brachte ab¬
geschnittene Blumen nur die Handelsgärtnerei von Frau Betti Hock
in Klosterneuburg. Dieselbe hatte wohl ein reiches Sortiment, be¬
sonders schöne Pomponsorten, doch fanden diese bei dem Um¬
stande, dass das beschauende Publikum von den ungewöhnlichen
grossen Blumen und der Farbenpracht derselben, welche die anderen
Aussteller exponierten, nicht die genügende Würdigung. Aus der
Gärtnerei der Frau Fürstin Dittrichstein in Nicolsburg aber war
eine Kollektion grossblumiger Sorten ausgestellt, welche den eng¬
lischen Blumen ganz ebenbürtig genannt werden müsseu. Die
Sammlung war allerdings gegenüber denjenigen der Engländer eine
kleine, doch zeigte diese, sowie die von Herrn Carl Neufellner,
Beamter der Anglo-österr. Bank in Wien ausgestellte Sammlung,
welche Blumen enthielt, die den englischen vollständig und in jeder
Richtung Konkurrenz boten, dass die Chrysanthemumblume in Wien
ebenso zur grösstmöglichsten Perfection gebracht werden kann, wie
in England. Eine Thatsache, die noch im Vorjahre von manchen
alten, praktischen Gärtnern, unter Hinweis auf die klimatischen
Unterschiede zwischen England und Oesterreich, als eine Unmög¬
lichkeit hingestellt wurde. Die beiden genannten Aussteller haben
glänzend dokumentiert, dass nicht die klimatischen Verhältnisse mass¬
gebend sind, sondern einzig alleinWissen und Können, sowie ein
zielbewusstes Vorgehen. Der fürstlich Dittrichstein’sche Obergärtner,
dankt seine Erfolge, wie er berichtete, dem strikten Einhalten des
in den „Praktischen Blättern“ angegebenen Kulturverfahrens. Und
Herr Neufellner brachte den Beweis, dass theoretisches Wissen
mehr wert sei, als jahrelange Praxis. Er ist kein Gartenbesitzer,
sondern hat nur ein Stück Garten in Pacht und kultiviert Chry¬
santhemum erst durch zwei Jahre. Nicht praktische langjährige
Erfahrung also war es, welche ihm so schnell zum Ziele führtej,
sondern das Studium der besten Schriften über Chrysanthemum,
und vor allen seine umfangreichen Kenntnisse in der Pflanzenphy¬
siologie, Pflanzenchemie und der Düngerlehre. Manchen Gärtner
mögen die Erfolge des Herrn Neufellner als ein leuchtendes Beispiel
dienen und ihm den Weg zeigen, welchen er wandeln, muss, um
über das gewöhnliche Niveau hervorzuragen.
Auch die englischen Kultivateure erzielen so schöne Erfolge
nicht einzig und allein wegen ihrer klimatischen Verhältnisse, sondern
ihrem Wissen verdanken sie dieselben. Was nun die englischen
Aussteller anbelangt, muss entschieden die Leistung der Firma
Pitscher und Manda als die vorzüglichste bezeichnet werden. Mehr
als zweihundert Prachtblumen aus allen Abteilungen hatte dieselbe
zur Schau gestellt und eine jede derselben war mustergiltig zu nennen.
Die Sortenwahl war eine auserlesene und dürfte es schwer
sein, überhaupt Besseres und Schöneres zu leisten. Auch die Firma