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Wells ist eine reiche und schöne Kollektion, doch hatten die Blumen
durch den Transport gelitten und hatten neben den Blumen von
Pitscher und Manda einen schweren Stand. Doch dem geübten
Auge des Fachmannes konnte die Vorzüglichkeit derselben nicht
entgehen. Auch die Blumen der Firma Reid und Bornemann,
hatten stark gelitten und suchte der Aussteller den schadhaften
Blumen durch Unterbinden mit Mahonienblättern ein besseres Aus¬
sehen zu geben, was auch gelang. Wir können aber ein solches
Vorgehen nicht billigen, weil es immerhin geeignet erscheint, das
Laien-Publikum zu täuschen.
Im Uebrigen hatten Reid und Bornemann eine prächtige
Kollektion, welche einzelne Blumen aufwies, die den höchsten Gipfel¬
punkt der Vollkommenheit gewiss in jeder Beziehung erreicht haben.
In dem Pavillon für Blumenarrangements fesselten jeden Be¬
sucher sofort die wahrhaft meisterhaft künstlerischen Leistungen
der Blumenhandlung von Josef Müller, Wien Kärnthnerring. Herr
Müller hat mit seinen Leistungen das Chrysanthemum in der
Blumenbindekunst vollständig zu Ehren gebracht. Er verwendete
keine einzige andere Blume zu den Arrangements; alle waren sie
aus Chrysanthemumblumen und den Zweigen von Asparagus Co-
morensih als Bindegrün hergestellt, und doch Hessen sie an Zier¬
lichkeit und geschmackvoller Ausführung nichts zu wünschen übrig.
Da war nichts von der „Steilheit“, die man sonst den Chrysan¬
themumblumen andichtet, zu bemerken, mit dem grössten Kunst¬
sinn und dem feinsten Geschmack waren die Chrysanthemum ebenso
zur Verwendung gebracht, in den zartesten Brustbouquets, in den
.zierlichsten Tafelaufsätzen wie in der imposanten Trauerdekoration.
Und erst die Blumenbouquets in Vasen, von welchen die Preis¬
ausschreibung verlangte, dass sie auf Naturstielen ohne Draht an¬
gefertigt werden müssen. Wie wenn die Blumen auf ihren immer¬
hin harten, unbiegsamen Stengeln, willig den Anordnungen des
Binders gehorchten, fügten sie sich zum duftigten, leichten, in Farben
harmonisch zusammengefügten Strauss. Keine Blume zu viel, keine
zu wenig, kein abstossender Kontrast in der Farben Zusammenstel¬
lung. Das war echte — wirkliche Kunst.
Polygonum orientale fol. var. (Text Seite 354.)
^Auch die Blumenhandlung von Adolf Mühle in Brünn hatte
prächtige Stücke ausgestellt. Als eine besonders gelungene Idee
muss ein Korb bezeichnet werden, der in halb liegender Stellung
so gegeben war als ob die Blumen im Herausfallen begriffen wären.
Die Ausführung war ein Meisterstück zu nennen, das an Natürlich¬
keit, nichts zu wünschen übrig Hess. Die Kränze und sonstigen
Arbeiten dieses Ausstellers zeigten von Geschmack und Geschick¬
lichkeit besonders in der Verwendung bunter Pflanzenblätter in Ver¬
bindung mit Blumen.
Die Blumenhandlung der Frau Paula Szigethy in Budapest
brachte einige hübsche Kränze, ein Brautbouquet aus Camellien und
weissen Chrysanthemum, das sehr geschmackvoll ausgeführt war,
wie insbesonders ein prächtiges Handbouquet aus braunen Chry¬
santhemum von feinem Geschmack und Kunstsinn der Binderin zeigte.
Aus den Arbeiten der Blumenhandlung von Frau Betti Hock
;sei ein mit vielem Geschick angefertigter Blumenkorb erwähnt, der
sehr zierlich und künstlerisch zusammengestellt war, die anderen
Arbeiten, besonders die hufeisenförmige Spiegeldekoration aus weissen
Chrysanthemum, waren etwas zu steif, zu fest.
Die Blumenhandlung von Herrn Seefried hatte drei hübsche
Kränze ausgestellt, die teilweise recht geschmackvoll und schön aus¬
geführt waren, nur wurde deren künstlerischer Wert dadurch beein¬
trächtigt, dass die Binderin an dem Schlussbouquet an Draht ge¬
bundene Chrysanthemum strahlenförmig auslaufen Hess, wodurch
dem Arrangement dem Stempel der Unnatürlichkeit aufgedrückt
wurde, was immer vermieden werden sollte.
Die Preisrichter Hessen aus diesem Grunde die Exposition
unberücksichtigt, was denn doch vielleicht ein bischen zu strenge
geurteilt war.
Wir sind mit der Besprechung der Ausstellung zu Ende und
freuen uns, konstatieren zu können, dass der Verein der Gärtner
und Gartenfreunde in Hietzing, mit derselben wieder einmal eine
echt gärtnerische Leistung zu verzeichnen hat, die geeignet erscheint,
dem gärtnerischen Handelsgewerbe in Oesterreich zum grossen Vor¬
teile zu dienen und die Position des Vereins in allen Kreisen zu
befestigen.
Von den Ausstellern dürfte trotzdem, dass Preise im Werte
von über 700 Gulden verteilt wurden, doch noch mancher unzu¬
frieden sein, was ja bei keiner Ausstellung anders sein wird; denn
jeder glaubt eben das Schönste, das Beste geleistet zu haben.
Diese Unzufriedenheit soll aber dieselben nicht entmutigen, sondern
anspornen zur grössten Thätigkeit, um bei einer nächsten Ausstellung
sicher zu obsiegen. Nur dann, wenn dieser Wettbewerb unermüd¬
lich in friedlicher Weise fortgesetzt wird, kann und wird sich der
Gartenbau zur höchsten Stufe emporschwingen, zu Nutz und
Frommen der Gärtner und Gartenfreunde.
Die Aepfelobstgärten in Canada und im
Staate Maine (Vereinigte Staaten).
Orignial-Korrespondenz der Erf. Illustr. Gartenzeitung; Amerikanisches
Biireau Ph. Heinsberger, Internationale Agentur New-York.
Canada (Englische Kolonie) und sein Nachbar, der kleine
Staat Maine (gereinigte Staaten) sind die Lieferanten von Aepfeln
für die ganze Union und einen Teil Europas. Viele Hundert
Acker sind mit Aepfeln jeder Art bepflanzt und es war für den
Korrespondenten der Erf. Illustr. Gartenzeitung ein prächtiger
Anblick, als er kürzlich diese Gegend durchreiste und die endlosen
Reihen Apfelbäume sah, welche mit Früchten in allen Farben be¬
laden waren.
Canada exportiert nach Europa und Süd-Amerika circa
300000 Fässer Aepfel; die Vereinigten Staaten exportierten im
Jahre 1891 400000, und mehr als das Doppelte wurde in den
Vereinigten Staaten selbst verbraucht. England ist der bedeutendste
Käufer von canadischen Aepfeln; im letzten Jahre kam Australien
für England mit Aepfeln zu Hülfe, weil damals Canada nicht
genug liefern konnte. Aber Jahr aus, Jahr ein ist die Nachfrage
nach amerikanischen Aepfeln von Europa aus so bedeutend ge¬
wesen, dass die amerikanischen Bauern (Farmer) ihre Aepfelobst¬
gärten vergrösserten, resp. mehr Aepfel anpflanzten. Es ist That-
sache, dass amerikanische Aepfel in Europa einen 3—4 mal höheren
Preis erzielen als englische Aepfel. Nun sagen die Bauern und
Gärtner in Europa (besonders in England und Deutschland), dieser
Vorzug amerikanischer Aepfel läge an der grossen Sorgfalt der
Amerikaner beim Pflücken und Packen der Aepfel. Dem ist aber
nicht so. Amerika exportiert nach Europa nur die beste Sorte
Aepfel welche als Dessert-Aepfel bekannt sind.
Die beste Gegend zur Kultivierung sind die Ebenen in der
Nähe der Sandsteinbrüche in Süd-Canada und Maine. Die Aepfel
aus den Weststaaten der Union sind zwar viel grösser, aber lange
nicht so schmackhaft. In den Südstaaten der Union, z. B. in
Virginia, Maryland, Carolina, Nord- und Süd-Georgia, Alabama,
giebt es wenig und nur schlechte Aepfel, weil der Winter (nur
Regen und Thau, kein Schnee) dort zu kurz, und der Sommer zu
lang ist (Januar, Februar, März ist dort Sommer). Dennoch ist es
ein Rätsel, welches noch kein Hortikulturist gelöst hat, wie es
möglich ist, dass in manchem Jahre die Aepfel den kolossal strengen
Winter in den Staaten Maine Vermont und besonders in Canada
aushalten können.
Die russischen Aepfelbäume, welche aus dem asiatischen
Russland importiert sind, bringen schöne, den amerikanischen
Aepfeln ähnliche Früchte Besonders sind in Amerika eingeführt
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