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geschnitten, in kochendes Wasser gethan und so lange gekocht, bis sie
sich mit einer Stricknadel durchstechen lassen. Hierauf legt man den
Kalmus in frisches Wasser, lässt ihn 24 Stunden darin, wiegt ihn und
nimmt auf jedes Kilogramm Kalmus 1 kg Zucker. Letzteren taucht man
ins Wasser, lässt ihn in einem reinen irdenen Topfe zergehen und auf¬
kochen, wobei tüchtig geschäumt wird, legt den Kalmus hinein und lässt
ihn einige Male mit aufkochen. Dann wird der Kalmus in bereitgehaltene
Glaskrausen gefüllt und der Saft lau darüber gegossen. Am zweiten
Tage giesst man den Zucker ab, kocht ihn dicklicher auf und giebt ihn
wieder überden Kalmus. Am dritten Tage wird das Verfahren wiederholt,
wobei der Zucker so dick eingekocht wird, dass er breit vom Löffel läuft.
Der Saft muss überstehen; die Krausen werden mit reinem Papier zu¬
gebunden und an einem trockenen kalten Orte aufbewahrt.
(Für’s Hans.)
Land- und Forstwirtschaft.
Aufbewahrung von Waldsämereien.
Grössere Posten von Eicheln und Bucheckern lässt man am besten
auf dem Erdboden liegen und bedeckt sie, nachdem sie durch öfteres
Umarbeiten lufttrocken geworden sind, mit Laub, welches durch einige
darüber gelegte Aeste gegen das Verwehtwerdeu geschützt wird. Auf
dem Hausboden bewahre man sie nicht auf. Um den Samenhaufen wird
dann pin Mäusegraben gezogen, in welchen Töpfe und Röbren eingesetzt
sind. Kleinere Samenmengen werden gut in weiten Drainröhren aufbe¬
wahrt, welche bis ein Viertel ihrer Länge im Boden aufrecht stehen.
In oder unter die Röhre lege man ein eckiges Ziegelstück, welche die
Feuchtigkeit, aber keine Maus durchlässt. Diese Röhren stehen am besten
im Garten ander Nordseite eines Gebäudes, damit das vorzeitige Keimen
des Samens verhütet werde. In die Röhre kommt eine Schicht Samen,
dann eine Schicht Sand und so fort, bis dieselbe voll ist. In oder auf
dem Erdboden sind aufzubewahren die Samen von Eiche, Buche, Weiss¬
tanne Weymouthskiefer, Ahorn, Kirsche, Apfel, Birne, Hasel. Die Samen
von Kiefer, Fichte, Lärche halten sich am besten auf dem Hausboden
trocken und luftig aufgehängt.
(Allgem. Mitteilungen über Land- und Hauswirtschaft.)
Die Sandluzerne (Medicago media).
Manche halten die Sandluzerne für eine eigene Art, andere wieder
für einen Bastard der gewöhnlichen und der sichelförmigen Luzerne. Für
die Praxis hat diese Frage nur wenig Bedeutung, sondern ist bei dieser
die Brauchbarkeit der Sandluzerne die Hauptsache.
Da, wo nun die gewöhnliche Luzerne ( Medicago sativa) gedeiht,
ist diese im Anbau lohnender als erstgenannte, auf Sandboden hingegen,
wo die gewöhnliche Luzerne nicht oder weniger gut gedeiht, ist die
Sandluzerne eine sehr hochzuschätzende Futterpflanze, zumal wegen ihrer
längeren Lebensdauer. Was die letztere betrifft, so steht sie zwar nicht
so viele Jahre als die gewöhnliche Luzerne, doch immerhin länger als
andere Kleearten.
Die Aussaat soll möglichst früh, im April bis Anfang Mai, erfolgen.
Als Saatmenge werden auf den Hektar 30 Kilo Samen, auf den preuss.
Morgen gegen 7 1 / 2 Kilo, gerechnet. Ein grösseres Saatquantum schadet
auf keinen Fall. In gutem Sandboden und in feuchteren Frühjahren ist
eine Reinsaat die beste, denn sie bringt die kräftigsten Pflanzen, sonst
aber säe man sie lieber mit einer Ueberfrucht, mit Hafer, Gerste,
Sommerroggen oder dergleichen aus. Sonst kann man sie auch im Ge¬
menge mit Gräsern säen, denn sie verträgt diese viel leichter als die
gewöhnliche Luzerne. Soll sie mit Gräsern angebaut werden, so können
10—15 Kilo Grassamen auf den Hektar mit zur Aussaat gelangen. Beim
Säen mit einer Ueberfrucht, darf letztere nicht zu dicht gesäet und
sollte dann in noch grünem Zustande, zu Futter, abgemäht werden.
Zu dichter Stand der Ueberfrucht hemmt die Entwickelung der Klee¬
pflanzen und das Reifwerden der Ueberfruchtpflanzen zehrt den Boden
aus, selbstverständlich auf Kosten des Klees.
Die Birke (Betula alba ).
Die Birke ist im Niederwald gar nicht zu empfehlen, namentlich
nicht bei einigermassen hohem Umtriebe, die Ausschlagbestände gehen
zurück, bilden Blösen, unterwachsen mit Heide etc. Die Erträge befriedigen
nicht und Bodenrückgang mit Bodenverarmung sind die Folge. Ihr Stand¬
ort, wo der Landwirt sie auch eventuell pflegen soll, ist an Sandwegen,
als Mischholz im Feldbusch auf einzelnen kleinen Sandköpfen im Felde,
als Sicherheitsstreifen im Nadelwalde, auf Knicks, oder zur Zierde im
Hof und Garten. In die Lage, Birken aus Samen zu erziehen, wird der
Waldbesitzer Die kommen, da die Natur selbst Pflanzmaterial genug bietet.
Man thut gut, uicht zu starke, meist nur vier- bis sechsjährige Loden zu
pflanzen und dieselben fast gar nicht zu beschneiden. Die beste Pflanz¬
zeit ist das erste Frühjahr oder der Herbst, damit das Pflauzgeschäft vor
dem zeitigen Anschwellen der Knospen beendigt ist. Bei Anpflanzungen
auf Wällen, Knicks etc. ist zu berücksichtigen, dass die Birke im frischen
Grabenauswurf besser gedeiht, wie im alten. Man legt sie hier auch
wohl horizontal ein, im Ganzen ist aber die regelrechte Pflanzung vor¬
zuziehen. Gefahren drohen der Birke eigentlich nicht, höchstens leidet
sie durch Schnee-, Eis- und Duftbruch.
(Allgemeine Mitteilungen über Land- und Hauswirtschaft.)
Kamille und Wermuth.
Schon mehrmals habe ich, schreibt Max Winter im „Landboten“
über Hausapotheken gesprochen. Ich habe die vorzüglichsten Gewächse
genannt, die in keinem Landhause fehlen sollten und habe eingehend
über ihren Nutzen gesprochen. Heute will ich noch einmal daran erin¬
nern und zwei der vorzüglichsten Heilkräuter aus der grossen Anzahl
ihrer Genossen herausgreifen und die Anschaffung derselben meinen Be¬
rufsgenossen recht dringend empfehlen. Beide Arten sind durchaus gar
nicht selten; ich meine die Kamille ( Matricaria Chamomilla L .) und den
Wermuth ( Antemisia Absinthium L.) Erstere ist eins unserer segens¬
reichen Heilkräuter. Sie findet nicht nur im häuslichen Leben vielsei¬
tige Verwendung, da sie ein vorzügliches Mittel gegen Kolik, Krämpfe
und rheumatische Schmerzen ist, wesentlich die Heilung von schlecht
heilenden Geschwüren und Kontusionen unterstützt und bei Erkältungen
als ein vorzügliches schweisstreibendes Mittel dient, — sondern weil man
sie in der Viehhaltung eben so gut, mit eben so gutem Erfolge benutzen
kann. Die Fälle, in denen man gezwungen ist, nach Kamillenaufguss
zu greifen, finden sich im Schweine-, Kälber- und Fohlenstall häufig
genug bei Durchfällen und sonstigen Verdauungsstörungen, als Blähungs¬
und Waschmittel bei Beulen und Verwundungen. Ein mittelgrosses
Gut braucht schon eine ganze Menge von Kamillen, wenn allen An¬
sprüchen, die Hausgenossen, Hofgesinde, sowie die verschiedenen Haus¬
tiere stellen, genügt werden soll. In den Apotheken bekommt man aller¬
dings Kamillenthee, aber sehr teuer und nur in kleinen Qualitäten. Da
jedoch die echte Arzneikamille auf allen Feldern, oft in ungeheuerer
Meng6, vorkommt, so handelt es sich nur darum, zur Zeit der Blüte,
im Juni und Juli, die ganzen Büsche abzupflücken, in nicht zu grosse
Bündel zu binden und auf einem trockenen, luftigen Boden aufhängen
zu lassen. Nun fällt ja allerdings, die Zeit der Kamillenernte mit der
ersten Roggenernte zusammen, wo alle Hände mit letzterer zu thun ha¬
ben, aber das darf noch kein Grund sein, nicht einige Augenblicke, viel¬
leicht beim Nachhausegehen, die Kamillenernte zu versäumen. Kinder
lernen bald die echte Kamille kennen, und sind auch gern bereit, sie zu
sammeln. Wie segensreich wirken oft Bäder von Kamillen durch ihre
krampfstillende Eigensckaft bei kleinen Kindern und wie oft muss die¬
ses einfache Mittel unterbleiben, weil man zu nachlässig war. um Kamil¬
len zu sammeln, solche also nicht zur Hand waren. Die zweite Heil¬
pflanze, au die ich denke, ist der „Wermuth“ oder „bittere Beifuss“.
Leider ist diese Pflanze nicht überall verbreitet, besonders scheint dies
südlich und westlich der Uckermak der Fall zu sein. In der Uckermark
selbst ist sie überall auf den Kirchhöfen der Dörfer und au den Strassen
derselben zu finden. Die guten Eigenschaften des Wermuth sind ja
weltbekannt. Ein kalter Aufguss auf die gedörrten Blätter wirkt be¬
lebend und stärkend auf die Verdauung von Mensch und Tier. Leuten,
die an Appetitlosigkeit litten, bat schon oft dieser bittere Trank vorzüg¬
liche Dienste geleistet und unsere Schäfer gebrauchen die Blätter nebst
einem Gemisch von Thee und Salz mit Vorliebe als Arzneimittel gegen
Verhüten und sonstige Verdauungsbeschwerden und Verdauungsstörungen
der Schafe. Ganz denselben Dienst leistet die Pflanze im Schweine-
und Kuhstall, wo man sie in der Tränke reichen kann. In der Apo¬
theke bekommt mau ebenfalls nur wenig Wermuth für viel Geld; des¬
halb muss man die Pflanze, wo sie nicht wild wächst, im Hausgarten
anbauen. Sie ist winterhart und perennierend. Man braucht also nur
einmal ein Beet anzulegen, daun hat man für lange Zeit genug gethan.
Samen erhält man in jeder Sammenhandlung. Die Büsche sind vor der
Blütenentwickelung abzuschneiden, in kleine Gebinde zu binden und wie
die Kamillen auf einem trockenen Boden aufzuhängen.
Schwimmende Wassernuss.
Trapa natans L.
J. A. Ulsamer.
Diese so nützliche und interessante Pflanze wird leider immer sel¬
tener und könnte doch leicht mit sehr günstigem Erfolge in Teichen,
Seen, Sümpfen und langsam fliessenden Gewässern angepflanzt werden.
Sie hat eine sehr lange, im Schlamm kriechende, mit haarförmigen Fa¬
sern besetzte Wurzel; ebenfalls sehr lange schnürenförmige, reich blättrige,
im Wasser flutende Stengel; zweierlei Blätter, nämlich haarförmig, zer¬
teilte unterm Wasser und rautenförmige, vorn gezähnte, mit hohlen,
schlauchartigen Stielen auf dem Wasser schwimmend (natans), ferner
vierblättrige weisse, kleine, einzeln in den Blattachseln sitzende Blüten
und haselnussgrosse, harte, schwarz-graue, mit vier abstehenden, stachel¬
artigen Fortsätzen versehene Nüsse, welche essbar sind und Stärkemehl,
fettes Oel und Zucker enthalten. Diese Nüsse sind schmackhafter als
Kastanien und können roh, gekocht und geröstet genossen werden. Auch
bereitet man aus ihnen feines Mehl zu Suppen, Brei, Kuchen und Brot,
wie ich mich in Oesterreich einmal selbst überzeugen konnte. In Frank¬
reich sind sie in mehreren Gegenden unter dem Namen Marrons d’eau
(Wasserkastanien) gut bekaunt.
In Fischteichen ist das Vorkommen dieser Pflanze gern gesehen,
weil sie viel Wasserinsekten, die Fischen zur Nahrung dienen, beher¬
bergt.
In Deutschland ist sie nicht häufig anzutreflen, doch an einzelnen
Orten gut bekannt, so z. B. bei Saarbrücken, Limburg a. d. Lahn,
Magdeburg u. s. w., in der Schweiz bei Elgg, zwischen Winterthur und
Frauenfeld, in Lugano und Chiavenna.
Sie blüht im Juni, Juli, ist einjährig, pflanzt sich aber leicht
selbst fort.
Am besten gedeiht sie in schlammhaltigen stehenden Gewässern
und es sollte ihr bei uns mehr Beachtung geschenkt werden. Nur der
Unkenntnis ihres Wertes und ihrer interessanten Eigenheiten wegen, ist
sie so vielerorts selten geworden. Wer jemals nur eine einzige Frucht
gesehen, geschweige denn eine gegessen hat, wird diese Pflanze lieb¬
gewinnen. (Illustr. Deutsche Garten-Ztg.)
Verantwortlicher Redakteur Friedr. Huck. Druck und Verlag von J. Frohberger in Erfurt.