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dieser wird bald schwinden, wenn man sie näher kennt. Die
Coleus sind mehr mit Plectrantus und Acoiantus verwandt; man hat
bisher ca. 50 beschrieben, doch wird man sie wohl nach genauerer
Kenntnis um einige Spezies reduzieren dürfen. Sie sind ohne
Ausnahme sehr verschiedenartig und zum Ineinanderübergehen
geneigt. Die vom Prof. Schweinfurth angeführten neuen und teilweise
neu entdeckten Spezies, die wir beschreiben wollen, sind sämtlich
Sommer-, Herbst- und Winterblüher, und wenn sie auch keine
Prunkblumen tragen, so sind sie dem Gärtner doch hochwillkommen,
da sie alle gute Zimmerpflanzen sind. Man kann sie leicht durch
Samen und Stecklinge vermehren. Sie sind von ebenso leichter
wie einfacher Kultur als ihre bekannten bunten Vettern. Man
kann sie in mässig grossen Töpfen erziehen, sie ertragen den Schnitt
und man kann ihre Blütenperiode dadurch besser regeln, auch
kann man sie in den freien Grund zu jeder beliebigen Höhe und
Breite erziehen und dann im August rechtzeitig ohne den geringsten
Schaden eintopfen. Sie gehören in das kalte oder allenfalls in das
temperierte Haus, nicht in das Warmhaus. Setzt man starke
Pflanzen aus, so hat man ihre schönen Rispen von Juni bis Weih¬
nachten. Sämlinge blühen von einzelnen Arten im ersten Sommer.
Das alles sind Vorzüge nicht nur der bekannten Coleus Arten, sie
sind es überhaupt, denn Winterblüher hat man kaum genügend.
Coleus Penzigii Schweinf. wurde im Winter 1890/91 von
Prof. Schweinfurth bei Gelep im Abyssinien entdeckt und zu
Ehren des Direktors des Botanischen Gartens in Genua benannt.
Die Art ist ausdauernd, holzig und wird bis 1 m hoch, kann aber
durch sachgemässen Schnitt in jeder beliebigen Höhe gehalten
werden. Die Blätter sind schwach, wohlriechend, gegenständig,
gestielt, eiförmig, gezähnt und am Rande geadert, sonst grün. Die
Blütenrispen sind quirlartig, dunkelbraun und mit Borstenhärchen
besetzt. Die Blüten öffnen sich nach und nach, sind gross, ansehn¬
lich tief blau. Deckblätter sind weisslich grün, muldenförmig und
zugespitzt, später abfallend.
Die Rispen erreichen eine Länge von 20—30 cm Coleus
Penzigii var. floribunda ist eine Form die in allen Teilen kleiner
ist, verzweigter und gedrungener, auch viel blütenreicher, sie blüht
bereits 3 Monate nach der Aussaat. Die Blätter sind enger gezähnt
und die Zähne spitzig, nicht abgerundet wie die egyptische Art.
Diese Art ist ganz besonders schön, und wertvoll für den Gärtner.
Coleus Penzigii var. smaragdina ist der Riese unter allen Coleus
und man könnte ihn für eine besondere Art halten. Er blüht nicht
im Sommer, sondern spät im Winter, wird bis 2 m hoch im freien
Grunde und kann selbstredend im Topf auf 40—-50 cm gehalten
werden. Er trägt nichtgesägte, hochelegante, breit eiförmige,
smaragdgrüne, weichharige, grosse Blätter mit rundlichen Ausbuch¬
tungen, und man könnte ihn als Blattpflanze kultivieren, da er
sehr schön wächst.
Coleus spicatus und seine Form Bondinello sind zwergige
Arten, die kaum 25 - 30 cm hoch sind und im Herbst und Winter
mit dichten, ährenförmigen Rispen bedeckt sind, die schöne blaue
Blüten tragen. Die Blätter sind lanzettlich, dickfleischig, weit
gebuchtet und bronziert im Winter. Sie blühen im ersten Jahre
nach der Aussaat; abgeschnitten sind die Blumen nicht hinfällig
und halten sich lange frisch. Blumen und Zweige sind wertvoll
für Binderei. Diese Art mit ihren dickfleischigen Blättern, blüht am
besten im Sukkulenten-Hause. (Allgemeine Deutsche Gärtner-Zeitung).
1 -
Einjährige Zierpflanzen für Zimmerkultur.
So gross auch die Zahl unserer einjährigen Zierpflanzen ist,
hält es dennoch schwer ein grösseres Sortiment für Zimmerkultur
geeigneter Sorten zusammen zu bringen, denn den meisten einjährigen
Pflanzen oder Sommergewächsen will die mehr oder weniger ge¬
schlossene Zimmerluft nicht behagen. Die Handelsgärtner sollten
darum bemüht sein, das Sortiment geeigneter Sorten zu vergrössern,
entweder durch Suchen und Einführen neuer Pflanzen oder durch
Züchtung passender Varietäten von schon vorhandenen Sommer¬
gewächsen.
Einjährige, für genannten Zweck geeignete Pflanzen sind:
Amaranthus tricolor, dreifarbiger Fuchsschwanz. Hübsche,
bunte Belaubung, liebt gute, leichte und nahrhafte Erde und Sonne.
Arctotis breviscapa , Bärrohr. Mit grossen dunkelgelben
Blumen.
Browallia elata nana. . Diese blaublühende, niedrige Varietät
von B. elata coerulea lässt sich gut am Zimmerfenster kultivieren.
Calandrinia umbellata. Kleine, leuchtend rotblühende Pflanze
und recht hübsch in Töpfen. Verlangt vorsichtiges Giessen und
ist der Boden des Topfes mit klaren Scherben zu belegen, um so
dem Wasser leichteren Abzug zu verschaffen.
Calceolaria pinnata und C. scabiosaefolia. Einjährige Pan¬
toffelblumen mit zierlichen, gelben Blumen. Verlangen leichten,
humusreichen Boden und wie Calandrinia guten Wasserabzug.
Capsicum annuum, spanischer Pfeffer. Wird seiner ver¬
schieden geformten, schönen und farbigen Früchte halber gern in
Töpfen gezogen. Besondere Empfehlung verdienen hier die Spiel¬
arten „Little Gern“ und „Tom Thumb“.
Celosia cristata , Hahnenkamm. Bekannt wegen der eigen¬
tümlich geformten, hahnenkammähnlichen Blütenstände; wird schon
viel in Töpfen gezogen. Die niedrigen Sorten sind besonders beliebt.
Clintonia elegans und pidchella. Hübsche, zarte lobelien¬
ähnliche Pflänzchen, welche leichte Erde und guten Wasserabzug
verlangen.
Commelina coelestis. Dieses herrlich blaublühende Sommer¬
gewächs gedeihe sehr gut im Topfe, doch bedürfte es zur Zimmer¬
kultur einer mehr niedrigwachsenden Sorte.
Cuphea. Diese Gattung enthält mehrere für Zimmerkultur
geeignete Arten.
Pupborbia Lathyris. Wird wegen ihres dekorativen Wuchses
bisweilen in Töpfen und im Zimmer gezogen. E. heterephylla ,
mit karminroten Brakteen, dürfte vielleicht gleichfalls zu emptehlen sein.
Impatiens Balsamina, Balsamine. Ist eine der besten ein¬
jährigen Zimmertopfblumen und wird in manchen Gegenden sehr
viel an Fenstern gezogen.
I Slütani ist eine gute Zimmerpflanze, verlangt jedoch mehr
Aufmerksamkeit als erstere.
Lobelia Erinus , Lobelie. Gedeiht ausgezeichnet im Zimmer
und verlangt sandige Erde und hellen Standort.
Mesembrianthemum oder Eiskraut. Die einjährigen Arten
gedeihen recht gut im Zimmer, verlangen aber vorsichtiges Giessen.
Medicago intertexta. Unter dem Namen „Christi Dornen¬
krone“ wird diese einjährige Kleeart von Landleuten sehr viel im
Zimmer gezogen. Das Hübscheste an ihr sind die interressant
geformten Samenhülsen.
Mimulus oder Gauklerblume. Allgemein als Zimmerpflanze
wird die Art M. moschatus kultiviert, doch auch die übrigen be¬
kannten Arten sind passend.
Ocimum Basilicum, Basilikum. Ist ganz hübsch in Töpfen;
meist wird die Form bullatum in solchen gezogen.
Oxalis rosea. Diese Sauerkleeart gedeiht im Topfe oftmals
besser als im Freien. Verlangt vorsichtiges Giessen.
Perilla nankiensis. Kann wegen ihrer dunkelfarbigen Be¬
laubung der Abwechselung halber mit am Fenster gezogen werden.
Portulaca grandiftora. Portulak. Am sonnigen Fenster und
bei vorsichtigem Giessen lässt sich auch dieses schönblühende
Sommergewächs im Zimmer ziehen.
Reseda. Dieses beliebte, wohlriechende Sommergewachs, das
so viel im Zimmer gehegt wird, verlangt nur mässiges Begiessen.
Rumex roseus, Rosenampfer. Wird zur Topfkultur empfohlen
und passt vielleicht auch für Zimmerkultur. Das gleiche gilt wohl
auch von Saxifraga Cymbalaria , einer einjährigen Steinbrechart,
die gleich anderen Steinbrechen wohl Schatten lieben und deshalb
nicht in einem zu sonnigen Fenster zu kultivieren sein dürfte.
Solanum. Unter den einjährigen Nachtschattengewächsen ist
es in erster Reihe das Eiergewächs, das wegen seiner vogeleiartigen
Früchte gern im Zimmer gezogen wird; dann der Liebesapfel und
andere Arten mehr. Sie alle lieben nahrhafte Erde. Um diese
hübschen Fruchtgewächse für die Zimmerkultur zweckmässiger zu
machen, wär das Streben nach zwergigen Soi'ten nötig, denn viele
werden zu hoch und wachsen zu ausgebreitet für das Fenster.
Torenia. Dieses schöne Sommergewächs liebt leichte Erde
und gedeiht im Zimmer meist besser als im Freien.
Verbena. Die Verbene, wenn sie hell und etwas luftig ge¬
halten wird, gedeiht sehr leicht im Zimmer. Wegen des ausge-
breiteten Wuchses wähle man zur Zimmerkultur die neuere, kom¬
paktwachsende Rasse, oder Stecklingspflanzen, welche weniger aus¬
gebreitet und üppig wachsen.
Bei reichlichem Lüften der Zimmerfenster lassen sich noch
gar viele andere Sommergewächse in Töpfen im Zimmer kultivieren,
doch auch nur bei reichlichen Lüften, und da solch’ letzteres nicht
immer genügend geschehen kann, sind viele Sorten nicht für solche
Kultur zu verwenden.
Von einjährigen Schlingpflanzen gedeihen in der Zimmerluft:
Cobaea scandens. Sehr wüchsig und deshalb nicht überall passend.