Seite
254
und drückt diese in die Ritzen. Die Pflanzen sind dann eine Zeit
lang feucht zu halten, doch, muss das Begiessen sehr vorsichtig aus¬
geführt werden, weil anderenfalls die Pflanzen durch den starken
Wasserstrahl herausgeschwemmt würden; am besten erfolgt das An¬
feuchten vermittelst eines Zerstäubers (Refraicheurs), so auch durch
eine nassgemachte Bürste. Wird dennoch Erde fortgeschwemmt, so
muss wieder welche in die Ritzen gedrückt werden. Das Anfeuchten
der ganzen Mauerfläche ist auch anzuempfehlen, wenigstens so lange,
als bis das Festwurzeln noch nicht genügend stattgefunden hat. Mir
passierte es, dass die frisch angepflanzten Pflänzchen die erste Zeit
einigemal durch Gewitterregen herausgespült wurden, so dass ich
beinah mutlos wurde, doch pflanzte ich sie dennoch wieder ein, und
nun wuchsen sie ganz freudig und haben sich so fest in das Mauer¬
werk eingewurzelt, so dass man sie wohl abreissen, aber nicht so leicht
mit den Wurzeln herausreissen kann. J.
Die Spritzbälle, wie sie zum Zerstäuben von Insekten-Pulver,
Puder u. dergl. angewendet werden, haben eine recht mangelhafte und
unregelmässige Wirkung, die sich ganz nach der Haltung der Spitze
richtet. Eine wesentliche Verbesserung bringt M. Ehrhard in Berlin
dadurch zu Stande, dass er den Ballon nicht direkt mit dem Pulver
füllt, sondern dessen Spitze erst in eine das Pulver aufnehmende Vor¬
kammer münden lässt, welche durch einen Pfropfenschluss gefüllt
werden kann; diese unelastische Kapsel trägt dann vorn das Ausblase¬
rohr und ist die Einrichtung so getroffen, dass der Luftstrahl nie
direkt aus dem Ausblaserohr austreten kann, sondern durch den Luft¬
druck in der Kapsel stets das Pulver aufgeblasen wird. (Mitgeteilt
vom Patent- und technischen Bureau von Richard Lüders, Görlitz.)
Linum grandiflorum.
Der wilde Apfel als Mostobstbaum. Nach der „Zeitschrift
für Gartenbau u. Gartenkunst“ wird in der Normandie, wo die Cyder- oder
Apfelweinbereitung zu Hause ist, bei dieser nur der wilde Apfel (Malus
communis) benutzt. Er wird daselbst in grosser Menge kultiviert und
ganze Baumgärten bestehen aus dieser Apfelsorte. Der Baum ist von
erstaunlicher Fruchtbarkeit, blüht spät und liefert er auch keine grossen
Früchte, so besitzen diese doch alle die Eigenschaften, die zu einem
guten und haltbaren Wein notwendig sind: Zucker und Sauer, Eiweiss¬
stoffe und Tannin-Gerbsäure stehen miteinander in richtigem Verhältnis.
Möhren ausdünnen. Neulich kam ich in einen Privatgarten
und wie es bei solchen Gelegenheiten dem Gärtner passiert, wurde ich
um allerlei Ratschläge angegangen. Beim Umhergehen im Garten,
ging es auch an einem mit Früh-Möhren oder Karotten bestellten Beete
vorbei, wo alsdann der Gartenbesitzer ein Lamento wegen der schlechten
Art Karotten, die er erhalten, begann; auf dem Markte, so sagte er,
gebe es schon 2 Monate lang die schönsten Karotten, die seinigen aber
wüchsen nur ins Kraut, in der Erde aber hätten sie Wurzeln, nicht
einmal so dick als wie ein Bleistift. — Es war nun aber kein Wunder,
dass die Karotten nicht dickere Wurzeln oder Rüben gemacht hatten,
denn sie standen ja so dicht, als wenn Rasen gesäet worden wär. Wo
sollen da bei einen so dichtem Stande die Pflanzen den Raum und die
Nahrung zum Grosswerden hernehmen ? Dies machte ich dem Besitzer
deutlich, und er wunderte sich, dass er nicht selbst so klug gewesen
und das eingesehen habe. — Sieht man Beete und Felder mit Möhren,
so kann man sehr oft ern Zudichtstehen der Pflanzen wahrnehmen,
so dass auch da die Mahnung am Platze ist, die überzähligen Pflanzen
auszudünnen. Dies muss aber stets recht bald geschehen, je früher,
je bessbr. _ P.
Herbstsalat. Eine Sorte Salat unter der Benennung, „Herbst¬
salat“ giebt es nicht, sondern es ist unter diesem Namen spätgesäeter
Sommer- oder Kopfsalat, der im Herbst erst Köpfe macht, gemeint.
Da solcher Salat wegen der kühlen und feuchten Herbstwitterung so
leicht nicht in Samen schiesst, sondern in geschlossenen Köpfen bleibt,
so ist Herbstsalat ein sehr angenehmer Salat. Sein grösster Feind im
spätem Herbst ist läager anhaltende, nasse Witterung, weil bei solcher
die äusseren Blätter in Fäulnis geraten und später auch die inneren
Blätter. In solchen Fällen sorge man, dass die Luft von
allen Seiten auf die Salatbeete einwirken kann. Man entferne z. B.
abgefallenes Laub, welches sich gesammelt, von den Beeten; oder
wenn Stangenbohnen, die schon abgeerntet sied, in der Nähe stehen,
so entferne man diese, ebenso auch Spargelkraut und alles dasjenige
was weggeräumt werden kann. P.
Herbstaussaat von Blumenkohl. Die Zeit der Aussaat hat
sich nach dem Klima zu richten, beginnt in kälteren Gegenden Ende
August und Anfang September, in milderen Ende September und An¬
fang Oktober; für die meisten Gegenden Mitteldeutschlands mag wohl
die zweite Hälfte des Septembers als die Zeit des Säens von Blumen¬
kohl gelten. Die zu erziehenden, in einem kalten oder halbwarmen
Mistbeete zu überwinternden und im Frühjahr ins Freie zu verpflanzen¬
den Blumenkohlpflanzen sollen zwar bis zum Frühjahr in den be¬
treffenden Mistbeete ein kräftiges Wachstum erlangen, dürfen aber
auch nicht allzu stark und überständig werden. Werden sie solches,
so erleiden sie durch das Auspflanzen ins Freie, im Frühjahr, gewöhn¬
lich eine beträchtliche Störung im Wachstum und liefern dann keine
schöne Köpfe. Besser als überwinterte Pflanzen sind oftmals solche,
die im Januar in einem Gewächshaus erzogen und nachher in ein
Mistbeet pikiert wurden.
Allerlei Naehriehten.
Niedrige Obstpreise. Der Zentner Frühpflaumen ist in der
Rheingegend mit 1 Mark und der Zentner Reineclauden mit 1 Mark
50 Pf. bezahlt worden. Letztere kosteten sonst 10 bis 15 Mark.
Der Obstbau um Werder. Die mit Obst um Werder bebaute
Fläche beträgt 4 bis 5 Tausend Morgen. Der Boden ist an seiner
Oberfläche Sand, doch liegt in der Tiefe vielfach schwerer Boden.
Der Morgen Land wird oft mit mehr als 10000 Mark bezahlt. Man
zieht die Bäume fast durchweg in Halbhochstammform und zieht
zwischen den Baumreihen noch allerhand Beerenarten.
Der neue amerikanische Zoll-Tarif. Nach diesem neuen Tarif
gestalten sich die Zölle für nachstehende Artikel wie folgt:
Aepfel, grüne oder reife, getrocknete, gedörrte, gedämpfte oder
in anderer Weise präpariert 20 pCt. ad valorem (des Wertes).
Bohnen, 20 pCt. ad valorem.
Bohnen, Erbsen, Champignons und andere Vegetabilien, präpariert
oder präserviert in Blechkannen, irdenen Kruken, Flaschen oder in
anderen Getässen, sowie Pickles und Saucen aller Art, 30 pCt. ad
valorem.
Hasel- und Wallnüsse aller Art, in der Schale, 2 c. per Pfund;
geschält.. 4 c. per Pfund.
Kartoffeln, 15 c. per Bushel im Gewicht von 60 Pfund.
Pflaumen, Zwetschen, Feigen, Rosinen und andere getrocknete
Trauben, U/j c. p' Pfund.
Zwiebeln, 20 c. per Bushel.
In ihrem eigenen Safte eingemachte Früchte, 20 pCt. ad valorem.
Honig, 10 c. per Gallone.
Zollfrei werden eingelassen:
Bienenwachs.
Kohl.
Apfelwein (Cider).
Früchte, grüne, reife oder getrocknete, nicht speziell aufgeführt.
Sauerkraut.
Erbsen, grüne in „Bulk“ oder in Fässern, Säcken oder in ähnlicher
Emballage.
Stand der Kartoffeln. In vielen Gegenden haben die Kartoffeln
durch die Nässe gelitten und sind von dem Kartoffelpilz heimgesucht.
Die Spätsorten wie Maguum bonum u. s. w. sehen im Kraute noch
gut aus, so dass sich von den Spätsorten, falls gute Witterung eintritt,
eine befriedigende Ernte erhoffen lässt.
Möhrensamen-Ernte. Diese verspricht, wenn trockene Witterung
eintritt, eine gute zu werden.
Runkelsamen-Ernte. Die Samenpflanzen haben sich recht gut
entwickelt, zu einer guten Ernte bedarf es aber einer guten Herbst¬
witterung.
Blumenkohlsamen-Ernte. Die Pflanzen haben reichlich Samen¬
schoten angesetzt, doch zeigt sich an vielen Schoten der Schotenpilz, so
dass sich das Ernteresultat nicht überall allzu günstig gestalten dürfte.
Bienen als Baumwachsdiebe. In der Leipziger Bienenzeitung
schreibt ein Mitarbeiter derselben: „Dass die Bienen nicht nur Honig,
sondern auch Baumwachs stehlen, habe ich jetzt erfahren. Neben
meinem Bienenstand stehen zwei Obstbäume, die an einigen kranken
Stellen mit Baum wachs bestrichen sind. Da fanden sich nun eine
Zeit lang täglich einige Bienen ein, bissen Stückchen Wachs ab, ballten
sie als Höschen an ihren Hinterbeinen zusammen und trugen sie nach
Hause. Ich band eine junge Wabe an einen der Bäume, sie zogen
aber das Baumwachs vor.
Die neue Rose „President Carnot auf der Lyoner Gartenbau-
Ausstellung. Der Züchter dieser Rosenneuheit hatte ungefähr 100
Blumen davon in 25 Flaschen ausgestellt. Das Preisgericht konnte
ihr nur eine Medaille zweiter Klasse zuerkennen und bedauerte, dass
dem bedauernswerten Mr. Carnot keine bessere Rose gewidmet worden
war. — Ein anderer Rosenzüchter wurde für seine Rosenneuheit, die
er Baronne Gustave de St. Paul getauft hatte, nur mit einer bron¬
zenen Medaille bedacht und seine Neuheit als gleich mit Mme. Montet
bezeichnet.
Stand der Zuckerrüben. Diesen ist die nasse Witterung aus¬
gezeichnet bekommen und sie versprechen einen Ertrag, wie er selten
auf'tritt.
Verantwortlicher Redakteur Friedr. Huck. Druck und Verlag von J. Frohberger in Erfurt.