Seite
259
Bei unserem Wandern durch die Gartenbauhalle gelangen wir
nun zu der von der Firma Chr. Lorenz-Erfurt ausgestellten grossen
Gemüsegruppe. Wir sehen da reichhaltige Sortimente von Bohnen,
Bindesalat, Winter-Endivien, Radieschen, Rettigen, Möhren, Speise¬
rüben, Gurken, Zwiebeln u. s. w. Von den Bohnen interessiert
uns die neue „Flageolet-Stangenbohne“, die wahrscheinlich eine
ebenso gute und reichtragende Stangenbohne sein dürfte als die
allbekannte alte Flageolet- eine reichtragende Buschbohne ist. Die
Radieschen fallen durch ihre Grösse und Schönheit auf und liefern
den Beweis, dass bei guter Kultur und feuchter, kühler Sommer¬
witterung Radieschen auch im Sommer gross und schön werden
können. Bindesalat und Winter-Endivien sind in grosser Stück¬
zahl und gut kultivierten Exemplaren vorhanden und mahnen uns,
diese in Thüringen noch so vernachlässigte Salatgattungen allgemein
anzubauen. Unter den vielen vorzüglich kultivierten Gemüsen ist
auch der neue, weisse Goliath-Kohlrabi bemerkenswert, von welcher
Sorte man sonst nur die ältere blaue zu Gesicht bekommt. Es ist
leider nicht möglich all’ die einzelnen Gemüsegattungen und -Sorten
hier ausführlich anführen zu können, zumal noch ein ganze Menge
solcher unserer Besichtigung, harren und genannte Firma auch in
dem erwähnten bedachten Hinterraume gleichfalls in grossartiger
Weise ausgestellt hat, und nur der zahlreichen, in Töpfen kultivierten
Tomaten oder Liebesäpfel muss noch Erwähnung geschehen. Es
sind grosse, mit Früchten behangene Pflanzen, die uns zu bedenken
geben, ob es in weniger wärmeren Lagen nicht zweckmässiger sei,
die Liebesäpfel statt im freien Lande, lieber in grossen Töpfen zu
kultivieren.
Wir gelangen nun zu der von C. Platz & Sohn-Erfurt aus¬
gestellten Gemüsegruppe. Sie enthält, gleich den Gemüsegruppen
der zwei genannten Grossfirmen, reichhaltige Sortimente von Ra¬
dieschen, Rettigen, Bohnen, Möhren, Zwiebeln, Gurken u. s. w. und
zeigt, dass diese altberühmte Firma, trotz des frühen Hinscheidens
ihres früheren Chefs, des geachteten und allgemein beliebten Franz
Siegling, nicht verwaist dasteht, sondern in treuen und guten Händen
liegt und freudig weiter blüht. Wir sehen hier unter anderen ein
Sortiment von 50 Küchenkräutern, darunter auch Erdmandeln und
Kraut, Schweinfurter grösstes.
(Aus der Gärtnerei von C. Platz & Sohn-Erfurt.)
Erdnüsse; von den ausgestellten Bohnen fallen die buntschotigen,
wie Erfurter Rubin, Forellen-Wachs-, blauschotige Butter- und die
Zuckerbrech- von Bulgarien auf; die erste hat hellrote, die zweite
gelbe karminrot gesprenkelte, die dritte ganz dunkel- oder
schwarzblaue, die letzte grün und schwarzgesprenkelte Schoten.
Da die nähere Beschreibung so ziemlich ein Wiederholen der zwei
letztvorgenannten Gruppen bedeuten würde, so wollen wir uns das
ersparen und nur noch der Petersilien- oder Kräutersäulen er¬
wähnen. Es sind dies hübsche, weissangestrichene, aufrechtstehende,
säulenartige, oben offene und an den Seiten mit Löchern versehene
Gelässe, welche mit Petersilienpflanzen und Erde gefüllt werden
und wo dann das Petersilien kraut oben und den Oeffnungen her¬
auswächst und zum Verbrauch abgeschnitten wird. Diese Säulen,
wenn mit grünender Petersilie bewachsen, sehen reizend aus. Auch
diese Firma hat in dem hinteren Ausstellungsräume noch eine
grosse Menge des schönsten Gemüses ausgestellt.
Die Firma Ernst Benary-Erfurt glänzt auf der Gemüse-Aus¬
stellung mit einer grossen Anzahl von Früchten der Eierfrucht
(,Solanum Melongea), des spanischen Pfeffers ( Capsicum annuum),
des Liebesapfels (Tomate) und Melonen. Diese reizend gefärbten,
lachend schönen Früchte sind nicht auf deutschem Boden gereift,
sondern stammen, wie ein Papiertäfelchen an zeigt, den in Süd-
Frankreich gelegenen Benary’schen Samenkulturen, zeigen von den
wärmeren Klima dieses Landes, und könnten einen deutschen
Gärtner solchen glücklichen Klimas halber beinah neidisch machen.
Zum vollständigeren Gelingen für mancherlei gärtnerische Kulturen,
wär für uns ein etwas wärmeres Klima oder eine vier Wochen
längere sommerliche Witterung allerdings recht wünschenswert, be¬
sehen wir uns aber die noch weniger als Deutschland vom Klima
begünstigten Länder an, so dürfen wir noch sehr zufrieden mit
unserem Klima sein, denn eine ganze Menge Gemüse- und Frucht¬
arten gelangen ja bei uns zur Ausbildung und Reife, und dann
darf auch nicht vergessen werden, dass gar manche Gemüse- und
Fruchtart, die bei uns ganz leicht gedeiht, in wärmeren Gegenden
im Anbau grosse Schwierigkeiten macht oder sich daselbst kaum
anbauen lässt, dass also die Bäume nirgends in den Himmel
wachsen. — Während der diesmalige kühle und nasse Sommer die
Entwickelung der Eierfrüchte, Liebesäpfel und auch des spanischen
Pfeffers hemmte und nur mässig grosse, zur Zeit noch unreife und
halbreife, seltener reife Früchte zeitigte, sind die von Benary aus
Süd-Frankreich ausgestellten vollkommen ausgebildet und reif. Die
Eierfrüchte haben zum grossen Teil die Grösse eines Kinderkopfes,
die mannigfach gestalteten Früchte oder Schoten des spanischen
Pfeffers sind glänzend hochrot oder orangegelb und die Liebes¬
äpfel zeigen durch Färbung und Weichheit ihre völlige Reife an.
Grosses Interesse erwecken auch noch die indischen Feigen, die
Früchte einer Cactusart, des Feigencactus (Opuntia); sie haben
einige Aehnlichkeit mit Stachelbeeren, sind aber viel grösser. Unter
den Melonenfrüchten befinden sich auch Wassermelonen, die,
weil Früchte dieser Melonenart auf deutschen Ausstellungen nur
selten Vorkommen, einer besonderen Erwähnung bedürfen. Die
übrigen Melonenfrüchte verbreiteten einen herrlichen iknanasgeruch,
der manchem Besucher in der Nase gekitzelt haben mag, doch ist
der Geschmack der Melonen nicht Jedermanns Sache, so dass viele
Deutsche einen guten Gurkensalat oder einige saure Gurken der
süsslichen Melone vorziehen. Erwähnung verdient noch eine neue,
rotfleischige Klettermelone u. die schlangen artige Frucht von Cucumis
fiexuosus, der hin- und hergebogenen Gurke, die Aehnlichkeit mit
einer zusammengerollten Schlange hat. Die übrigen von Ernst
Benary ausgestellten Gemüse sind zum grossen Teil dieselben, wie
wir sie in den Gemüseabteilungen der vorgenannten Aussteller schon
gesehen haben, dagegen sind verschiedene Zwiebeln wie: Riesen-
von Rocca und weisse platte Mammuth- etc. wegen ihrer Grösse von
Interesse. Das Aeussere dieser riesigen Zwiebeln deutet gleichfalls
darauf hin, dass selbige in einem südlicheren Lande gezogen worden
sein dürften. Bemerkenswert in der Benary’schen Gruppe ist unter
anderen auch noch der „böhmische Strunk-Kohlrabi“, eine Sorte,
wo die fleischige, zum Verspeisen taugliche Verdickung nicht so
wie bei anderen Sorten rundlich oder kugelgestaltig, sondern von
länglicher Gestalt, ca. 30 cm lang ist.
Die weit und breit, namentlich auch in landwirtschaftlichen
Kreisen bestens bekannte Firma N. L. Chrestensen-Erfurt, hat ihre
haupsächlichsten Ausstellungsgegenstände in der Hinterhalle unter¬
gebracht und zeigt in der Gartenbauhalle reichhaltige Sortimente
von Bohnen, Zwiebeln, Gurken u. s. w., sodann noch herrliche,
abgeschnittene Blumen, über welche nächstens mit berichtet werden
wird.
J. Döppleb-Erfurt hat eine grosse Menge der schönsten Treib¬
gurken und diese in reicher Sortenzahl ausgestellt, darunter eine
ganze Menge riesiger Früchte von Noas Treib-, und imponiert
durch diese ganz besonders. Recht auffällig ist in der Döppleb’schen
Abteilung ein Teller mit zahlreichen, reifen Liebesäpfeln (Tomaten)
von mitteler Grösse und hochroter Färbung. Die Früchte stammen
von der Sorte „Ficarazzi“, die im Döppleb’schen Hauptverzeichnisse
als reichtragend, als die früheste und beste für das hiesige Klima
bezeichnet wird. Diese Vorzüge scheinen die ausgestellten Früchte
zu bestätigen, denn bedenkt man unsern diesjährigen, für das Reifen
der Liebesäpfel, so ganz ungünstigen Sommer, in welchem diese
Sorte trotzdem zu solcher frühen Reife gelangte, so muss man ihr
die allgemeinste Verbreitung wünschen. Merkwürdig ist die von
genannter Firma ausgestellte „Kronenzwiebel“, indem diese an ihren
Blütenstengeln statt Samen kleine Zwiebeln von der Grösse einer
mittleren Steckzwiebel trägt, die von scharfen Zwiebelgeschmack
sind, für die Küche Verwendung finden und auch wieder zur Fort¬
pflanzung dienen. Dann sehen wir neben anderen Melonenfrüchten
auch eine Frucht der Gurkenmelone; diese ist lang und gerade
und hat Aehnlichkeit mit einer weissfrüchtigen, sich der Reife
nähernden Schlangengurke, ist aber leicht gefurcht oder gerieft.
Die anderen Gemüsesorten wollen wir, um den Bericht nicht allzu
sehr auszudehnen, übergehen und nur noch „Döppleb’s frühen
Treib-Kohlrabi“ erwähnen. Es ist dies eine Sorte die wenige und
nur kleine Blätter macht und dieserhalb eine der allerbesten zum
Treiben, doch auch zur Freilandkultur gleichfalls vorzüglich ist.
Neben Döppleb’s Abteilung finden sich eine grosse Menge