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riesiger Rhabarberstiele, von der Sorte „Viktoria“, deren Aussteller
Jac. Sturm-Erfurt ist.
Alsdann gelangen wir zur Abteilung der Firma Ferdinand
Jühlke Nachfolger (Inhaber Otto Putz) - Erfurt. Auch diese solide
und strebsame Firma hat die meisten ihrer ausgestellten Gemüse
mehr in der hinteren Halle untergebracht, ist in der Gartenbau-
Halle mit Sortimenten schöner Gurken, Kohlrabi, Salatrüben u. s. w.
dann auch noch mit abgeschnittenen Florblumen und Pflanzenneu¬
heiten vertreten. Ueber alles dieses kanr erst nächstens berichtet
werden.
Nunmehr kommen wir zur Abteilung der weltbekannten Firma
J. C. Schmidt-Erfurt. Dieselbe bietet im Allgemeinen eine Wieder¬
holung der schon gesehenen Gemüse, doch sind die Kohlarten in
Töpfen gepflanzt ausgestellt, was recht gut aussieht. Von den vielen
Gurken sind eine grosse Anzahl schöner Klettergurken bemerkenswert;
ein Teil der Früchte ist im Treibhause getrieben, der andere im
Freien gezogen worden, beide sind von schöner regelmässiger Form,
einer hübschen Mittellänge; desgleichen sehen wir auch weisse
Früchte der Klettergurke und sodann auch solche einer ganz neuen
Treibgurke, die jedoch noch keinen Namen hat und durch eine
Befruchtung zwischen Noa’s Treib- u. Prescot-Wonder hervorgegangen
sein soll. Es sind eine reiche Anzahl Früchte dieser Neuheit aus¬
gestellt worden, alle von fast gleichmässiger Grösse, lang und schlank
wie Cervelatwürste. Das Freiland-Gurken-Sortiment ist gleichfalls
gut vertreten, so auch das der Zwiebeln, welches wohl mit zu den
besten zählen dürfte.
Ludwig Lohfeld - Erfurt hat sehr gut kultivierte Karotten,
Zwiebeln. Winter-Endivien, alle in verschiedenen Sorten, alsdann
auch noch ein Sortiment Eierfruchtgewächse in Töpfen, Liebesäpfel
und Bohnen ausgestellt; seine Hauptausstellungsgegenstände befinden
sich jedoch in dem erst später aufzusuchenden Hinterraume. Die
Gemüse dieser Gemüsegärtnerei sind vorzüglich und selbst auch die
Eierfruchtgewächse sind trotz unseres ungünstigen Sommers sehr
gut entwickelt.
H. W. Müller, Mühlenbesitzer in Erfurt, ist der einzige Privat¬
mann, welcher sich an der Gemüseausstellung beteiligt hat, nämlich
mit Rhabarber und 5 Sorten Speise-Kartoffeln, darunter die „Kreuz-
Kartoffel“, auch „Kannewurfer“ genannt; es ist dies eine ergiebige
und wohlschmeckende Spätsorte und die für den Erfurter Markt
gangbarste Speisesorte, die eine allgemeine Verbreitung verdient.
Gottfried Haage sen., eine alte, gut renommierte Gemüse¬
gärtnerei, hat schöne Treib-Gurken, darunter „neue, chinesische,
weisse Riesenschlangen“ und Viktoria-Rhabarber ausgestellt. Gilt
schon die alte, blassgrüne, chinesische Schlangengurke als eine der
besten Freilandgurken, so dürfte wohl auch diese neue, weissfrüch-
tige mit hinzu zu rechnen sein.
Die Firma Oskar Knopff & Co. die in der hinteren Halle
reichhaltige Sortimente der schönsten Gemüse ausgestellt hat, ist in der
Gartenbauhalle mit Sortimenten von Stangen- und Buschbohnen,
Treibgurken, Speiserüben, Möhren, Zwiebeln, Porree, Radieschen,
Rettigen u. s. w. vertreten, glänzt aber in dieser in hervorragender
Weise durch abgeschnittene, frische oder lebende Blumen, auf welch’
alles wir später zurückkommen werden.
Franz Anton Haage, eine der ältesten und solidesten Erfurter
Gärtnerfirmen und bestens bekannt wegen guter Gemüsesämereien,
hat Sortimente von Bohnen, Zwiebeln, Möhren, Kraut, Wirsing,
Kohl, Kopfsalat, Petersilienwurzel, darunter auch die von dieser
Firma gezüchtete „Ruhm von Erfurt“ ausgestellt und kommt gleich¬
falls im hinteren Ausstellungsraum mit allerlei Gemüsen nochmals
zum Vorschein.
Dies wär so ein flüchtiger Bericht über die Gemüse in der Garten¬
bauhalle, der trotz seiner Flüchtig- oder Oberflächlichkeit doch lang
genug geworden ist. Ueber die in genannter Halle ausgestellten,
abgeschnittenen, lebenden Blumen, so auch einige Pflanzen, sodann
auch über die hinter der Gartenbauhalle ausgestellten Gemüse,
Kartoffeln u. s. w., ebenso über die Prämiierungen werden also
weitere Berichte folgen. Fassen wir aber das Gesamtresultat zu¬
sammen, so ergiebt sich, dass sowohl die Gemüse-Ausstellung, als
auch die von abgeschnittenen Blumen, was Reichhaltigkeit der
Sorten, Güte und Schönheit betrifit, beide, trotzdem es nur Sonder¬
ausstellungen sind, dennoch mit zu den gelungendsten zählen, was
im Ausstellungswesen bisher in Erfurt geboten worden ist.
Nachträglich sei noch erwähnt, dass zwischen die zu anfangs
erwähnten Gruppen von W. Grün-Ingersleben und Richard Streuer-
Kranichfeld von Adolph Stolze-Eisleben eine Gemüsegruppe, be¬
stehend in einem äusserst reichhaltigen Bohnensortiment und von
Karotten eingeschaltet worden sind.
Aufruf!
Am 7. August entlud sich über Berlin und Umgegend ein
heftiges Gewitter, das, von einem cyklonartigen Sturmwind eingeleitet,
durch schweren Hagelschlag entsetzlichen Schaden angerichtet hat.
Die zahlreich in dem so arg betroffenen Striche belegenen Gärtnereien
gewähren ein trauriges Bild grässlicher Verwüstung. Die Obsternte
ist so gut wie vernichtet, das Formobst auf Jahre hinaus ruiniert.
Die wenigen an den Bäumen gebliebenen Früchte sehen aus wie
mit Steinen zerhackt. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, an
vielen starke Aeste zersplittert und auf der Windseite zeigen alle
die Narben des Hagelschlags, zudem sind sie mehr oder weniger
entlaubt. Ausgedehnte prächtige Georginen- und Asternkulturen,
Gladiolen, Lilien und unzählige Topfgewächse sind völlig zerschlagen.
Die Scheiben der schützenden Fenster sind, selbst da wo sie mit
Rohrdecken etc. belegt waren, zertrümmert. Die Pächter des Riesel¬
landes, vielfach Gärtner, sind meist um ihre ganze Habe gebracht.
Es ist nicht möglich, hier alle Details der furchtbaren Ver¬
heerungen zu verfolgen, die in einer so kurzen Spanne Zeit über
sonst lachende Fluren hereingebrochen sind. Jammernd stehen
zahlreiche Gärtner, vielfach Mitglieder unseres Vereins, an dem
Grabe ihres Vermögens, an dem Rande ihrer Existenzfähigkeit.
Wahrlich, wer die Verwüstungen gesehen hat, der wird sich des
Mitgefühls nicht erwehren können.
Wir richten deshalb an alle Gärtnereibesitzer und Liebhaber
die dringliche Bitte, die so arg Geschädigten durch Ueberlassung
irgend entbehrlicher Pflanzen, Stecklinge u. s. w. thunlich
unterstützen zu wollen. Zum Zwecke entsprechender Verteilung
bitten wir derartige Beiträge nach Zahl und Art zunächst dem
Genaralsekretariate des Vereins nur anmelden zu wollen, damit der
Versandt dann direkt an die betreffenden Adressen erfolgen kann.
Helfen zu können in der Not, ist sicherlich das schönste
Bewusstsein des Menschen. Wohlan, möge es sich auf’s Neue be-
thätigen; tragen wir dazu nach besten Kräften bei, unseren Freunden,
Vereinsmitgliedern, Berufsgenosseu, Mitbürgern die schwere Stunde
zu erleichtern!
Der Vorstand und die vereinigten Ausschüsse
des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues.
I. A.: Perring.
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Kosten und Ertragsbereehnung
für einen Gemüsegarten.
Wer in der Gemüsezucht nicht sehr erfahren ist, kauft gar
oftmals die zu verbrauchenden Gemüse billiger auf dem Markte, als
er sie durch Selbstanbau zu erlangen vermag und ist da der
Meinung, dass die Gemüsezucht unrentabel sei. Dass sie solches aber
nicht ist, sie sogar lohnend ist, beweisen unsere Gemüsegärtner
und Gemüsebauern, die durchschnittlich ein gutes Auskommen,
oftmals ein besseres als manche Blumengärtner haben. Soll sich
die Gemüsezucht lohnend gestalten, so muss der Boden gut und
dennoch nicht zu teuer, und Dünger und Arbeitslöhne dürfen
gleichfalls nicht zu hohe sein und an Wasser zum Giessen darf es
auch nicht fehlen. Guter Boden steht zwar in Städten und in
der Nähe dieser höher im Preise, als auf dem Lande, dafür sind
aber in der Stadt die Gemüse teurer und auch viel leichter abzu¬
setzen als auf dem Dorfe, so dass, trotz höherer Bodenpreise, die
Gemüsezucht hier lohnender als auf dem Lande ist, indessen lässt es
sich aber nicht leugnen, dass gar oftmals die Gemüsezucht in der Stadt
teuerer zu stehen kommt. — Die Arbeitslöhne verteuern die Pro¬
duktion ganz erheblich, dazu kommt noch, dass die Arbeiter oft¬
mals faul oder ungeschickt sind und 3 mal so viel Zeit zu einer
Arbeit verwenden, als oft nötig ist. Es ist darum anzuraten, nur
die allergröbsten Arbeiten, wie Mistfahren und Graben, gegen Ar¬
beitslohn verrichten zu lassen, die leichteren aber selbst auszuführen;
der Reinertrag wächst so meist auf das Doppelte.
Dr. Ed. Lucas giebt nun in seinem Buche „Der Gemüsebau“
(Verlag von J. B. Metzler in Stuttgart) eine Kosten-Ertragsberechnung
für einen Gemüsegarten, die, wenn sie auch nicht für alle Ver¬
hältnisse passt, doch als Anhaltepunkt gelten kann:
„Eine sehr zweckmässige Einrichtung ist es, um sichere Anhalts¬
punkte und eine leichte Berechnung der Kosten und des Ertrags
eines Gemüsegartens zu haben, sagt er, wenn man die Beete des
Gartens gleich gross anlegt.
Ein sehr schönes Verhältnis ist ein Beet von 1, 0 m Breite
und 8, 30 m Länge, welches inkl. des o, 30 m breiten Fusswegs I2, 50