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Obstpyramiden-Gärten und saubere Gemüse-Abteilungen vollenden
diese modernen, hochvornehmen und geschmackvollen Anlagen, die
eine Zierde Roms, leider wenig zugänglich sind.
Feierlich senkte sich die Nacht hernieder über die Riesenpaläste,
feierliche Stille ringsumher, denn das Getöse der Weltstadt dringt
kaum bis zu diesen Höhen, und blauer und violetter Nebeldunst lag
auf den Hügeln Roms, als die Thore des Vaticans sich hinter dem
dankbaren Wanderer schlossen. (Die Gartenwelt.)
Heinrich VI. als Gärtner.
In seinen Werken gedenkt Heinrich Zschokke unter anderen
auch der ersten Liebe Heinrichs IV. und erzählt, wie dieser aus Zu¬
neigung für ein junges, schönes Mädchen, Beete anlegte und Blumen
pflanzte. Er hatte dasselbe bei einem Armbrustschiesseu kennen gelernt:
Als nämlich alle Pomeranzen, die den Schützen als Zielscheiben dienen
mussten, durch die Schüsse unbrauchbar geworden waren, und
Heinrich, gereizt durch die wohlgezielten Schüsse anderer Schützen,
einen Beweis seiner Treffsicherheit geben mochte, und nach einem
Zielgegenstand suchte, gewahrte er unter der Menge der Zuschauer
ein Mädchen, die an ihrer Brust eine Rose trug. Es war eine Rose,
sagt Zschokke, „wie das Mädchen selbst, in anmuthiger Fülle noch
halb geschlossen, zart gewölbt mit blassen Blättern um den hochroten
Mittelpunkt“.
Heinrich bat um diese Blume. Das Mädchen errötete und gab
ihm lächelnd ihr Ebenbild. Er lief damit zum Ziel, steckte die Rose
auf und ging zurück zum Schützenplatz. Der Herzog Guise, der
nach dieser Rose schoss, fehlte dieselbe, Heinrichs Pfeil aber durch¬
bohrte das Herz der Blume. Die durchschossene Rose sass am Pfeil
fest wie eine Blume um ihren Stiel. Er flog damit zu dem artigen
Mädchen, um ihr die Rose mit dem Pfeil zurückzugeben.
„Euer Geschenk brachte mir Glück!“ sagte er zu den Mädchen.
„Euer Glück war aber das Unglück der armen Rose!“ erwiederte
dieses, indem sie die Blume vom Pfeil zu befreien suchte.
Das Spiel war aus. Die Schützen zogen sich ins Schloss zu¬
rück; die Zuschauer gingen auseinander. Das junge Mädchen, mit
der durchbohrten Rose am Pfeil, begab sich, begleitet von ihren Ge¬
spielinnen, auch hinweg. Diese plauderten gar viel und beneideten
die Kleine. Diese aber war ganz stumm und betrachtete nur die
durchbohrte Blume; und sah dabei aus, als wär ihr eigenes Herz
durchbohrt. Heinrich, als er auf der Treppe des Schlosses stand,
suchte unter den Zuschauern nochmals das Mädchen zu entdecken,
doch vergeblich.
Er hatte nun keftie Ruhe mehr. „Wer ist das kleine artige
Mädchen? so frug er einen Edelmann seiner Mutter, der Königin
Johanna.“ „Es ist die Tochter des Schlossgärtners“ antwortete dieser
„und macht dem Berufe ihres Vaters wie sich selbst mit ihren Namen
alle Ehre. Jetzt heisst sie Florette und ist sie älter, Flora.“ „Florette“
sagte Heinrich und wusste selbst nicht, was er sagte. Er sah sich
nochmals um und wusste doch, es war nichts zu sehen.
Heinrich lief, sobald er sich im Schlosse frei machen konnte,
im Schlossgarten herum und betrachtete alle Blumen mit grösster
Liebe und Aufmerksamkeit, um schon aus ihrer Schönheit zu erkennen,
ob Florette sie gepflanzt und gepflegt habe. Er wäre am liebsten ein
Gärtner an Florettens Seite geworden. Das Mädchen aber konnte
den ganzen Tag nicht aus den Träumen von dem Augenblick erwachen,
da er vor ihr stand mit dem Pfeil, und die ganze Nacht konnte sie
nicht einschlafen. Bei beiden war die Liebe ins junge Herz ein¬
gezogen.
Es durchschauerte Heinrich, als er am Ende des weiten Schloss¬
gartens, nahe beim Born de la Garenne, die Wohnung des Schloss¬
gärtners, Florettens Vater, erblickte. Er näherte sich dem kleinen,
weissen, niedlichen Häuschen, es war aber niemand da am Fenster, als
sein Pfeil in der Rose. Da erschrak er, drehte sich schnell um und
lief in den Garten zurück und hatte Herzklopfen, und es verfolgte
ihn doch niemand! Nun gaukelte ihm den ganzen Abend das Bild
des Mädchens vor seinen Augen. Es war im Schlosse ein kleiner
Ball veranstaltet; die Fürstinnen, die Edelfräulein, die Herren alle
tanzten. Aber kein Fräulein tanzte so schön vor Heinrichs Ein¬
bildungskraft als das Gärtnermädchen. Und wenn er selbst mittanzte,
sah er sich weniger nach seiner Tänzerin als immer nach der Thiire
um, wo die Zuschauer standen. Er sah sich aber vergebens um.
Anderen Tages war Heinrich schon früh im Schlossgarten. Da
wanderte er mit den Grabscheit auf der Schulter zum Garenne-Brunnen.
Denn rings um den Brunnen war es gar zu verwildert und vernach¬
lässigt; vermutlich, weil niemand dahin kam, als wer Wasser
holen wollte.
Er grub rings einen weiten Kreis im grünen Rasen um den
Brunnen, und grub den ganzen Morgen. Der Schweiss träufelte ihm
von der Stirn. Und wenn er müde und durstig ward, giug er zum
Brunnen, der immer silberklar sprang, und trank. Von der Arbeit
begab er sich in das Schloss. Da sass er nun traurig in seinem grau¬
grünen Zimmerchen mit den spitzgewölbten Fenstern.
Wär er nur noch ein Viertelstündchen länger geblieben, so
hätte er einen Zuschauer gehabt, denn Florette kam zum Brunnen.
Und als sie den weiten umgegrabenen Kreis im Rasen erblickte und
die Anlage zu neuen Blumenbeeten sah, dachte sie: Der Vater muss
schon früh auf gewesen sein, oder liess er es durch die Knechte thun?
Wie sie nun heimkam und den alten Vater fragte, that dieser
sehr verwundert und wusste von allem nichts. Er begab sich zum
Brunnen und sah die Arbeit und sprach erzürnt: ,,Das haben meine
Burschen ohne mein Geheiss gethan.“ Und er liess die Gärtner¬
burschen kommen und schalt sie. Aber da wollte es keiner gethan
haben. Das ging dem Vater durch den Kopf und er begriff
nicht, wer es wage, ihm im Schlossgarten in sein Amt zu pfuschen.
Also beschloss er, sich auf die Lauer zu stellen. Er lauerte richtig
den ganzen Tag, erlauerte aber nichts. Denn die königliche Familie
war auf ein benachbartes Schloss gereist und kam erst spät Abends
zurück. Der junge Fürst wäre gern daheim geblieben. Folgenden
Morgens war wieder ein anderes Fest und der junge Fürst durfte da¬
bei nicht fehlen. Darum benutzte er die frühesten Stunden zur
Gärtnerei; da grub er und rechte die neuen Beete ebeD, nahm Blumen¬
stöcke, wo sie im Garten zu dicht standen, und pflanzte sie um den
Gartenqueil. Es sah ihn niemand, und was noch betrübter war,
er sah auch niemand, am wenigsten die, die er gern gesehen hätte.
(Schluss folgt.)
Blumenpflege in Haus und Garten.
Woran erkenst Du die schönsten Blumen ?
An ihrer Blüte!
Woran erkennst Du die besten Menschen?
An dem Gemüte!
Stell’ eine Blume vor das Fenster Dein,
So lässt sie Dir keine bösen Gedanken herein,
Steck’ vor Deine Brust einen Blumenstrauss,
So gehst du all’ Weg mit einem Engelein aus.
Rätsel.
In eines Strauches Schatten
Schläft Hans gar sanft und süss,
Er träumt von seiner Grethe,
Träumt sich in’s Paradies.
Da naht Feinsliebchen leise,
Weckt ihn aus seiner Ruh
Und ruft des Strauches Namen
Dem Träumer liebend zu.
Da lächelt froh der Bursche,
Erhebet sich geschwind,
Raubt einen Kuss dem Liebchen,
Nennt es sein golden Kind.
Wie ruft die Maid den Schläfer?
Wie heisset jener Strauch ?
Auf unser’n Heimatfluren
Siehst, Leser, du ihn auch.
(Häuslicher Ratgeber.)
Goldkörner aus Jeremias GotthelPs Werken.
Das wahre Glück des Menschen ist eine zarte Blume; tausender¬
lei Ungeziefer umschwirrt, ein unreiner Hauch tötet sie. Zum Gärtner
ist ihr der Mensch gesetzt, sein Lohn ist die Seligkeit; aber wie
Wenige verstehen ihre Kunst, wie viele setzen mit eigner Hand in
der Blume innersten Kelch der Blume giftigsten Feind; wie Viele
sehen sorglos zu, wie das Ungeziefer sich ansetzt, haben ihre Lust
daran, wie dasselbe nagt und frisst, die Blume erblasst! Wohl dem,
welchem zu rechter Zeit das Auge aufgeht, welcher mit rascher Hand
die Blume wahret, den Feind tötet; er wahret seines Herzens Frieden,
er gewinnt seiner Seele Heil, und beide hängen zusammen wie Leib
und Seele, wie Diesseits und Jenseits.
Dem fliegenden Blumenstaub gleichen alle Worte: sie sind
Geister der Lüfte, fliegen im Winde, hängen in Menschenuhren sich
und lassen sich tragen, wohin ihre Füsse gehen, lassen sich absetzen,
wo sie stehen und sitzen, keimen und wuchern, und wer sie hergetragen,
vergisst man.
Es ist ein beträchtlicher Unterschied zwischen halb- und ganz
reifen Früchten — überhaupt zwischen halb- und ganz reifen Menschen.
In einer Schule wird mancherlei ausgesäet, aber, was aus jedem
Samenkorn wird, — das lehrt erst das Leben.
Verantwortlicher Redakteur: ITriedx. Huck« Druck und Verlag von J* irob-oergrer in Erfurt#