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Jahre hindurch von meinem Freunde Prot. Alex. Oramay aus Sieben¬
bürgen erhalten habe, und welche bis dahin nur in Siebenbürgen nnd
im südlichen Russland gefunden worden ist. Obwohl ich der Sache auf
den ersten Blick beinahe ganz sicher war, so erschien die Sache doch
so unglaublich, dass es angezeigt erschien, die Corpora delicti mit den
Typen des Budapesler Nationalmuseums zu vergleichen. Das Resultat
war dasselbe. Nun wandte ich mich au Prof. Ormay mit der Frage, wo
und unter welchen Umständen er in Siebsubürgen Baris carbonaria ge¬
funden habe? Seine Antwort lautete dahin, das der Käfer in der Nähe
von Nagy-Szeben (Hermannstadt) in den Gemeinden Szelindek und Szt.-
Erzsebet vorkommt, jedoch ausschliesslich nur auf Crambe tatarica Jacq.
Diese Cruciferenart wächst auf Aeckern und in Weinbergen von Mähren
uud Ungarn, sowie in der Tatarei, und ihre fleischige Wurzel, ebenso
wie ihre Sprossen werden als Gemüse bezw. als Salat genossen. Die
botanischen litterarischen Angaben stellen sie als eine Hauptnahrung der
in den Wüsten reisenden Tataren hin, und vielleicht ist sie auch mit der
sogenannten Chara Caesaris (Caes. B. civ. III 48) identisch, welche die
Mannschaft Julius Caesars in Kleinasien anstatt Brot (mit Milch) ge¬
nossen hat. (Jos. Fr. Jacquin. Eciogae plantarum rariorum.)
Nach allem diesem scheint also der tarische Meerkohl die bevor¬
zugte Hauptnahrung von Baris carbonaria zu sein, und nur die grösste
Not dürfte den Rüssler veranlassen, eine andere Nährpflanze, in unserem
Falle den Gartenkohl, anzugreifen. So ist es erklärlich, dass er als Kohl¬
schädling bis zum oben erwähnten Fall sich noch niemals präsentiert hat.
Es ist aber nun gewiss, dass er in Gegenden verschleppt, wo seine ur¬
sprüngliche Nahrung nicht vorhanden ist, ein arger Schädling der
Kohlarten werden kann. Andererseits aber, wenn er die Crambe
tatarica unter allen anderen Cruciferen bevorzugt, könnte er eben
durch diese Pflanzenart vom Gartenkohl wieder zurückgelockt werden.
Die Anwendung von Locknahrung, d. h. von Pflanzen, welche die
Gefahr von anderen Pflanzen ableiten und auf sich ziehen, ist eigentlich
eine uralte. Um ein ganz alltägliches Beispiel zu wählen, wollen wir nur
auf die wohlbewährte Praxis hinweisen, vermittelst welcher der Hasen-
frass im Winter von den Bäumen abgeleitet werden kann. Mau pflanzt
zu diesem Zwecke iu Obstgärten und Baumschulen gewöhnlichen Kohl, den
die Hasen arsserordentlich lieben und sogar aus tiefem Schnee heraus-
scbarren. Wird der Schnee allzuhoch oder sind Parke mit Zierbäumeu
und Gesträuchen zu schützen, wo natürlich im Sommer kein Kohl ge¬
pflanzt werden kann, so werden im Winter in bestimmten Zeitpunkten
Kohlköpfe hinausgeworfen; die Hasen, durch diese Nahrung gesättigt,
werden dann die Bäume viel weniger oder gar nicht benagen. Auch die
Forstleute kennen die Kunstgriffe mit den Fangbäumen, welche die
Tomiciden anlocken, sehr gut. Fangpflahzen werden im Kampfe gegen
Heterodera Schachtii (die Nematoden-Wurmart ? welche die „Rübenmüdig¬
keit“ des Bodens verursacht/' angewendet, ebenso wie die Fang- oder
Locksaaten gegen die Hessenfliege u. s. w. Wenn man die Lebensver-
hältnisse und -Gewohnheiten der Insekten schärfer beobachten und ins
reine bringen wird, werden auch diese Bekämpfungsweisen zu noch höherer
Bedeutung gelangen.
Bei der nächsten Gelegenheit werde ich noch einige andere dies¬
bezügliche Beobachtungen, namentlich aus meiner eigenen Praxis, mitteilen.
(Illustrierte Wochenschrift für Entomologie.)
Die Pflanzen der Malereien von Pompeji.
In den Malereien, welche noch jetzt die inneren Wände der
pompejanischen Häuser schmücken, befinden sich sehr häufig Darstellungen
von Pflanzen oder Pflanzenteilen, die zum grössten Teile der Natur treu
nachgeahmt sind und daher von dem Botaniker mehr oder minder leicht,
nach ihrer Art bestimmt werden können. Der Professor der Botanik an der
landwirtschaftlichen Hochschule zu Portici, Orazio Comes, hat sich ein¬
gehender mit der Entzifferung der pompejanischen Wandgemälde, soweit
sie die Botanik betrifft, beschäftigt. Er stellte die besonders im Hinblick
auf die üppigreiche Vegetation der Umgebung von Pompeji auffällige
Thätsache fest, dass die Anzahl der dargestellten Pflanzenarten relativ
gering ist. Hierzu trug jedenfalls die Gewohnheit bei, den Inhalt der
Malereien, wo es anging, der Bestimmung der Räume anzupassen; so
sind in den Trinklinien die Wände mit herrlichen Früchten bemalt, in
den Viridarien mit Obstbäumen, Gartengewächsen etc. Ausserdem durfte
der Künstler in Pompeji bei der symbolischen Verwendung von Pflanzen,
namentlich in den mythologischen Bildern, einen Kranz, ein Gewinde
u. dergl. nicht mit ganz beliebigen oder gar mit rein phantastischen
Blättern und Blüten malen, sondern er musste für seine Darstellung
bestimmte Pflanzen wählen, die deutlich das Symbol trugen, das sich
auf die dargestellte Scene bezog. Nur in den Malereien der Gesimse und
Ornameutstreifen entfernte sich der Künstler zuweilen von der Natur;
immerhin behielt jedoch seine Darstellung das Gepräge der Wahrheit
bis zu einem gewissen Grade. Die Zahl der von Comes aus den Malereien
bis jetzt sicher festgestellten Pflanzenarten ^beträgt 50. Es sind dies:
Apfelbaum, Birnbaum, Quitte, Dattelpalme, Granatbaum, Sauerkirsche,
Pinie, Edelkastanie, Mandelbaum, Pfirsich, Feige, Walnuss, Maulbeerbaum,
Oelbaum, Platane, Eiche, Akazie, Tamarinde, Cypresse, Oleander,
Damascener Rose, Mäusedorn, Myrte, Lorbeer, Epheu, Weinstock,
Weizen, Durrha, Klatschmohn, Kornrade, Wucherblume, Spargel, Sau¬
bohne, Melone, gemeiner Kürbis, Flaschenkürbis, Dichternarzisse, gemeine
Narzisse, floientinische, deutsche und gelbe Schwertlilie, Siegwurz, Seerose,
Bärenklau, Aloe, Stockrose, Schilfrohr, Virgilsaster, Papyrusstaude und
der Reizkerpilz. (Oesterreichisehes Landwirtschaftliches Wochenblatt.!
Die verbotene Frucht
oder der Eva-Apfelbaum auf der Insel Ceylon.
Die Insel Ceylon liegt zwischen dem sechsten und zehnten Grad
nördlicher Breite; der Winter ist daher dort gänzlich unbekannt und den
Sommer dieses Himmelstriches könnte man einen immerwährenden nennen.
daher ist auch der Reichtum und die Verschiedenartigkeit der Naturprodukte
hier unbeschreiblich gross, obgleich, was sehr merkwürdig ist, der Boden
in der dortigen Gegend äusserst wenig vegetabilische Stoffe enthält, welcher
Umstand wahrscheinlich dem sehr heissen Klima zuzuschreibeu ist, wo¬
durch die Zersetzung sehr schnell bewirkt wird, sowie auch den häufigen
Regen, die das Ansammeln der Dammerde vereiteln. Der Boden besteht
nach l)r. Davy aus einer Ablagerung von Gneis, Granit oder Thoneisen¬
stein; an manchen Orten bestehen neun Zehnteile des Ganzen aus Quarz.
Hiervon ist der grosse Zimmetgarten in der Nachbarschaft von Colomba
ein besonderer Beleg; au manchen Orten ist die Oberfläche des Bodens
so weiss wie Schnee, indem sie blos aus Quarzsand besteht; wenige
Linien unter der Oberfläche, in welche die Wurzeln der Pflanzen dringen,
ist der Boden von grauer Farbe und nach vorgenommeuer Analyse hat
sich gezeigt, dass er aus mehr als achtundneunzig Teilen Kieselerde
und blos einem Teile vegetabiliseher Stoffe bestand.
Man sollte sich daher wundern, wie der Zimmetbaum iu so ärm¬
lichem Boden gedeihen kann, doch dieser Erfolg ist dem Zusammen¬
wirken noch anderer Umstände zuzuschreiben.
Die Eigenheiten des Klimas auf Ceylon machen es auch erklärlich,
wie die Produkte an den entgegengesetzten Küsten so sehr von einander
verschieden sind; so ist z. B. die Palmyrapalme ( Borassus flabelliformis),
die in dem nördlichen Teile so allgemein gepflegt wird, im Süden kaum
zu finden, wogegen die Kokospalme ( Cocos nucifera), die im Süden eine
Art fortlaufenden Gartens bildet, im Norden nicht vorkommt; überhaupt
gedeihen alle Pflanzen, die einen nassen Boden fordern, am besten auf
der südwestlichen Seite, diejenigen, die einen trockenen nötig haben, nur
im Norden und Nordosten der Insel.
Die aus Samen angezogenen europäischen Pflanzen arten hier sehr
bald aus und in wenigen Jahren sind die Erzeugnisse davon so unbe¬
deutend, dass, um ihre Güte zu erhalten, die Einführung fast jährlich
erneuert werden muss; dagegen blühen einige der einheimischen Pflanzen
in wundervoller Schönheit.
Der Geologie (Gebirgslehre) und Mineralogie von Ceylon ist uocb
nicht jene Aufmerksamkeit gewidmet" worden, die sie verdienen, dieselbe
Bemerkung lässt sich auch auf die übrigen Zweige der Naturgeschichte
dieser schönen Besitzung Englands anwenden.
Die botanische Merkwürdigkeit, von der wir reden wollen, ist be¬
schrieben in einer Abhandlung Alexander Johnstcnes, der aut dieser
Insel Geschichtsforschungen über Bäume, Pflanzen und andere vegetabi¬
lische Produkte voruahm, an welche sich irgend ein religiöses, politisches
oder moralisches Interesse der eingeborenen Hindus, Buddhisten, Muha-
medaner oder der früheren Christen knüpfte.
Auf Veranlassung dieses Engländers wurde unter anderen treff¬
lichen Einrichtungen auf Ceylon im Jahre 1810 auch ein botanischer
Garten in der Nähe von Colombo, der Hauptstadt der Insel, angelegt;
er übersetzte ferner das «Linneische System in die siughalesische und dm
Tamul-Sprache und Hess mehrere fähige Eingeborene in der Botanik
unterrichten.
Der Aufseher dieses Gartens, Herr Moon, ordnete die Pflanzen
nach dem Systeme und gab einen schätzbaren Katalog von allen auf
Ceylon wachsennen in englischer und singhalesischer Sprache heraus. In
diesem Kataloge erscheint ein merkwürdiger Baum unter dem Namen:
,,Tabernaemontana dichotoma u , (Apocynaceae). Die Eingebornen nennen
ihn Diwi Kaduru und es giebt neun Arten desselben. Kaduru heisst in
der Landessprache „verboten“, Diwi „Tiger“.
Der Baum kommt in niedrigen Gegenden in einem leichten ge¬
mischten Boden fort und findet sich in der Nähe von Colombo. Die
Blüte dieses sonderbaren Gewächses giebt einen angenehmen Duft von
sich und ist der Geruch wohlthuend. Die Farbe der Frucht, welche auf
eine ungewöhnliche uud auffallende Art von den Zweigen herabhängt,
ist sehr schön, aussen orangegelb, innen dunkelrot; die Frucht selbst
hat das sonderbare Aussehen, als ob ein Stück herausgebissen wäre.
Dieser Umstand und weil sie zugleich ein tötliches Gift in sich enthält,
veranlasste die Muhamedaner, sie bei der Entdeckung Ceylons die ver¬
botene Frucht aus dem Gauen Eden zu nennen; denn obgleich sie sehr
scfiön und von anlockendem Aeussern ist, so ward sie doch nach ihrer
Meinung deshalb mit dem Merkmale von dem Bisse Evas bezeichnet, um
die Menschen zu warnen, sie zu berühren, da sie so schädliche Eigen¬
schaften in sich enthält. — K. — (Gartenflora.)
Um den Europäern
tropische Klimate erträglich zu machen,
empfiehlt T. C. Patterson die Einimpfung des Blutes gesunder Eingeborener
in den Körper eines weissen Mannes, welches ihm dann den mörderischen
tropischen Fiebern besser widerstehen lässt. Eine derartige Blutüberführung
aus einem in den anderen Körper, wie sie in Zentral-Afrika sehr ge¬
bräuchlich ist, besteht nach einer Mitteilung des Patent- und technischen
Bureaus von Richard Lüders in Görlitz*) darin, dass ein kleiner Schnitt
in das rechte Handgelenk jedes der beiden Teilnehmer gemacht und
dann das Blut des einen in den Körper des anderen und umgekehrt
durch Einsaugen übertragen wird. Europäer sind dieser Art „Blut-
brüderschaft“ gewöhnlich aus dem Wege gegangen, so dass über deren
physiologische Wirkung keine Erfahrungen vorliegen; nur Stanley soll
die Operation circa 50 Mal durchgemacht haben, was Trumbull zu der
Erklärung veranlasst hat, dass das Blut erster Familien von Aequatorial-
Afrika in Stanley’s Adern rollt, wobei er glaubt, dass dieser Blutsaustausch
nicht wenig zu dessen Ausdauer und Ertolgen im schwarzen Erateil
beigetragen habe.
*) Auskünfte ohne Recherchon werden den Abonnenten der Erfurter illustrierten
Gartenzeitung durch das Bureau kostenfrei erteilt.
Verantwortlicher Redakteur: Friedr. Huck, Druck und Verlag von J. Frohberger in Erfurt.