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die die einfache oder zusammengesetzte Blätter und im Juni und Juli
in zahlreichen, dichten Blütenständen weisse oder gelbe wohlriechende
Blumen tragen. Die Heimat dieser Art sind die Donaugegenden.
C. integrifolia L. ist eine Staude, die höchstens i m hoch
wird, mit breiten, eirunden, ungeteilten Blättern und einzelnstehen¬
den, glockenförmigen Blüten von purpurroter oder dunkelblauer
Farbe. Man findet sie am häufigsten auf sumpfigen Wiesen Süd¬
deutschlands.
Diese drei Waldreben, besonders aber die erste, fand man
früher sehr häufig in den Gärten, die erstere als Laubenpflanze,
die beiden anderen als Rabattenpflanzen; heute sind sie durch die
zahlreichen fremdländischen Clematis- Arten sehr zurückgedrängt
worden. Obwohl diese Ausländer bedeutend schöner sind, sollte
sich doch auch für die einheimischen Arten in jedem grösseren
Garten ein Plätzchen finden lassen. Clematis Vitalba bekleidet,
wenn sie erst fest angewurzelt ist, trotz ihrer Genügsamkeit, in ver-
hältnissmässig kurzer Zeit grosse Wandflächen. —
Thalictrum minus L., eine Staude mit kahlen, am Grunde
beblätterten Stengeln, deren Höhe zwischen 30 und 80 cm schwankt,
und sehr fein geteilten Blättern, die bei einzelnen Formen an
Adiantenwedel erinnern. Der Blütenstand ist eine Rispe grünlich¬
gelber, sehr kleiner, unansehnlicher Blumen. In lichten Gebüschen
und auf trockenen Hügeln ist die Pflanze nicht selten.
Bedeutend schöner als die vorige ist Th. aqnilegiaefolium
L., eine auf feuchten Wiesen und an Waldbächen ziemlich seltene
Pflanze, welche sich nicht allein durch schöne Blätter, sondern
vor allen Dingen durch die grossen, gedrängten Rispen gelber oder
purpurner Blüten auszeichnet. Diese Staude bildet mit ihren bis
120 cm hohen Blütenstengeln, die im Juni erscheinen, eine herr-
Gartenzierde. Während Th. minus seiner feinen Blätter wegen,
die als Bindegrün geschätzt sind, hier und da im Grossen kultiviert
wird, ist Th. aquilegiaefolium eine Zierstaude ersten Ranges.
Beide Arten vermehrt man am sichersten durch Stockteilung, da
die Aussaat meist zahlreiche Formen giebt. Ihre Kultur macht
keinerlei Schwierigkeiten. —
Hepatica triloba Gil., das Leberblümchen, das in den Bu¬
chenwäldern den Boden überzieht und dessen Blumen uns im zeiti¬
gen Frühjahre erfreuen, ist zu bekannt, als dass es noch näher
beschrieben werden müsste. Man sieht dasselbe fast in jedem
Garten, und wie wertvoll es ist, beweisen wohl zur Genüge die
in langjähriger Kultur entstandenen gefüllt-, blau- und rot-blühenden
Spielarten. Das Leberblümchen nimmt mit jedem Boden und jeder
Lage fürlieb, doch darf man die Pflanzen, wenn sie stets reichlich
blühen sollen, nicht alljährlich teilen oder umpflanzen. Am besten
eignet sich Hepatica triloba für schattige Gruppen, doch kann
sie auch im Topfe kultiviert werden. Zu diesem Zweck setzt man die
Pflanzen im September in Töpfe, welche Ende Dezember in ein
kaltes Mistbeet oder in ein helles Zimmer gestellt werden, bis dahin
aber im Freien bleiben. Dabei ist aber zu beachten, dass die
Leberblumen nur 5—8° C. Wärme vertragen, bei grösserer aber
nach und nach zu Grunde gehen und nicht zur Blüte gelangen;
hiernach muss sich also die Temperatur des Kastens bez. Zimmers
richten. Die Pflanzen werden, so behandelt, bereits im Januar ihre
schönen Blumen entwickeln. —
Fulsatilla vernalis Mill. Unter diesem Namen besitzen
wir eine, während der Blüte im April bis 15 cm hohe, nachher
aber bis 30 cm hohe Staude, die auf trockenen Hügeln und Trif¬
ten nicht sehr häufig ist. Sie zeichnet sich durch ziemlich auf¬
rechte, meist aber doch etwas nickende, weit geöffnette Blumen
aus, die innen weiss, aussen rosa bis violett gefärbt und wie die
ganze Pflanze zottig behaart sind.
P. patens Mill. Der vorigen ähnlich und zu derselben Zeit
blühend, unterscheidet sie sich von P. vernalis durch die erst
spät nach der Blüte erscheinenden Grundblätter und die ebenfalls
aufrechten, weit geöffneten Blumen, die aber innen violett bis lila
gefärbt sind. Ihre Heimat sind besonders die ostpreussischen
Heideflächen.
P. vulgaris Mill., die gemeine Küchen- oder Kuhschelle,
ist über ganz Deutschland verbreitet; sie ist eine kleine Heidepflanze
mit dreifachfiederspaltigen Blättern und fast aufrechten, grossen,
blau violetten Blumen.
P. pratensis Mill., besitzt im Gegensatz zur vorigen Art
glockignickende, geschlossene Blumen von dunkelvioletter, seltener
rötlicher Farbe. Sie ist vornehmlich auf sandigen Triften Nord¬
deutschlands verbreitet.
Alle Küschenschellen sind infolge ihrer schönen, sehr frühen,
oft schon im März erscheinenden Blüten Pflanzen, die in grösseren
Gartenanlagen auf etwa vorhandenen Steinpartien nicht fehlen
dürften. Alle lieben trockenen, kalkhaltigen Boden und sonnige
Standorte; am besten gedeihen sie auf sandigen Lehmboden, wo
sie ihrem Vorkommen auf unseren Heiden entsprechend, stets in
grösseren oder kleineren Trupps angepflanzt werden sollten. Die
Anzucht geschieht am sichersten durch Aussaat, welche im Spät¬
herbst in Schalen vorgenommen wird. Die Schalen werden im
Freien an halbschattigen Stellen überwintert. Die Samen keimen
im nächsten, Frühjahre und es empfiehlt sich daher des besseren
Anwachsens wegen, die Sämlinge sobald wie möglich an die für
die alten Pflanzen bestimmten Standorte zu setzen, da sich alte
Exemplare ihrer starken Wurzeln wegen nach dem Verpflanzen
schwer gesund erhalten lassen. Eine Kultur im Topfe kann ebenso
empfohlen werden. — (Fortsetzung folgt.)
Nochmals Genossensehaftsgärten.
Zu dem Artikel in Ihrer Zeitung vom 20. Juli er. unter obiger
Bezeichnung; erlaube ich mir Folgendes mitzuteilen :
Das Ideal in Bezug auf Genossenschaftsgärten, das dem Ver¬
fasser vorschwebt, ist in Leipzig bereits seit 20—30 Jahren ver¬
wirklicht und zwar wie sich jeder überzeugen kann, in der Gestalt
der „Schrebergärten.“
Es existieren hier 10—15 Schrebervereine, in denen Arm
und Reich ein nettes Gärtchen sein Eigen nennt; wenngleich es auch
nur pachtweise erworben wird, so erstreckt sich die Pachtzeit doch
auf lange Zeit, z. B. 10—15 Jahre. Wird jemand durch Verhält¬
nisse genötigt seinen Garten aufgeben zu müssen, so kann er dies
sofort und ohne Verlust thun, denn diese Gärten sind stark begehrt.
Jeder dieser Schrebervereine enthält 100 —120 Gärten (a
150—300 qm), die sich rund um einen mit Bäumen bestandenen
Kinderspielplatz gruppieren, auf dem tagtäglich Hunderte von Kindern
Erholung finden und so dem Strassenverkehr entzogen werden.
Die Schrebervereine verfolgen also zwei edle Ziele, erstens den
Gartenbau und zweitens die Beschäftigung und Erziehung der
Kinder; für die letzteren wirken viele Lehrer der hiesigen Bürger¬
schulen persönlich und unentgeltlich mit.
Die Garteninhaber verkehren gesellig untereinander und tau¬
schen ihre Erfahrungen gegenseitig aus.
Das Areal gehört fast ausnahmslos dem Rat der Stadt Leip¬
zig und die Vereine zahlen nur ein bescheidenes Pachtgeld, speziell
durch das hochherzige Entgegenkommen des Rats sind die Schre¬
bervereine im steten Aufblühen begriffen, denn die Mitgliederzahl
nimmt von Jahr zu Jahr zu.
Sollte irgend ein Leser Interesse an der Einrichtung von
„Schrebergärten“ haben, ist der Unterzeichnete gern mit näheren
Angaben erbötig. In der Hauptsache werden ausser Obst aller Art
speziell noch Rosen gezogen, und mancher Fachmann war erstaunt, hier
das Neueste auf dem Gebiet der Rosenkultur zu finden.
Leipzig, den 24. Juli 1896.
Paulus Bartke.
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•-- V-»
Krankheit der grossblumigen Clematis.
Die Clematis sind ja so bekannte Pflanzen und ihr Wert
für die Ausschmückung der Gärten in ihrer Eigenschaft als reich¬
blühende und widerstandsfähige Schlinger, ist ein so grosser, dass
es sich wohl verlohnt, sich mit einer Krankheit näher zu beschäf¬
tigen, welche diese Pflanzen bald mehr, bald weniger heimsucht
und die sich in einem plötzlichen Absterben der befallenen Pflanzen
äussert. In dem gärtnerischen Journal »Le Jardin« schreibt Herr
Foussat darüber Folgendes:
Die patens-, lanuginosa- und äorida- Arten und die zahl¬
reichen Varietäten, welche durch fortgesetzte Kreuzungen zwischen
den Stammformen und ihren Hybriden erzielt wurden, bringen
ohne Zweifel die grössten und schönsten Blumen. Seit einigen
Jahren werden alle von diesen Arten stammenden Varietäten von
einer noch nicht näher erkannten Krankheit befallen, welche eines