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Es stirbet ihr Gedächtnis auch
Mit ihres Athems letzten Hauch,
Und fallt der Rose letztes Blatt,
So kennt man nicht mehr ihre Statt.
Doch was dein Singen zu uns sprach,
Tönt lang noch in der Seele nach;
Was seelenvoll dein Lied uns singt,
Schier ewig in uns wieder klingt.«
»Wohl kann ich an dem eignen Lied
Mich selber freu’u und es geschieht
Bei jedem Klang und jedem Sang
Mit hoher Lust und tiefen Dank.
Eis ist mir selbst ein Hochgenuss,
Zu lauschen was ich singen muss,
Zu hören, was ich singen mag
In stiller Nacht, am lauten Tag.
Doch selbstlos And’re zu erfreu’n,
Das dünkt das Höchste mir zu sein;
O preise deines Schöpfers Macht,
Der dich so herrlich hat bedacht.«
»So habe Dank, o Nachtigall,
Für deiner Lieder süssen Schall
Und was du eben sprachst, das Wort,
Es sei mir heilig immerfort!
Drum blüh’ ich, blüh ich Gott dem Herrn
Und welk’ ich auch, so welk’ ich gern
Dem Schöpfer aller Erdeupracht,
Der auch mich Rose hat gemacht.«
»Und ich von dir, o Rose, lern’,
Dass ich nur singe Gott dem Herrn;
Nichts Schön’res ich zu singen weiss,
Als Gottes Ehr’ und Ruhm und Preis.
Mein schönstes Lied, ich sing es ihm,
Dem droben singen Cherubin,
Ihm sing’ ich all mein Leben lang;
Dem Herrn sei ewig Lob und Dank!«
Karl Ludwig.
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Buntes Allerlei.
Der Gartenbau Holland’s.
Die Holländer zählen mit zu den besten
Geschäftsleuten und es ist daher kein Wunder,
wenn sie den Gartenbau gut gesclniftsmässig
oder kaufmännisch betrieben haben und solches
bis heutigen Tags noch thun. ln erster Linie
war es wohl Holland’s Welthandel, welcher, das
Land reich nuichend, den Gartenbau zur hohen
Blüte brachte; denn wer reich ist, umgiebt sich
gern mit Luxus, und zu diesem letzteren zählen
auch schöne Gärten und Blumen. Wo die Hol¬
länder auf ihren Reisen schöne Gärten sahen,
ahmten sie diese nach und durch ihrem Verkehr
mit allerlei Völkern lernten sie eine Menge
Pflanzen und Spielarten von diesen kennen, die
sie mit nach Hause nahmen. So wie oft reiche
Leute sich nicht immer mit einem gesunden
Luxus umgeben, sondern leicht dom übertriebenen
huldigen, ebenso hat auch Holland’s Gartenbau¬
geschichte manche Dummheit zu verzeichnen.
Bekannt ist, wie die Holländer den E'ran-
zoeeu nachahintcn: die Bäume, Sträuclicr, Hecken
u. s. w. zur Ungebührlichkeit zu beschneiden,
au dass durch solches Beschneiden die Bäume
und Sträucher ihres natürliches Aussehens ver¬
lustig gingen, zu Figuren von Menschen, Tieren
oder sonstigen Gegenständen verunstaltet wurden.
Und bekannt ist ferner der holländische Tulpen-
schwindel, eine Art E’ieber oder Taumel, welcher
dieses Völkchen ergriff und wo für eine einzige
Tulpenzwiebel oft über alle menschliche Begriffe
hohe Preise gezahlt wurden. Dieses Tulpenfieber
soll so arg ausgeartet sein, dass, wenn ein junger
Mann sich verheiraten wollte und dreist genug
war, seinem künftigen Schwiegervater nach der
Mitgift dessen Tochter zu fragen, er weniger
nach Geld, sondern nach den mit beizugeben ge¬
denkenden Tulpeuzwiebeln geforscht habe. Dieser
Umstand muss nun um so mehr überraschen,
weil wir gemeinhin gewohnt sind, den Holländer,
weil er Geschäftsmann ist, für materiell gesinnt
zu halten. Da die genannten französischen
Nachahmungen das ganze Volk ergriffen hatten,
so wurde die Mode oder Sucht die Gehölze und
alles mögliche zu beschneiden, sogar der hollän¬
dische Garteubaustil genannt. Verschiedene
Gartcnschriftsteller haben jedoch Holland einer
solchen Ehre entkleidet und schieben diese auf
Frankreich. Die Ausgeburten, welche beim hol¬
ländischen Gartenbau vorkamen sind aber als ein
Zeichen der Liebe und Eingenommenheit der
Holländer zum Gartenbau anzusehen, sie wirkten,
wenn direkt auch verwerflich, indirekt doch
segensreich, halfen mächtig zum Emporblühen
des Gartenbaues, machten diesen ausserordentlich
lohnend. Namentlich legte man sich aber auf
die Anzucht von Hyazinthenzwiebeln und an¬
deren Blumenzwiebeln, ferner auf die von • ' ,e ~
müse, Obstbäumen, Zierbäumen, Sträuchern und
allerhand Sämereien. Die weitaus grösste Zahl
der Hyazinthen, Tulpen und anderen Treib¬
zwiebel- und Knollengewächsen, welche im Welt¬
handel Vorkommen oder umgesetzt werden, sind
in Holland herangezogen worden und ungeheure
Summen sind so in dieses Land gekommen. Jj®
Jahre 188(1 wurden allein nur ausgeführt f* ir
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kölze, Pflanzen u. Blumenzwiebeln, für ‘204001bh® -