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deinen Acker gut düngst, so erntest du tausend
Säcke und dem Christschan schlug er vor ihn für
einen Sack Kartoffeln ein Paar recht kernige
Hammel zu geben. Als die Sau und die Hammel
gebracht wurden, gab er ihnen zu den Kar¬
toffeln obendrein noch einen Schnaps und er¬
zählte ihnen in welchem Zeichen des Mondes
sie die Kartoffeln legen müssten. Beklagten sich
diese nun über die aussergewöhnlich geringe Ernte
der Kartoffeln, so entgegnete er ihnen, sie hätten
nicht genug nach dem Mond gesehen und auf
gepasst, ob dieser ein freundliches oder trauriges
Glicht gemacht hätte und nun hätten sie es falsch
gemacht. Bald hatte er Rieseusalat, Riesenknob-
lauch und noch sonstige Kiesen, welche alles
Dagewesene filtertrafen, aber immer viel Geld
kosteten. Eines Tages aber sah er, dass dicht
an seiner Miststätte eine Haferstaude aufge¬
schossen war, die 20 Stück 7 Fuss lange Stengel
mit mächtigen Fruchtähren trug und sofort
fasste er seinen Plan. Er grub den Haferbusch
mit allen seinen Stengeln vorsichtig aus und hob
ihn auf für den Winter, bis die Bauern nichts
zu thun hätten, grübelten, oder in der Schenke
sässen. Da eines Tages, es war gleich nach Neu¬
jahr, zeigte er den in der Schenke versammelten,
ganz verblüfft dreinschauenden Bauern seinen
Riesenhaferbusch, verschwieg aber, dass dieser
ganz nah an seinem Miste gewachsen war und
hielt alsdann eine gar lange, eindringliche Rede,
in welcher er die kaum zu beschreibenden Vor¬
züge dieses Hafers beschrieb und hoch beteuerte
und schwur: ein solcher Hafer sei bisher noch
gar nicht dagewesen, weshalb derselbe mit vollem
Rechte Triumphhafer genannt werden müsse und
er hiesse auch so, denn die Amerikaner hätten
ihn erfunden und ihn auch diesen Namen gegeben.
In weiterem Gespräch erklärte er den Bauern
noch, dass wenn man diesen Triumphhafer mit
unseren übrigen erbärmlicheu Hafersorten ver¬
gliche, man den Unterschied nicht treffender
bezeichnen könne, als damit, als wäre ein
dreckiger Wasserfrosch mit einem einzigen .Satze
au- dem Niveau des Teichschlammes auf eine
Fuss hohe Bergspitze gesprungen und
habe, oben angekommeu, ein mächtiges Triumph-
geschrei gequakt. In fernerem fügte er noch
hinzu, dass infolge dieses Triumphhafers die
Pferde nun wenigstens zehnmal mehr arbeiten
und zwanzigmal schneller laufen würden, und
da.-*?, wer diesen Hafer sich nicht anschaffe, mit
einem Frosch zu vergleichen sei, der statt auf
einen Berg zu hüpfen und weiten Ausblick zu
halten, in einem Dreckloche sitzen bleibe.
Seine Rede hatte einen mächtigen Eindruck
gemacht ; die Bauern bekamen das Triumphhafer¬
fieber und unser Schmied schrieb den ganzen
Abend alle die Namen derjenigen auf, die von
diesem Hafer eine Aussaat wünschten; denn er
hatte versprochen, Samen aus Amerika kommen
zu luven. Der lauge Lenz, welcher Sand fuhr
und nur eine alte dürre Kracke hatte, sah sich
infolge des Triumphhafers im Geiste, statt wie
bi-du'r mit einem einspännigen Karren, nun schon
mit 4 je zweispännigen stolzen Wagen fahren und
jeder der Bauern träumte nur vom Triumphhafer.
Nun, der Schmied hatte den Hafer zu den
Aussaaten besorgt und Allen Belehrungen ge¬
geben, wie sie den Hafer zu behandeln hätten.
Voller Erwartungen säeten diese den Hafer aus
und sangen oder pfiffen dazu. Sie konnten kaum
das Aufgehen erwarten. Derweil lag der Schmied
ganz ruhig auf dem Kanapee und sah nach dem
Eckschranke, der das für den Triumphhafer
gelöste Geld barg. Es wird ja wohl ein Hagel¬
wetter kommen, sprach er für sich, und wird
den Hafer in Grund und Boden schlagen; wenn
nicht, werden sie auf mich sehr schelten, denn
diesmal habe ich ihnen doch ein bischen zu viel
vorgelogeu.
Doch aber, es kam kein Hagelwetter, son¬
dern abwechselnd Sonnenschein und sanfter
Regen. Der Hafer war aufgegaugen, war ge¬
wachsen, hatte aber keine Stauden mit 20 Sten¬
geln und 7 Fuss Höhe gebracht, war nur
etwas höher als anderer Hafer geworden, doch
dies konnte auch von dem starken Düngen her¬
rühren. Als die Haferernte kam, ernteten alle
sehr vieles Stroh, sahen sich aber im Körner¬
ertrag arg getäuscht. Nun regnete es aber
Schmähungen und Vorwürfe, doch der Schmied
ging allen Haferbauern vorsorglich aus dem
Wege, liess sich nicht sehen; er kannte seine
Bauern, wie er meinte, zu gut, und hoffte, dass
sie ihm das Geschehene nicht allzu lange nach¬
tragen würden, wenn aber anders, so meinte
er, schade dies auch nichts, denn er habe ja,
Geld in Hülle und Fülle. Er hatte sich aber
verrechnet, sie trugen es ihm nach und nannten
ihn hinfort nur den Triumphhaferschmied. Er
konnte dies nicht äudern, tröstete sich aber da¬
mit, dass er nun ein reicher Mann sei und dass
seine Kinder in gutem Wohlstand leben könnten-
Er hat darauf das Schwindeln sein lassen und
ist gestorben. Seinen Kinder hat aber das un¬
rechtmässig erworbene Geld nichts genützt, son¬
dern nur geschadet; sie haben es durchgebracht
und sind dann verschwunden, doch keiner weiss
wohin. Unrecht Gut gedeiht nicht!
Cereus grandiflorus.
In der Kunst- und Handelsgärtnerei von
Chr. Lorenz in Erfurt blüht gegenwärtig die
schönste der Cacteen, die Königin der Nacht
(■Cereus g> andiflorus). Ich sah zwei Exemplare
ausgestellt, die in Gemeinschaft mit noch einigen
anderen Cacteen, von einer Anzahl Topf- und
Kübelgewächsen umgeben, eine höchst wirkungs¬
volle Gruppe darstellten. Eine dichte Menschen¬
menge füllte den Durchgang, in dein diese Caetee
sich befand, um die gerühmte und gepriesene,
geheimnisvoll zu nächtlicher Stunde in zaube¬
rischer Pracht erblühende, herrlich duftende
»Königin der Nacht« zu bewundern. Fl. J-
Zweimaliges Blühen eines Azaleenstraucbes.
Herr Schnyder-Zelger in Lugano in der
Schweiz berichtet in Möller’s Deutscher («ärtner-
Zeitung von einem grossen Azaleenstrauch, der
in seinem Garten, der Villa Costoguale, Ende
Juli nochmals einen zweiten Flor gebracht hat.
Verantwortlicher Redakteur Friedr. Iluck. Druck und Verlag von J. Frohberger in Krfurt.