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Buntes Allerlei. •
Der Ursprung des Fächers.
Der T .Ostas. LI.“ erzählt: Eines Abends,
als die schöne Si, Tochter eines mächtigen
Mandarinen, dem grossen Laternenfeste bei¬
wohnte, wurde sie derart von der Hitze be¬
lästigt. dass sie nicht umhin konnte, ihre
Maske vom Gesicht zu nehmen. Dieses jedoch
den Blicken der profanen Menge preiszugeben,
galt für einen Verstoss gegen das herrschende
Gesetz. So hielt sie denn die Maske dicht vor
ihr Antlitz und bewegte sie dabei hin und
her, um sich Kühlung zu verschaffen. Die
anderen anwesenden Damen bemerkten diese
kühne, aber reizende Erfindung, ahmten sie
nach und sofort fächelten zehntausend Hände
mit zehntausend Masken So ward der Fächer
erfunden und nahm fortan die Rolle der Maske
in China ein.
Denkspriiche.
Den Kohl den du dir selbst gebaut,
Darfst du nicht nach dem Marktpreis schätzen;
Du hast ihn mit deinem Schweiss bethaut,
Die Würze lässt sich durch nichts ersetzen.
Arbeit muss den Pflug regieren,
Soll das Glück die Sense führen.
Ein Ricinus-Konsortium.
In Ungarn ist man jetzt daran, den An¬
bau von Ricinus oder Wunderbaum im Gros¬
sen anzustreben und verspricht man sich da¬
von hohe Ertäge für die Landwirtschaft. Ein
Konsortium hat sich gebildet, um der Sache
Nachdruck zu verleihen.
Export von Preisselbeeren aus Russland.
Die meisten Preisselbeeren, welche auf den
europäischen Markt gelangen, kommen aus
Norwegen und Schweden. Nach neueren Be¬
richten sollen aber vergangenes Jahr auch aus
Russland ganz bedeutende Mengen dieser Bee¬
ren expediert worden sein.
Landes-Obstbauverein in Niederösterreich.
Für das Jahr 1890 wurden vom nieder-
österreichischen Landtage dem Landes-Obst-
bauvereine zur Förderung der Strassenbepflan-
zung mit Obstbäumen fl. 1000 und für weitere
Vereinszwecke fl. 400 bewilligt, von welchen
fl. 150 für bedürftige Teilnehmer des Baum¬
wärterkurses und wenigstens fl. 100 zu Prämien
für Strasseneinräumer, welche sich in der
Pflege der Strassenbäume auszeichnen, ver¬
wendet werden sollen.
Gesetz zum Schutze des Enzians.
Das vom Salzburger Landtage beschlos¬
sene Gesetz zum Schutze des Enzians be¬
stimmt im § 1, dass das Ausbeben der Wur¬
zeln der Enzianpflanze nur dann gestattet ist,
wenn die Wurzelstärke am Ansätze des Sten¬
gels wenigstens 2 Centimeter im Durchmesser
beträgt, während Wurzeln von geringerer
Stärke nicht ausgegraben werden dürfen. Mit
dieser Bestimmung wird erzielt, dass nur Wur¬
zeln von durchschnittlich dreijährigen Pflan¬
zen gegraben werden, welche bereits Samen
ausgereift, bezw. abgeworfen und dadurch zur
Fortpflanzung beigetragen haben. Der § 2
setzt fest: „Die Uebertretung der Vorschrift
des § 1 ist von den politischen Behörden an
Geld' mit fl. 5 bis zu fl. 50 und im Wieder¬
holungsfälle bis zu fl. 100 zu bestrafen. Die
Geldbussen fliessen in den Gemeindearmenfond
des Thatortes. Im Falle der Uneinbringlichkeit
der Geldstrafe ist diese in eine entsprechende
Arreststrafe umzuwandeln.“
Tropennacht.
Der Unterschied zwischen einer Tropen¬
nacht und einer Nacht in unseren Gegenden
wird nach den „Münchener Neuesten Nach¬
richten“ in dem Briefe eines Offiziers der Wiss-
mann-Expedition in folgender Weise geschil¬
dert: „Wie verschieden doch eine Tropen¬
nacht von einer Nacht in gemässigten Brei¬
ten! Hier erstirbt mit dem Untergange der
Sonne das tierische Leben in Feld, Wald und
Stadt, und tiefe Ruhe breitet sich über die
schlafende Natur. Ganz anders in den Tropen.
Singvögel giebt es hier nicht, die einzigen
Laute, die hin und wieder an das Ohr des
Reisenden dringen, sind das heisere Gekrächze
eines Raubvogels, das Glucken der wilden
Taube, das widerliche Geschrei der sich jagen¬
den und neckenden Affen. Ist aber der Son¬
nenball hinter dem Horizont verschwunden,
wird die Luft kühler, dann scheint die ganze
Natur, die bis dahin in Erschlaffung gelegen,
autzuathmen, und dann beginnt ein Konzert,
von Millionen und Millionen kleiner und gros¬
ser Musikanten ausgeführt, dass einem Hören
und Sehen vergehen kann. Den Spektakel
beginnt der Chor der Frösche mit ihrem tiefen
Bass, dann kommt das ungezählte Heer der
Cicaden, Grillen und anderen Insekten als
Geigen, Cimbeln und Clarinetten, verschiedene
kleine Nachtvögel spielen die Flöte, und das
grosse Getier der Büffel, und gar nicht selten
auch der König der Tiere, übernehmen die
Rolle der Bratsche, der Pauke, Posaune, kurz
der Spektakelmacher im Grossen. Auch der
Mensch bleibt nicht ruhig. Von allen Him¬
melsgegenden her erschallt der dumpfe Ton
der Ngoma, der Negertrommel, nach deren
Klang die Schwarzen die Nächte hindurch
tanzen.“
Ansehen des Chrysanthemum in Japan.
Chrysanthemum gilt in Japan als das
Symbol eines langen Lebens und eines glück-
licnen Alters. In der That, diese Pflanze ent-