Seite
iranßfurft
Org'a-n. mr
' # H ^ deU ®dVerkehrs' ;lnteress ' c häftaw f ^
!i^SR-faenbaues ~
Handelsgärtner-Verbindung«
AJC” Veretnsor
Expedition: Fr ankfurt a. M„ Saalgassa 31.
Sonntag, den 4. Januar 1903.
3§äsiBEI
Dis Rosenkultiir auf dir grossen Balkan-Halbinsel.
(Von J. Gravereux.)
Meine Studien tbeile ich in zwei Theile: 1. Wilde
Pflanzen der Gattung Rosa;- 2. Gärtnerische und indus-
trielle Studie über wohlriechende Rosen und Erzeugung
der Rosen-Essenz in Bulgarien.
1. Wilde Sorten. — Wir verschaffen uns natür¬
lich die ersten Unterlagen unserer Forschungen in den
wissenschaftlichen Gärten, den Hauptstädten, welche wir
durchreisten, und kommen auf die Bemühungen der
fremden botanischen Gärten, die Gattung Rosa be¬
kannt und geschätzt zu machen, später zurück. — Wir
wurdeu überall aufs freundlichste von den Direktoren,
Professoren und Gelehrten empfaugen, wodurch unsere
Arbeit uns wirklich erleichtert wurde.
In Müncheo, Wien, Budapest, Belgrad, Sofia, Philip-
popoli, Constantinopel, Broussa etc. brachten wir ungefähr
50 verschiedene Sorten aus den botanischen-, Acker¬
bau- und Regierungsgärten zusammen ; dieselben werden
die Rosenschulen von l’Hay, welche schon 750 ver¬
schiedene Gattungen besitzt, bereichern. Diese Gärten
besitzen alle noch rieie wilde Rosen, deren Bestimmung
bisher nicht festgestellt wurde. Auf die Bitte der Direk¬
toren versprachen wir, diese grosse Arbeit für später
zu unternehmen.
Nach diesen Auskünften blieben uns noch die
fruchtbarsten Gegenden in Wildrosen zu durchforschen
übrig. Auf unseren Ausflügen in die Berge machten
wir die interessantesten Entdeckungen. Die gesammelten
300 Rosen, wovon viele vielleicht ganz neu für die
Wissenschaft sind, werden in l'Hay studiert, verglichen
und ihrer Gattung zugetheilt. Da wir selbst diese Länder
doch nicht gründlich durchstreifen konnten, sicherten wir
uns die Hilfe von willenskräftigen Personen, welche unsere
Arbeit fertig stellen werdeD. Nach der langen Liste von
Professoren uüd Gelehrteu, welche wir weiter nennen
werden, kann man sich unsere Bemühungen vorstellen.
welche wir machten, um den Rosenflor dieser .noch
wenig durchforschten orientalischen Gegenden kennen
zu lernen.
ln l’Hay haben wir mit der wissenschaltlichen Be¬
stimmung begonnen, und dauk des zugebilligten Beistandes
unserer gelehrten modernen Rosenkundigen hoffen wir
in Bälde Neues in diesem Wissenschaftszweige zu
bringen.
Wir sind glücklich, bei dieser Gelegenheit unsern
herzlichsten Dank äuszudrücken, für die gelehrte und
uneigennützige Mitarbeit der Herren Giöpm, Direktors des
botanischen Gartens von Brüssel, und Bois, Kanzlei-Assis¬
tenten im naturwissenschaftlichen Museum in Paris.
2. Gärtnerische und industrielle Studie
über die wohlriechende Rose und deren Es¬
senzerzeugung in Bulgarien. —- Durch das Stu¬
dium der Wildrosen im Orient waren wir gezwungen,
uns auch mit der Kultur der wohlriechenden Blumen
zu beschäftigen, deren Haupt-Handelscentrum in Kazan-
iik ist.
Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Herren-
Christo, Christof! und SchippKoff, Rosenessenz-Kommisaren
und Bankiers in Kazanlik, sind wir im Besitze aller
Dokumente betreffs dieser Industrie. Verschiedene Kul-
turmetboden sind uns aufgefalten und wir werden dieselben
auch bei uns in Frankreich versuchen. Wir zählen
etwas weiter die Hauptpunkte der Rosenöl-Industrie Bul¬
gariens auf, und wir haben uns bemüht, die Ursachen
ihrer gegenwärtigen Blütbe zu ergründen, sowie die
Gründe, welche uus auf Erfolg dieser Industrie in Frank¬
reich oder unsern Kolonien hoffen lassen. Wir haben
in Frankreich Versuche angestellt, diese Kultur und die
Destillation einzuführen und so einen neuen Industrie¬
zweig eröffnen zu können, dessen geschäftliches Fort¬
kommen von vornherein gesichert ist. Diese Versuche
haben für uns ein wissenschaftliches Ziel, uüd wir
freuen uds, die Ergebnisse später bekannt machen zu
können.