Seite
ranlHuricr
Har.dHsund VerkeHvs-Jnteresse
u v e r /2L
ärtenbaues
Telephon 77»
Vereinsorgan mehrerer Handelsgärtner-Vermnaungen
Telephon 713
Abonnement^ ^ ^
{5Sia{wlich l *iwk ! r aü«? n ü\w«&**üU °Fos
. | Expedition: Frankfurt a. M„ Saalgasse 31, jL,.i„ n LV.4r« e *,. t iM. r„i to i„
l [ “ D *
angab^geBUttet^Majiaaferipite werd.^rtatVrorückgMeiitcktJi '* °Tagon berücksichtigt. 8
Nr. 30.
Sonntag, den 26. Juli 1903. 14. Jahrgang.
Ei» Beitrag zur Unzucht gtcssblumigei driysantlienui».
Da die Kultur grossblumiger Chrysanthemum heut¬
zutage immer mehr Interesse erweckt, so mochte ich
auch meine Erfahrungen über dieselbe hiermit nieder¬
schreiben. Wie alljährlich, so wurden auch im ver¬
gangenen Jahre im hiesigen botanischen Garten etwa
100 Cbrysanthemum zu Schaupflanzen herangezogen, um
einentheijs den Besuchern des Gartens zu zeigen, dass
der Gärtner durch Kunst auch im Winter einen reichen
und schönen Blumenflor zu verschaffen vermag und
anderntheils deshalb, um das Publikum mehr zur
BlumeDÜebhaberei anzuregen. Bei der Anzucht gross¬
blumiger Chrysanthemum ist es Hauptbedingung, dass
der Kultivateur seine ganze Aufmerksamkeit und Thätig-
keit auf seine Pfleglinge während des ganzen Jahres
richtet.
Die Mutterpflanzen werden in einem hellen Kalt-
hause überwintert, da man hier zu jeder Zeit mit Steck-
lingeschneiden ankommen kann. Anfangs Januar wird
mit dem Stecklingeschneiden begonnen. Hierbei ist zu
beachten, dass man nur kräftige und gedrungene Steck¬
linge nehmen soll, da man ja bekanntlich nur durch die
besten Stecklinge schöne Pflanzen und folglich auch
schöne Blumen erzielen kano. Die Stecklinge werden
dann in kleine, mit sandiger Laubürde gefüllte, Töpfchen
gesteckt und m ein helles Kalthaus dicht unter Glas ge¬
stellt. Schattieren und Spritzen geschieht je nach Be¬
darf, Ein Welken der Stecklinge darf bis zur erfolgten
Durchwurzelung absolut nicht Vorkommen, was sich ja
durch Spritzen und SchatUecen gut regulieren lässt, die
Bewurzelung geht langsam vor sich.
Ausgangs Februar werden die bewurzelten Steck¬
linge einzeln in kleine Töpfchen gepflanzt und zwar in
eine Erdmischung von Mistbeet- und L&ubetde zu gleichen
Theilen; eine Kleinigkeit schweren nahrhaften Garten¬
boden, etwas Hornspäne und geoügend Sand. Wenn es
die Witterung erlaubt, kann man nun die eingepflanzten
Stecklinge in einen kalten Kasten verbringen, wo man
sie nach und nach an Luft und Licht gewöhnt; wenn
das nicht möglich, dann stelle man sie wieder an den
vorherigen Standort. Auch ist von nun an das Pinzieren
nicht zu vergessen, was eine frühzeitige Verzweigung
herbeiführt. Ausgangs März wird das erstmalige Ver.
pflanzen vorgeuotutnen und zwar in vterzöllige Töpfe
und in eine Erdmischung von Vs Laub-, Vs nahrhafter
Landerde, */s zerriebenem Mistbeetdünger, 1 / 6 Sand und
die nöthigen Hornspäne. In den ersten Tagen werden
die Fenster etwas geschlossen gehalten; nach einigen
Tagen werden die Pflanzen mehr und mehr an Luft
und Licht gewöhnt, bis zuletzt an sebönen Tagen die
Fenster ganz abgehoben werden. Ausgangs April werden
die Chrysanthemum zum zweiten Male in sechszöllige
Töpfe, Mitte Mai zum dritten Male in neunzöllige und
zuletzt, Anfang Juni, in zehn- bis zwölfzöllige Töpfe
verpflanzt, je nach Stärke und in die gleiche Erd¬
mischung. Ein allzulanges Warten mit dem Verpflanzen
wirkt schädlich auf die Pflanzen und ist es die höchste
Zeit, sobald die Wurzeln beginnen den Ballen zu um¬
spinnen. Man kann auch die Erde zum Verpflanzen
einige Zeit vorher schon präparieren; jedoch hatten wir
mit diesem Versuch so keine günstigen Resultate eizielt,
welches aber wahrscheinlich auf eiD allzufrühes Nach¬
kommen mit Lairinendungguss nach dem Verpflanzen
zurückzulühren ist. Die Pflanzen batten die in der Erde
befindlichen nahrhaften Stoffe noch nicht verbraucht
und litten so an Ueberdüngung: Es vergingen daher
einige Wochen, bis sie sich wieder von diesem Uebel
erholt hatten.
Nach dem Verpflanzen werden die Chrysanthemum
nach einem freien sonnigen Standort verbracht und
wird beim Einsenken für ein Abzugsloch für das über¬
flüssige Wasser Sorge getragen. Auch koramea die
Pflanzen 1 bis IVa Meter weit von einander zu stehen,
damit Luft und Licht um die ganze Pflanze freien Zu¬
tritt haben. Das Entspitzen wird bis zum 15. Juni fort¬
gesetzt und zwar jedesmal über dem fünften Auge.
Späteres Pinzieren würde den Knospenansatz verzögern.
Sind die Triebe etwas berangewachseo, so erhält ein
jeder seinen Stab, 75 cm lang und zwar schräg nach