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aussen gesteckt, so dass ein breiter Busch entsteht und
an jedem Trieb Luft und Licht frei gelangen kann. Die
Triebe werden locker nach aussen an den Stab geheftet,
damit selbiger auch etwas verdeckt ist. Man warte mit
dem Aufbinden nicht zu lange, da sich ja die jungen
weichen Triebe besser biegen lassen und nicht so leicht
brechen als ältere und verhärtete Triebe.
Anfang August erhalten die Pflanzen wöchentlich
zweimal einen verdünnten Latrinenguss, weicher dann
später verstärkt und im September alle zwei Tage ver¬
abreicht wird. Gegossen wird je Dach Bedarf; ein
Welken der Pflanzen muss unter allen Umständen ver¬
hütet werden, da sich dieses später rächt. Wenn die
Pflanzen durchgewurzeit, wird wohl ein zweimaliges
Giessen am Tage nöthig werden und zwar morgens und
abends. Auch ist das Spritzen zu derselben Zeit ange¬
bracht. Mao vermeide das Giessen und Spritzeo so viel
wie möglich bei heissem Sonnenschein, da bei der Be¬
netzung der Blätter dieselben meistens braua und unan¬
sehnlich werden uod zuletzt ganz entfernt werden müssen,
was eine Schaupflanze sehr beeinträchtigt. Um dem
Austrocknen vorzubeugen, kann man auch die Töpfe
mit kurzem Mist belegen, was gleichzeitig auch als
Düngemittel beihilft. Durch das Bespritzen wird nament¬
lich dem Auftreten des Ungeziefers vorgebeugt und auch
das bessere Wachsthum der ganzen Pflanze gefördert.
Macht sich trotzdem Ungeziefer bemerkbar, so wird
demselben durch Bespritzen mit Tabakbrühe der be¬
fallenen Pflanzen entgegengewirkt. Man versäume auch
nicht von Zeit zu Zeit das Aufbinden der Triebe, da
dieselben leicht abbrechen oder die PflaDze keine schöne
Form erhält. Sobald die Pflanzen Knospen zeigen und
diese einzeln zu unterscheiden sind, beginnt das Aus-
kneifen und zwar so, dass immer die stärkste und
mittelste Knospe eines Triebes stehen bleibt, alle übrigen
Seitenknospen entfernt werden. Auch die Knospen, wo¬
möglich auch Zweige, welche aus den Blattwmkeln ber-
vorkommea, werden ausgemerzt. Sobald die Knospen
beginnen aufzublühen oder Fröste in Aussicht sind,
bringt man die Chrysanthemum in einen hellen, frost¬
freien Baum, etwas von einander entfernt, da sonst
wegen Mangel an Licht die Blätter gelb werden.
In Nachstehendem möchte ich noch einige Sorten
aufzählen, wovon eine jede Pflanze 25 bis 35 Blumen
gebracht hat und der Durchmesser einer solchen Blume
25 bis 30 cm betrug.
Es waten dies: Etoile de Lyon, Beauty of Castel-
wood, Gloire de Rocher, Ducke of York, £. Molynex,
General Roberts, G. J. Warten, G. Orchers, Viviand
Morel, Mons, Pankouke, Mrs. H. Robinson, La Triom-
phante, Lilian B. Bird, Lilian Rüssel, Simplicity und
andere mehr.
Es wird wohl ein mancher Kollege diese oder jene
Sorte als alt «Dsehen. Dazu möchte ich dann bemerken,
dass ja doch nicht alles Neue zugleich auch gut ist. Wir
haben manche schöne alte Sorten von Chrysanthemum,
welche nicht so leicht von neuen Sorten verdrängt
werden können.
(Alig. D. G.-Ztg,)
Gartenkunst der Japaner.
Ueber dieses Thema sprach im Januar ds. Js. Herr
Direktor Dr. Brinkmann in einem öffentlichen Vortrage
im Museum für Kunst und Gewerbe zu Hamburg. Dem
„Hambargischen Correspondenten“ entnehmen wir über
die bezüglichen interessanten Ausführungen folgendes
Referat:
Nach einem Ausblick auf die abendländische Garten¬
kunst, den mittelalterlichen Kloster- und Hausgarten, den
Garten der italienischen Renaissance, den holländischen
Blumengarten des 16. und 17. Jahrhunderts, den
französischen Garten der Zeit Ludwigs XIV. und den
englischen Garten des 18. Jahrhunderts wurde der
japanische Garten besprochen. Dieser geht in seinen
Anfängen auf die Gartenkunst Chinas zurück, dem Japan
auf vielen Gebieten seiner Kultur die ersten Anregungen
verdankt; er hat sich aber freigehalten von der Ueber-
fülle von Einbauten aller Art, die den chinesischen
Garten, wie wir ihn im 18. Jahrhundert kennen lernten,
auszeichnen, und räumt auch der Blumenzucht nicht die
gleiche Stellung ein.
Der Japaner nimmt die eigene Natur seines schönen
Landes zum Ausgang und Ziel. Er verzichtet auf die
Anzucht fremder, dem Boden und Klima nicht ange¬
messener. Pflanzen. Er vermeidet jede unnatürliche
Regelmässigkeit der Anlagen. Der japanische Garten¬
künstler denkt den Garten als ein Gemälde oder Gedicht,
das geeignet ist, besondere Ideenverbindungen zu wecken
und würdige Stimmungen anzuregen. Sein Garten soll
dem Besitzer ästhetischen Naturgenuss bieten, ein Ort
der Erholung uad Erfrischung abseits vom öffentlichen
Leben sein, weder vor dem Fremden prahlen, noch ein
Tummelplatz der Gesellschaft sein. Der Garteoküustier
knüpft seine malerischen Studien der wilden Natur an.
Er versteht, die vorhandenen Bäume, Felsen, Wasser-
läufe in seine Anlagen einzubeziehen und nimmt alle
Rücksicht auf Ausblicke zu nah- oder fernliegenden
Naturscbönheiten. Er berücksichtigt den Massstab, legt
kleine Gärten anders an als grosse und giebt in der
Bepflanzung allen Jahreszeiten ihr Recht. So gelangt
er zu malerischen Kompositionen, zu Phantasie-Land¬
schaften.
Die am reichsten ausgebildet« Art des Gartens, von
den englischen Schriftstellern über japanische Garten¬
kunst mit dem Worte „SaDsuiniwa“, d. h. Berg- und
Wassergarten, richtiger jedoch Feckigawa“ genannt,
bietet Hügelanlagen, Wasserfälle, Teiche mit Insein,
Baum- und Gesträuchpflanzungen. (Felspartien bilden
sein „Skelett“; sie sollen so erscheinen, als ob die Natur
selber sie hingelegt hätte; das Material dafür wird oft
mit grossen Kosten aus weiter Ferne herbeigeschafft.)
Blumenbeete nach Art der unseren spielen keine Rolle
oder erscheinen nur in einem abgesonderten Tbeil in
der Nähe der Frauengemächer. Laubabweriende Bäume
und Sträucher werden mit Ausnahme des im ersten
Frühling oft noch unter dem Schnee blühenden Mume-
baumes nicht in unmittelbarer Nähe des Hauses ge¬
pflanzt.
Rasenflächen kennt der alte japanische Garten
nicht, ihre Stelle vertritt auf den ebenen Flächen fest-
gestampfter Kies oder Sand. Nicht in regelmässigen
Reihen gelegte, sondern malerisch und dem Fuss des
Lustwandelnden bequem gelegte flache Schrittsteine ver¬
treten unsere Wege. Besondere Sorgfalt wird der
Moosbedeckung der Hügel UDd Felspartien, dem Flechten¬
wuchs auf den Steioea gewidmet — Hilfsmittel maler¬
ischer Wirkung, die unsere Gartenkunst noch nicht be¬
achtet bat. Architektonische Anlagen drängen sich nicht.
Man liebt es aber, unter Baumgruppen und in Ge¬
büschen steinerne oder bronzene Laternen aufzustellen,
deren altertümliches Aussehen und zur Abendzeit mild
glimmendes Licht die stimmungsvolle Wirkung der An¬
lagen erhöht. Beliebt sind Bäume, vorzugsweise Kiefern